24.05.2016 0 Kommentare

50 Jahre Landsteiner GmbH

Anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums der Landsteiner GmbH erzählt Geschäftsführer Thomas Landsteiner über die Firmengeschichte.

Fotos: Mostropolis

Mein Vater KR Ing. Erich Landsteiner wurde in Hausenbach nahe St. Pölten geboren und absolvierte nach den Pflichtschuljahren die HTL Fachrichtung Elektrotechnik, damals BGSCH Bundesgewerbeschule in St. Pölten, wo er 1955 gemeinsam mit 12 Kollegen maturierte. Angehende Elektrotechnikingenieure waren damals wie heute von den Firmen sehr begehrt und so wurde auch mein Vater gleich von Siemens in Wien engagiert, wo er dann 10 Jahre für den Auf- und Umbau der elektrotechnischen Ausstattung der österreichischen Flughäfen zuständig war.
Die Siemenszeit war nicht nur in beruflicher Hinsicht für meinen Vater eine wichtige Zeit. Auch in privater Sicht hat diese Zeit für unsere Familie den Ursprung gebracht.  Dort lernte er meine Mutter kennen, die als junge Technikerin bei Siemens begann, die ebenfalls mit HTL Abschluss in St. Pölten, Fachrichtung Elektrotechnik und erste weibliche Absolventin dieser Schule war. Schnell entfachte die Liebe und es wurde geheiratet und 2 Kinder, Andreas im Jahr 1964 und Thomas im Jahr 1965, kamen zur Welt.
Mein Bruder Andreas, den wahrscheinlich viele nicht kennen, lebt mit seiner Frau Sabine und 2 Kindern, Stephan und Matthias, in Tirol; ist Montan Diplom Ingenieur und kam beruflich dort hin. Er ist heute in der Geschäftsleitung der TAL tätig, die Ölpipelines von Triest nach Ingolstadt betreiben.
Die Zeit um die Familiengründung war für meine Eltern auch eine sehr hektische Zeit im Berufsleben. Da nun in Österreich alle Flughäfen neu und auf Stand der Technik waren, waren die Visionen für meinen Vater im Siemens Konzern nicht mehr befriedigend und er verfolgte daher sein Ziel, sich selbstständig zu machen. Dies setzte er auch konsequent um und hatte ursprünglich vor, mit einem Kollegen das Elektrogeschäft Geyerhofer in Amstetten zu übernehmen. Der Kollege sprang aber dann kurzfristig aus privaten Gründen ab und da die Verhandlungen mit Geyerhofer so fortgeschritten waren, entschied er kurzerhand die Sache selbst und alleine mit meiner Mutter, die mit 2 kleinen Kindern ohnedies schon gut beschäftigt war, durchzuziehen.

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Vorerst pendelte mein Vater wöchentlich von Loosdorf wo wir wohnten, nach Amstetten um die Firma aufzubauen und 1968  wurde dann unsere erste Wohnung in Amstetten, Roseggerstraße 4 angemietet und ab dann waren wir Amstettner.
Die Firma Geyerhofer hatte bei der Übernahme 14 Leute und der Standort war in der Wiener Straße 33. Von dort aus wurde der Handel und der Gewerbebetrieb geführt. Der Betrieb wuchs und das Einstiegsmisstrauen gegenüber dem „Neuen in Amstetten“ schmolz. Der Platz im Stadtbereich war für die Ansprüche des Betriebes nicht mehr gerecht und so wurde mit Weitblick ein doppelt so großes Grundstück wie vorerst genutzt, gekauft, wo 1974 in die neue Zentrale mit Bürogebäude, Lager und Werkstätte eingezogen ist. Das Handelsgeschäft verblieb wie heute in der Wienerstraße. Der Gründergeist meines Vaters beschränkte sich nicht nur auf die reine Elektrotechnik. So wurde 1970 ein Küchenfachgeschäft in der Bahnhofstraße eröffnet, mit einer kleinen dazugehörigen Tischlermontageabteilung. Ebenso wurde vorwiegend für den Schaltschrankgehäusebau eine Schlossereifirma, die Firma Drobnik, 1973 aufgekauft und dann in der Kruppstraße integriert.
1977 verwirklichte mein Vater ebenso eine Idee und Vision, die ihn schon lange verfolgte. Der Aufbau und Betrieb eines Kabelnetzes in Amstetten mit vorerst 5 Fernsehprogrammen über Direktempfang, wurde in Angriff genommen. Um das entsprechende Know How zu erweitern flog mein Vater nach Kanada, wo derartige Netze schon im Einsatz waren.
Mit viel Mühe und unter hohen finanziellen Belastungen haben wir es Gott sei Dank geschafft, sodass heute ein modernes Netz mit hochauflösenden digitalem Fernsehen, extraschnellem Internet und Telefondiensten profitabel arbeitet. Das war eine der schwierigsten Zeiten in der Landsteiner Unternehmensgruppe.
Das Elektrohandelsgeschäft verzeichnete zur gleichen Zeit einen Aufschwung durch die Themen Farbfernsehen und allgemein guter Nachfrage an Elektrogeräten, was im Gegensatz zu heute eine schwierige Branche ist. Im Jahr 1985 ergab sich die Gelegenheit des Ankaufs des Nachbarhauses Wiener Straße 31, was mit den knappen Mitteln des Aufbaus sehr schwierig und nur durch eine Leibrentenverpflichtung möglich war. Im Bereich Elektroinstallationstechnik wuchs der Betrieb ebenfalls ständig und neben den heimischen Aufträgen wurden auch Exportgeschäfte durchgeführt. Ein markanter Meilenstein in der Unternehmensgeschichte sind die DDR Aufträge von1973 bis 1983, die einen großen Umsatzanteil unseres Unternehmens ausmachten.

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Wir, als österreichische Firma hatten den Vorteil, dass die DDR keine westlichen Nationen beauftragte und nur neutrale Länder wie Ö, S, CH usw. bevorzugte. So kamen wir in den Genuss, mit der westdeutschen SIEMENS im Hintergrund, sehr große Aufträge im damaligen Ostdeutschland, wie das Int. Handelszentrum in Berlin das IHZ, viele Autobahntankstellen für Intertank und sonstige große Projekte ausführen zu dürfen. Es boomte und der Mitarbeiterstand stieg und stieg.
Als 1983 das DDR Geschäft zu Ende war und wir mit einem blauen Auge der Insolvenz des Generalunternehmens entkommen sind, haben wir unsere ganze Kraft in den heimischen Markt gesteckt und begannen mit Spezialgebieten wie E-Installationen in Krankenhäusern und Pflegeheimen und mit dem Engagement im Umwelttechnikbereich neue Bereiche zu bearbeiten und die starke Konzentration auf dem Regionalmarkt auszubauen.
Ein weiterer einschneidender Zeitpunkt in unserem Unternehmen war der Abgang eines wesentlichen Teil`s unserer Führungsmannschaft im Jahre 1983, die selbstständig ebenfalls in Amstetten begannen. Dies war eine sehr schwere Zeit für unser Unternehmen, da teils Mitarbeiter und auch Kunden mitgenommen wurden und vor allem die Mitarbeiter in unserem Unternehmen fehlten.
Mit viel Einsatzkraft haben wir den Karren aus dieser Situation gezogen und es war auch die Zeit für eine Neuausrichtung unseres Unternehmens.
Wir trennten uns von all unseren nicht elektrotechnischen Unternehmenszweigen, wie das Küchenfachgeschäft, was allerdings schon etwas zuvor war und unserer Schlosserei. Beide Zweige wurden mit Rücksicht auf die Mitarbeiter in geordneten Verhältnisse an entsprechende Nachfolger bzw. Übernahmebetriebe übergeben.
Und nun gings mit aufgekrämpelten Ärmeln los, das Unternehmen in dieser Form wieder erfolgreich zu machen.
An dieser Stelle ein besonderer Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in dieser schwierigen Zeit der heutigen Jubilarin, der Landsteiner GMBH, treu und loyal waren und bis heute noch sind.
Aufgrund dieses Engpasses in dieser Situation war die Entscheidung sofort in der Firma mitzuarbeiten naheliegend und so startete ich vollzeitmäßig im Unternehmen Landsteiner GMBH. Wir bekamen die schwierige Zeit in den Griff und die Unternehmensentwicklung war erfreulich. Sowohl die Landsteiner GMBH mit Gewerbe und Handel, als auch die Kabel-TV Amstetten GMBH waren wieder auf einem guten Weg. 1989 kam die Firma Brunmüller GMBH in Aschbach, ein regionaler Anbieter für Elektroinstallationen und Elektrohandel, in unsere Firmengruppe
1995 übernahmen meine Gattin Elli und ich die Geschäftsführung und Gesellschaftsanteile aller unserer Unternehmen und meine Eltern gingen in den wohlverdienten Ruhestand. Bei Landsteiner waren damals 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen.

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1995 erfolgte als einer der ersten in unserer Branche die Zertifizierung unseres Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9000.
1998 führten wir umfangreiche Aufstockungsarbeiten im Verwaltungsgebäude Kruppstraße 3 durch und schafften neuen Raum für beste Arbeitsqualität, ebenso wie Umbauarbeiten im Handelsbereich Wiener Straße 31-35, was 2000 durch umfassende Zubauarbeiten am Grundstück Kruppstraße 3 zum Einbau der Kabel-TV Kopfstation sowie Erweiterung des Schaltanlagenbaus und Schaffung von Büroflächen fortgesetzt wurde. Im Kabel-TV Netz wurde voll auf Lichtwellenleitertechnologie gesetzt und ausgebaut.
1999 erfolgte die Verleihung  des Gütezeichens für Elektrotechnik und Prozessleittechnik der Gütegemeinschaft Wassertechnik und 2003 die Zertifizierung unseres Sicherheits-, Gefahren- und Umweltschutzsystems nach SCC** und später dann nach OHSAS.
Zudem kam erst kürzlich das Unternehmen Elektro Spreitzer GmbH zur Landsteiner Gruppe hinzu. Immerhin sind heute rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landsteiner Gruppe beschäftigt.
Grundsätzlich ist Wachstum nicht oberstes Credo der Landsteiner Gruppe. Man muss hierbei aber quantitatives Wachstum von qualitativem Wachstum unterscheiden. Unser Wachstum ist ausschließlich zweiterem, nämlich dem qualitativem Wachstum zuzuordnen. So auch bei unserem jüngsten Zugang in der Landsteiner Gruppe, nämlich der Elektro Spreitzer GmbH, ein regionaler Elektrobetrieb mit großer Kompetenz im Bereich Photovoltaik, die seit 01.04.2016 unsere neuen Kolleginnen und Kollegen sind.
Für quantitatives Wachstum steht vor allem die Personalpolitik, nämlich gute Leute die sich zu uns gesellen um gemeinsam erfolgreich zu sein.
Wir betreiben mit Überzeugung seit vielen Jahrzehnten Lehrlingsausbildung. Wir gehen einerseits an Schulen. Das beginnt schon in der Volksschule, wo wir im Rahmen einer technischen Früherziehung mit den Kindern basteln um so vorhandene Talente und Neigungen zu wecken und zu entdecken. Meist sind die Kinder sehr begeistert, werden aber durch den Druck der Eltern, etwas vermeintlich Besseres zu tun, in Höhere Schulen gedrängt, wo viele leider scheitern. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, den Stellenwert einer Lehre und des dann ausgebildeten Facharbeiters in der Gesellschaft dort hinzubringen, wo er wirklich ist.
Ich darf an dieser Stelle noch erwähnen, dass ich nun seit ca. 30 Jahren im Unternehmen tätig bin und ich mich nie an eine Zeit erinnern kann, auch bei schlechter
Konjunktur, wo wir nicht Facharbeiter suchten, soviel zum Wert der Facharbeiterausbildung.
Wir gehen ebenso an Hauptschulen zur Berufsorientierung, sowie auch zu den Polytechnischen Schulen im Bezirk.
Wir kümmern uns einfach um die jungen Leute, sei es fachlich, wo wir eigene Schulungsprogramme mit praktischen und theoretischen Übungen absolvieren und ständig den Ausbildungsstand kontrollieren, wir fordern und fördern. Zudem wird über das Fachliche hinaus auch die emotionale Kompetenz der jungen Leute gefördert und zwar auch zu den Themen des sozialen Umgangs miteinander, Persönlichkeitsbildung, wirtschaftliche Bildung, mit einem Wort die emotionale Kompetenz die heute immer wichtiger wird.
Es ist wichtig ein offenes Ohr für die jeweilige Situation der jungen Leute zu haben und Verständnis für Ihre Situation zu haben, aber nichts desto trotz gibt es Grundlagen, die für alle Kolleginnen und Kollegen gelten, auf deren Einhaltung wir massiv hinweisen müssen, um eine Integration in unserem Team zu gewähren. Unsere Aufgabe ist es, den jungen Leuten zu vermitteln, dass es nur miteinander geht.

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Bis zu 60 Lehrlinge sind in den Unternehmungen der Landsteiner Gruppe ständig in Ausbildung und zahlreiche Auszeichnungen bestätigen dieses Bemühen, wie Markus Stöger von der Firma Brunmüller GMBH, ein Unternehmen der Landsteiner Gruppe, der Europas bester Elektroinstallationstechniker wurde.
2013 erhielt die Landsteiner GMBH die Niederösterreichische Ausbilder-Trophy 2013 für die meisten ausgebildeten Lehrlinge im Verhältnis zur Mitarbeiteranzahl.
2014 wird Lukas Pühringer, Lehrling der Landsteiner GMBH, Niederösterreichs bester Elektroinstallationstechnikerlehrling und nimmt am Bundeswettbewerb teil und auch heuer erreichte Daniel Christoph Keusch den 3. Platz beim NÖ. Landeswettbewerb.
517 Lehrlinge wurden seit 1970 in der Landsteiner GMBH ausgebildet. In der Landsteinergruppe sind das mehr als 600.
Unsere zahlreichen Auszeichnungen bereiten uns sehr viel Freude und Bestätigung, dass wir mit unseren Bemühungen auf dem richtigen Weg sind.
Ich darf von meiner Seite sagen, dass unsere Beziehung mit der Mannschaft und deren Vertretern so wie überall im Leben stattfindet und zwar in Form eines maßvollen Gebens und Nehmens. Ich behaupte bei uns ist die Welt noch in Ordnung, alleine schon wegen des gegenseitigen Respekts voreinander, mit einem Wort gelebte Sozialpartnerschaft, das was auch Österreich in den Aufbaujahren so stark gemacht hat und bei uns Gott sei Dank gegenwärtig ist. Darauf bin ich sehr stolz.
All die Ausführungen zeigen, dass im Familienunternehmen die Familie, gemeint die Familie der Unternehmer im engeren Sinn und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im weiterem Sinn, stark im Zusammenhang mit dem Unternehmen stehen. Ein Zeichen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und das verspreche ich für unser Unternehmen dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.
Besonders zu danken ist auch dem Herrgott, der schützend über uns wacht, sodass es in der Unternehmensgeschichte keine schweren Arbeitsunfälle und Verletzungen gab.
Ich wünsche von meiner Seite der Jubilarin alles Gute für die weitere Zukunft und damit vor allem allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens Landsteiner GMBH und der gesamten Landsteiner Gruppe.

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Rubrik:: Panorama

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