04.05.2014 1 Kommentar

5/8erl in Ehr’n im Interview: „Man lässt die Musik wirken. Darum geht es eigentlich.“

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Miki Liebermann und Hanibal Scheutz von 5/8erl in Ehr’n. Foto: Peter Riel jun.

5/8erl in Ehr’n | Sie verschmelzen Anleihen aus Wienerlied, Jazz und Grooves von Soul und Blues zu einem genialen Ganzen. Das momag traf die Gitarristin Miki Liebermann (Ex-Ostbahnkurti „Lilli Marschall“) und den Kontrabassisten Hanibal Scheutz (Sohn von Austro-Rocker Wilfried), um über die großartige „Wiener Soul-Band“ 5/8erl in Ehr’n zu plaudern.

Wie und wann habt ihr euch gefunden?

Miki: Das war im Sommer 2006. Das war bei mir. Ich wohne in einem Schrebergarten-Häuschen und da kamen wir zusammen.
Hanibal: Miki hat ja früher bei der Chefpartie gespielt, der Pianist von der Chefpartie war unser Klavierlehrer. Wir haben ihm erzählt „Wir brauchen einen leiwanden Gitarristen“ und er meinte: „Ich kenn‘ nur eine.“ So ungefähr. Und dann haben wir uns gleich verknallt ineinander.

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5/8erl in Ehr’n. Foto: Rania Moslam

Euer Stil wird als „Wiener Soul“ beschrieben. Es ist aber wesentlich mehr enthalten.

Miki: Grundsätzlich sind wir groovig. Klar, wir haben alle am Jazz-Konservatorium studiert und Jazz-Erfahrungen gesammelt und es kommen bei uns auch Jazz-Akkorde vor. Aber eigentlich sehen wir uns als Pop-Band im weiteren Sinne.
Hanibal: Ich glaube, die Sänger färben das Ganze auch sehr soulig ein. Deswegen passt das schon ganz gut mit „Wiener Soul“. Aber Pop war ja schon immer alles.
Miki: Jazz war ja früher auch Pop. Als man dazu noch getanzt hat. „Wiener Soul“ steht aber auch noch für die „Wiener Seele“. Das ist unsere Heimatstadt und wir reden auch in der Sprache und erzählen unsere Geschichten in der Sprache.
Hanibal: Wie die Miki so schön sagt… Wie sagst du das mit Träumen?
Miki: Ich träume auf Wienerisch.
Hanibal: (lachen) Genau, darum ist unsere Musik auch so.
Miki: Ich war mal länger in Amerika und da beginnt man dann ein wenig Englisch zu träumen. Aber die täglichen Sachen, die man macht, die richtigen Träume sind auf Wienerisch.

Das Lied „Happy Hour Stunde“ ist vom Stil her komplett anders als die anderen Songs. Wo sind da eure musikalischen Grenzen?

Hanibal: Wir probieren immer viel aus und haben auch im Porgy & Bess einmal „plugged“ gespielt. Wir haben es aber nicht weiterverfolgt, weil wir „unplugged“ mehr spielen. Die „Happy Hour Stunde“ ist eigentlich ein Feature mit „nee“, der Band unseres Pianisten Clemens Wenger.

Ich habe gehört, dass ihr jetzt wieder im Studio seid, in welche Richtung geht es musikalisch?

Hanibal: Es wird noch viel einfacher als auf der letzten Platte. Es kommt alles mehr auf den Punkt. Viel mehr kann man eh nicht mehr auf den Punkt kommen, aber wir tun es trotzdem.
Miki: Wir schauen, wie weit wir gehen können. „Was kann ich weglassen, dass trotzdem noch was übrigbleibt.“

Man merkt bei euren Auftritten, dass die Chemie stimmt. Ist das auch ein Geheimnis eures Erfolges?

Miki: Man kann nicht so viel wie wir zusammenpicken und so an etwas dran bleiben, wenn man sich nicht mag.
Hanibal: Wir kennen uns alle schon sehr gut. Mittlerweile.
Miki: Und es ist lustig, dass wir uns nach über sieben Jahren noch immer nicht auf die Nerven gehen. Wir entwickeln uns alle weiter, aber Gott sei Dank doch so, dass der Input, den jeder in die Band bringt, immer passt.

Ihr wart schon in Wieselburg und am 24. Mai kommt ihr nach Pöchlarn. Ihr seid öfter im Mostviertel, oder?

Miki: Ich hatte schon früher, bei der Chefpartie, das Gefühl, dass es da eine sehr bemühte Kulturszene gibt, die wirklich viel veranstaltet. Es gibt auch Bundesländer, in denen fast gar nichts passiert.

Wird es in Pöchlarn ein anderes Programm geben als in Wieselburg?

Hanibal: Ein wenig anders. Die neuen Sets beinhalten nicht nur neue Nummern, denn sonst wär es nicht abendfüllend. Aber wir tauschen schon aus und arrangieren andere Übergänge.
Miki: Wir nehmen vielleicht auch wieder ältere Sachen, die wir schon länger nicht gespielt haben, mit rein. Alles vom neuen Album können wir auch noch nicht spielen, sonst wäre unsere CD-Präsentation überhaupt keine Überraschung mehr (lacht).

Wie ist das Publikum an verschiedenen Orten im Vergleich?

Miki: Es ist vor allem ein großer Unterschied zwischen Ost-Österreich und Bayern. Wir werden in Bayern etwas anders verstanden. Man muss auch, je weiter man westlich geht – wir waren zum Beispiel im Elsass – schon sehr viel übersetzen. Da ist es dann schon anders.
Hanibal: Wir müssen uns erst rantasten, wie wir das im Norden von Deutschland machen. Dort wollen wir 2015 in den Hauptstädten spielen. Hier werden wir sicher mehr Augenmerk auf die Musik als auf den Text legen.

Oder Untertitel einblenden.

Hanibal: Ja, zum Beispiel (lacht). Wie in der Oper, oder? Was in Kairo zum Beispiel war, ist, dass man sich halt auch annähert an das, was die Leute dort verstehen. Wir haben versucht, die Ansagen arabisch zu gestalten. Nicht viel, aber es kam uns wahnsinnig viel Liebe entgegen. Das Vorurteil, dass die Mundart im Ausland nicht funktioniert, ist Unsinn. Umgekehrt ist es ja auch nicht anders. Wenn Franzosen oder Spanier zu uns kommen, versteht auch die Hälfte im Publikum nicht, was gesprochen wird. Entweder man erklärt es dann oder man lässt die Musik wirken. Darum geht es eigentlich.

Wie alt ist euer Publikum im Schnitt?

Miki: 18 oder sogar jünger bis 70, 75. Der Großteil ist so zwischen 18 und 40, 50.
Hanibal: Ein Mädel hat mal gemeint, es mache sie so froh, dass sie zu uns mit ihrer Mutter und mit ihrer Oma kommen kann. Das finde ich eigentlich sehr schön, wenn man so verschiedene Generationen anspricht. Das hat uns am Anfang auch lange über Wasser gehalten, als uns noch nicht so viele Leute gekannt haben, weil wir auf ganz verschiedenen Festivals spielen konnten. Heute Schrammelklang-Festival, morgen Popfest.

Welche Frage würdet ihr gerne einmal gestellt bekommen?

(lacht) Hanibal: Keine Ahnung! Wir reden eh immer so wie uns der Schnabel gewachsen ist und so viel lassen wir eh nicht aus, glaube ich.
Miki: Welche Frage würdest du uns stellen, die du irgendwie noch nie gewagt hast zu stellen?
Hanibal: Geniale Gegenfrage!

Info | www.5achterl.at
www.facebook.com/5achterl

Interview | Petra Ortner

Termine | 24.5. Pöchlarn, Rathauskeller
31.5. Pürbach, Waldviertler Hoftheater

Rubrik:: Kultur

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  1. Ich bin ein Fan von 5/8terl in Ehren! Hab Sie letztens gesehen und gehört und war sehr beeindruckt! Ich mag das Wienerlied generell in seiner Vielfältigkeit!

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