20.11.2017 0 Kommentare

„Alles was ein Mensch hat, haben wir auch. Wir sind alle Kübeln.“

Eine der erfolgreichsten österreichischen Bands der letzten Jahre präsentiert im Oktober ihr neues Album „Niente“. Das momag traf den Bassisten Reinhold „Ray“ Weber und den Schlagzeuger Lukas Hasitschka zum Gespräch.

„Ich habe die Kritiken zu „0043“ nicht gelesen. Ich wusste schon, dass es viele, die auf Wanda stehen, irritiert.“
Foto: Georg Rieger

interview | petra ortner

Konntet ihr den Erfolg der letzten Jahre eigentlich auch genießen?

Lukas: Zwischenzeitlich immer wieder einmal. Die Zeit vergeht halt wie im Flug, weil man ständig weiterarbeitet, an einem neuen Album und Konzerten.Ray: Ich bin gerade dabei, die „Amore-Phase“ zu verarbeiten (lacht). Man braucht da echt ein paar Jahre oder sogar sein ganzes Leben, bis man das alles irgendwie verarbeitet hat.

Welches Konzert war bisher euer persönliches Highlight?

Ray: Das Lollapalooza – auch wenn technisch nicht alles super war (lacht). Ich kann es echt nicht in Worte fassen, wir hatten einfach so viel Spaß bei dem Konzert! Aber auch die Wiener Stadthalle war ein riesen Ding, das wir da hingelegt haben.

Lukas: Ich merke es immer an meinen Verletzungen. Je mehr, desto geiler war das Konzert. Da geht man auf die Bühne als wär’ es das letzte Mal, was wir ja grundsätzlich immer tun. Man merkt das dann an den blauen Flecken, Blasen und Schnittwunden.

Ray: Da, diese Schnittwunde an seinem Finger ist die geilste, die ich jemals gesehen hab’! Da ist er in die Hi-Hat reingefallen!

Lukas: Ja, und das Blut ist auf die Snare Drum getropft (lacht). Das ist ein Konzert! Also wenn einem alles wurscht ist und man einfach nur Vollgas gibt.Ray: Ja, das ist Rock’n’Roll!

Wurden viele Ideen fürs neue Album auf Tour niedergeschrieben?

Ray: Die Ideen und Grundgerüste schreibt Marco, zum Teil auch wenn wir unterwegs sind und etwas besonderes erleben, was in einem Song verarbeitet werden kann. Oder er geht auf Urlaub nach Triest und schreibt dort. Die Lieder entstehen im Leben, wir breiten es auf und wollen Projektionsflächen erschaffen. Jeder kann sich dann dazu alles einbilden und glauben, was er halt irgendwie spürt und fühlt bei der Musik. Wir schreiben ja Songs im Namen des gesamten Lebens. Wir fühlen uns rein in jedes einzelne Leben, das es auf dieser Welt gibt. Wir verspüren und fühlen alle das Gleiche, irgendwie. Wir fühlen alle Liebe, Gott sei Dank. Hoff ich für jeden. Alles was ein Mensch hat, haben wir auch. Wir sind alle Kübeln (lacht).

War bei „Niente“ gleich klar, in welche Richtung der Sound geht?

Lukas: Nein, eigentlich gar nicht. Der Sound zieht sich nicht wie ein klarer Faden durch das Album. „Niente“ sagt für mich auch genau das aus. Es ist nichts vorgegeben, es ist kein Konzeptalbum. Jedes Lied steht für sich, aber auch das ist nicht klar vorgegeben.Ray: Durch manche Songs, wo wir Streicher dazugenommen haben, wurde der Sound auf eine gewisse Weise erweitert. Es ist noch genau der gleiche Sound, den wir am Anfang hatten, aber mit ein paar neuen Aspekten und Klangfarben.

Die Reaktionen auf die erste Single „0043“ waren sehr gespalten.

Lukas: Wir erinnern uns an eine Zeit, wo wir für ein „Bussi Baby“ ungefähr 600 Hater-Kommentare bekommen haben. Irgendwann liest man das nicht mehr. Es ist ok, wenn unsere Musik dem einen viel bedeutet und dem anderen gar nichts. Das ist das Schöne an dieser Welt, dass nicht jeder den gleichen Geschmack hat. Ich habe die Kritiken zu „0043“ nicht gelesen. Ich weiß schon, dass es wahrscheinlich viele, die auf Wanda stehen, irritiert.

Ray: Wir leben in einer Zeit, wo Social Media ein Bestandteil unseres Lebens ist. Ich lese die Kommentare durch, wenn ich auf Facebook ein Posting mache. Es berührt mich aber nicht persönlich, wenn jemand einmal etwas hated. Jeder soll seine Meinung sagen, das passt schon.

Lukas: Man muss selbst damit zufrieden sein, alles andere wird unwichtig.

Ray: Es ist so schön, dass ein so gescheiter Mensch da neben mir sitzt! (lacht)

Lukas: Es ist auch schön, dass so ein liebevoller Mensch neben mir sitzt.

Ray: Der nicht so g’scheit ist, ja. (lacht)

Seid ihr vor Auftritten noch nervös?

Ray: Immer! Ich stehe seit meinem elften Lebensjahr auf Bühnen und es ist immer die gleiche Nervosität, die ich habe. Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht, weil ich mir meiner selbst sicher bin und ich mich auch immer weiterentwickle und besser werde in dem was ich mache. Zumindest bilde ich es mir ein. Und es ist echt egal, ob wir vor einem Menschen oder vor 60.000 Leuten spielen. Eigentlich ist es schlimmer vor einem. Ich kann nicht sagen, warum das so ist. Ich finde es aber schön, weil es mich auf Touren bringt, mein Adrenalinpegel hochgeht.

Lukas: Ich bin eigentlich gar nicht nervös vor einem Konzert. Das liegt vielleicht an der Konzentration auf die Sache, auf meine Aufgabe, nämlich keine Emotionen – außer Freude – zuzulassen, weil das sonst das Gerüst ins Wanken bringt. Als Schlagzeuger ist das sehr wichtig. Außerdem ist es hinten in der zweiten Reihe leichter. Wenn ich vorne stehen würde, wär’ ich auch nervös.

Wie schaut’s eigentlich mit Groupies aus?

Lukas: Meistens sind da Kinder mit ihren Eltern, die ein Foto mit uns wollen. Das finde ich total süß. Wir kamen da beim Lollapalooza von der Bühne runter, wo wir vor 40.000 Leuten spielten, komplett zerstört und blutig und da unten warten die und machen „Hallo! Dürfen wir ein Foto machen?“ Das macht Freude! Groupies fallen mir nicht auf, weil ich weder die Zeit noch die Energie habe, auf etwas einzugehen, das gar nichts mit der Musik zu tun hat. Mich freut’s, wenn da jemand ist, der sagt: „Ihr bedeutet mir so viel, weil…“ – egal warum. Aber wenn eine herkommt und einfach nur mit der Band in den Bus steigen will, das gibt mir gar nichts.

Ray: Also es gibt Groupies auf dieser Welt (lacht). Es gibt auch sicherlich Menschen, die uns als Musiker oder Personen schätzen und dadurch eine Verbindung zu uns aufbauen. Natürlich geben wir nach den Konzerten gerne Autogramme und sind bei den Leuten.

Lukas: Den Groupies geht es ja um ganz was anderes als den Fans. Die kommen aus einer Zeit, wo es noch möglich war, mit der Band mehr oder weniger im Tourbus mitzufahren und so.

Ray: Voll, ja, stimmt! Dann haben wir aber Groupies, das sind dann doch keine Freunde (lacht). Nein, Gott sei Dank hab ich Freunde. Also die Frage kann man so beantworten: Es gibt Groupies. Wir sind aber keine Band, die solche Leute mitnimmt.

web | niente.wandamusik.com, www.facebook.com/wandamusiktermin

7.4.2018, Wiener Stadthalle

Rubrik:: Interviews

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