21.01.2021 3 Kommentare

Alles wie immer

Konstantina Rösch ist Ärztin für Allgemein­medizin und war viele Jahre an einer Universitätsklinik in der Abteilung für innere Medizin tätig.  ©konstantina rösch

[kommentar von konstantina rösch]

Keine unnötige Angst. Atemwegs­erkrankungen, auch mit teils schweren Verläufen, treten in jedem Winter auf.

Überlegen wir mal zurück: ein Jahr, zwei Jahre, fünf Jahre. Wer hat sich damals für eine Auslastung der Spitalsbetten interessiert? Jeder, der schon mal im Spital war, weiß, dass es voll ist. In vielen Spitälern gibt’s sogar­ Gangbetten. Wo ist da das Neue daran? Jeden Winter gibt es eine Übersterblichkeit. Wir verzeichnen mehr Atemwegs­erkrankungen und es sterben im Winter mehr Leute. Jetzt kann man mal hergehen und sich die Statistik anschauen, man kann das relativ leicht herausfinden auf den offiziellen Statistikseiten der Nationen. Dann kann jeder selbst überlegen, wo wir das Problem haben.
Im Übrigen ist ein Spital dazu da, dass es voll ist. Sonst bräuchten wir es ja nicht. Auch eine Intensivstation ist immer mehr oder weniger voll. Das geht azyklisch, weil man das etwas schlechter planen kann, wie viele kritisch kranke Menschen eintreffen werden. Die wenigsten haben bis jetzt überhaupt eine Ahnung davon gehabt. Jetzt redet auf einmal jeder mit, denn es steht ja in der Zeitung. Was in der Zeitung steht und was im Fernsehen gebracht wird, das stimmt ja auch. Oder möglicherweise doch nicht?
In Österreich ist noch nie jemand weggeschickt worden, weil nicht genug Platz im Spital war. Im Sinne von „Einer muss jetzt sterben, weil der andere behandelt wird“. Jeder, der das behauptet, lügt. Es wird auch heuer nicht passieren. Anschober weiß ganz genau, warum er in den letzten sechs Monaten nicht dafür gesorgt hat, dass es mehr Intensivkapazitäten gibt. Weil wir nämlich genug haben.
In der Steiermark war die Auslastung der Intensivstationen im April und Mai bei 16% und die der Normalstationen bei 25%. Was auch eine sehr eigenartige Vorgehensweise ist, die noch nie da war: dass man Betten für eine bestimmte Erkrankung freihält. Das gab es noch nie, und ich halte das für einen völligen Irrsinn. Mit dieser Taktik ist man zu 25% Auslastung gekommen, Operationen wurden nicht durchgeführt, Menschen auf Wartelisten für elektive Eingriffe sind verstorben. Überhaupt wurde die ganze Versorgung runtergefahren, nur weil der Corona-Patient jetzt der wichtigste ist. Das ist Zynismus der grausigsten Sorte.

Rubrik:: Corona, Meinung

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3 Kommentare zu "Alles wie immer"

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  1. Isabella sagt:

    Ich finde diese Ärztin unglaublich mutig. So wie David gegen Goliath!
    Eine sehr mutige und aufrichtige Frau!
    Und wenn man sich mal selbst die Mühe macht und die Statistiken ansieht und mit den Jahren zuvor vergleicht weiß man das sie Recht hat. Da gibt es nicht viel Unterschied. Vielleicht das die Grippe fast ausgestorben ist aber da das ja nicht wirklich möglich ist, wird die Tatsache so sein das Grippe Fälle zu Korona Fälle dazugezählt werden.

    Und an Momag möchte ich ebenfalls ein Danke aussprechen!
    Es ist sicherlich nicht leicht kritisch über ein Thema zu schreiben das so wie nichts anderes mehr die Medien beherrscht. Jeder Fernsehsender, jede Zeitung jeder Radiosender die Nachrichten alles nur noch Propaganda. Eine Dauerbeschallung wo man nur noch in eine Richtung denken soll. Selbst Psychologie wird angewandt wo zb. : jene die sich Impfen lassen wollen als heilige und Retter dargestellt werden und die Menschen die zb. nicht bei der derzeitigen Langzeitstudie mitmachen wollen als Egoisten.

    Viel zu wenig werden zwei Seiten von diesem Thema beleuchtet.
    Ein Pro und Kontra gibt es fast nicht. Nur einseitige Berichterstattung.

    Schön das eine unabhängige Zeitschrift noch wirklich unabhängig ist. Mit freundlichen Grüßen Isabella

  2. Michie König sagt:

    Lieber Herr Handl!

    Vielen Dank für Ihr Feedback. Als unabhängiges Medium sehen wir unsere Pflicht darin, ein breites Spektrum an Meinungen und Ansichten in der Öffentlichkeit zu unterstützen. Eine fachliche Diskussion zwischen zwei Medizinerinnen (oder Medizinern) mit unterschiedlichen Perspektiven auf dieses Thema würden wir gerne medial begleiten. Bitte wenden Sie sich gerne per E-Mail an redaktion@momag.at, falls Interesse besteht.
    Herzliche Grüße,
    Michie König

  3. Engelbert Handl sagt:

    Wenn es diese Ärztin wirklich gibt, finde ich es tragisch, dass sie die Wahrheit so verdreht.
    Unsere Tochter ist Fachärztin für Anästhesie und wer die Situation in den Kliniken in letzter Zeit erlebt hat, kann wohl nicht solche Aussagen tätigen.
    Wenn Sie in Zukunft solchen „Fachleuten“ eine Plattform bitten, interessiert mich die MOMAG nicht mehr – obwohl ich seit vielen Jahren mit viel Interesse Ihre Arbeit verfolge.
    Mit freundlichem Gruß
    Engelbert Handl

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