21.07.2016 0 Kommentare

Amstettner Wirtschaft zieht Halbjahresbilanz mit Licht- und Schattenseiten

Im Bezirk Amstetten laufen die Entwicklung der Wirtschaft und die Stimmungslage deutlich auseinander. „Die Auftragslage in den Branchen ist zwar allgemein zufriedenstellend, und die Rückmeldungen der Unternehmer über ihre Entwicklung seit Jahresbeginn sind durchschnittlich im grünen Bereich, aber die Stimmung in den Betrieben über die Rahmenbedingungen ist besorgniserregend“, berichtet der Leiter der Bezirksstelle der Wirtschaftskammer Amstetten, Andreas Geierlehner, dem NÖ Wirtschaftspressdienst.

Foto: Nikita K. / Linzer

Foto: Nikita K. / Linzer

Die allgemeine Kritik an den Belastungen durch die Verwaltung mit ihren überschießenden Regulierungen und die daraus folgende Verunsicherung der Unternehmen schlagen sich in einer verhaltenen Investitionstätigkeit nieder“, sagt Geierlehner. Damit setze sich ein Trend fort, der schon vor Jahren bundesweit begonnen habe und wovon der Bezirk Amstetten keine Ausnahme mache. Betriebsansiedlungen im produktiven Sektor gäbe es zwar nach wie vor, seien aber die Ausnahme. Die Tendenz gehe eindeutig in Richtung Dienstleistungen. Demnach steige der Anteil der Ein-Personen-Unternehmen weiter an. „Waren es 2013 noch 59,5 Prozent aller Unternehmer im Bezirk, sind es Ende 2015 bereits knapp 62,8 Prozent gewesen. Dazu zählen auch die selbständigen Personenbetreuer, die mit knapp 1.000 Unternehmern die Treiber der Gründungsstatistik sind.

Stark unter Druck sei die produzierende Wirtschaft geraten. Neben der Bürokratie, den Lohnnebenkosten oder den starren Arbeitszeitregelungen ist es auch der Fachkräftebedarf, der die Wirtschaft behindert. „Es ist seltsam, dass trotz steigender Arbeitslosigkeit die Wirtschaft immer größere Probleme bekommt, geeignete Fachkräfte zu finden“, stellt Andreas Geierlehner fest. Die aktuellen Ankündigungen der Politik haben jedenfalls die Erwartung genährt, dass endlich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessert werden. Inwieweit die beabsichtigten Begünstigungen für Investitionen und die Deregulierung des Betriebsanlagenrechts sich positiv auswirken, werde allerdings erst die Realität zeigen.

In Licht und Schatten bewegt sich im Bezirk auch die duale Berufsausbildung. „Der Bezirk Amstetten ist da in der glücklichen Lage, eine gute Infrastruktur mit qualitativ hochwertigen Lehrbetrieben zu haben“, so Geierlehner. Den Erfolg habe die jüngste Lehrlingsfeier des Bezirkes mit einer noch nie da gewesenen Zahl ausgezeichneter  Lehrlinge demonstriert, so der WK-Bezirksstellenleiter. Dennoch seien die Zahl der Lehrbetriebe sowie die Zahl der Lehrlinge im Sinken. Dies sei auf die demografische Entwicklung mit weniger Jugendlichen, aber auch auf den Rückgang der Produktionsbetriebe zurückzuführen.

Die Wirtschaft des Bezirkes Amstetten besteht derzeit aus 8.778 Betrieben, um knapp 4,3 Prozent mehr als im Jahr 2015. Seit Jahresbeginn sind mehr als 500 Gewerbeanmeldungen erfolgt. Ein Gutteil davon entfällt auf Gründerberatungen im Sinne des Neugründungsförderungsgesetzes. Mit elf Konkursverfahren, neun Schuldenregulierungsverfahren und zwei Sanierungsverfahren liegt die Insolvenzstatistik auf der Höhe des Vorjahres.

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wirtschaftspressedienst.at (dsh)

Rubrik:: Mostviertel

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