18.03.2016 0 Kommentare

Die Wiener Metal-Band Ecliptica erzählt von Identitätssuche, Live-Shows und Windmaschinen.

Die Wiener Metal-Rock-Band wurde 2005 vom Gitarristen und Songwriter Markus Winkler gegründet. Sie verbindet diverse Musikstile von Power Metal bis zu Hard Rock und macht ihr ganz eigenes, druckvolles Ding daraus. Mit dem neuen Album „Ecliptified“ sind sie wieder lautstark auf Erfolgskurs.

„Eine Band, die ihre Lieder wie auf CD spielt und auf der Bühne passiert nichts, ist langweilig.“ Foto: Felix Mitterer

„Eine Band, die ihre Lieder wie auf CD spielt und auf der Bühne passiert nichts, ist langweilig.“
Foto: Felix Mitterer

Was hat die Band seit ihrer Gründung besonders geprägt?

Van Alen: Ruhm, Erfolg und Geld, oder? (lacht)
Sandra: Der Besetzungswechsel, den es gab.
Markus: Ja, und dann unser weltweiter Plattenvertag mit Frontiers Records für das Album „Impetus“, der war auf jeden Fall sehr prägend. Und das neue Album jetzt, weil der Weg dorthin ein wirklich geiler war. Das hat uns als Band sehr eng zusammengebracht.
Van Alen: Auf der Suche nach der Musik, quasi.
Markus: Ja, irgendwie eine Suche nach der eigenen Identität. Wir sind wirklich sehr stolz auf das Album. Jetzt haben wir seit drei Jahren das selbe Line-Up und haben viel gemeinsam gemacht, das waren starke Jahre. Viele Konzerte. Das war schon extrem prägend, glaube ich.

Ihr habt nun „Ecliptified“ veröffentlicht.

Markus: Wir hatten extrem viele Nummern, quasi zwei komplette Alben. Stilistisch gingen wir diesmal mehr in Richtung Metal. Die Lieder habe zwar noch immer großteils ich geschrieben, aber die Band war viel mehr involviert beim Ausarbeiten der einzelnen Instrumente und so. Es war das erste Mal, dass wir als ganze Band gemeinsam an einem Album gearbeitet haben.

Was ist schwerer? Eine fetzige, schnelle Metal-Nummer oder eine Ballade?

Sandra: Für mich ist es schon schwerer, eine Ballade einzusingen und auch zu performen, weil es ganz andere Emotionen sind als bei einer flotten Metalnummer. Hier gebe ich Vollgas, mach‘ Party. Bei einer Ballade muss man zurückhaltend sein, da ist man in einer eigenen Welt. Es ist schon schwierig, wenn man auf der Bühne steht, dass man da nicht zu sehr in seiner eigenen Welt ist, sondern auch mit dem Publikum interagiert.
Van Alen: Bei mir ist es genau das Gegenteil. Bei den Metalnummern, die technisch anspruchsvoller sind, muss man voll bei der Sache sein.
Markus: Für mich ist es da schwer, emotional runterzukommen, live, bei einer Ballade. Vorher ist man total „Juhu“, aufgestachelt von der ganzen Action, und dann soll man ruhiger werden. Das ist der Unterschied.

„Sandra ist auf der Bühne eher maskulin vom Verhalten her.“ Foto: Georg Rieger

„Sandra ist auf der Bühne eher maskulin vom Verhalten her.“
Foto: Georg Rieger

Wie ist es als Sängerin in der Metal- und Rock-Männerwelt, Sandra?

Sandra: Die Leute haben oft ein Schema im Kopf bei der Mann-Frau-Besetzung. Die Frau muss schön singen und der Mann macht den harten Part. Bei uns ist es so, dass sich Tom und ich alles aufteilen. Wir sind beide ein wenig rotziger unterwegs. Aber es war bisher nicht schwieriger für mich. Ich fühle mich gleichberechtigt. Noch. (lacht)
Markus: Sandra ist auf der Bühne eher maskulin vom Verhalten her. Das macht es vielleicht auch etwas leichter.
Sandra: Danke, Markus! (lacht)

Ihr habt auf der CD einen super Bonustrack: „Sleeping In My Car“ von Roxette.

Van Alen: Live haben wir ja immer wieder Coversongs ausprobiert und am besten haben uns die Old School-Sachen gefallen. So sind wir auch auf die Idee gekommen, diese Nummer auf CD zu bringen, weil wir sie mögen und weil sie Spaß macht.
Markus: Es war lustig, denn wir mussten bei der Plattenfirma anfragen und diese war schwer zu finden. Roxette war bei EMI-Music, und diese Firma gibt es so nicht mehr. Nur noch den Verlag, der auch die Rechte verwaltet. Die haben unsere Version an Per Gessle persönlich geschickt, weil sie der Meinung waren, dass wir originale Samples vom Song verwendet haben. Obwohl wir versicherten, dass wir alles selbst gemacht haben (lacht). Per Gessle hat sich dann bei uns per Mail bedankt und meinte, es wär eine super Nummer und wir könnten sie selbstverständlich verwenden. Das war eine leiwande Bestätigung.

„Ohne Ventilator keine Show.“ Foto: Georg Rieger

„Ohne Ventilator keine Show.“
Foto: Georg Rieger

Was ist euch bei der Live-Show wichtig?

Markus: Vollgas! (lacht) Man geht raus auf die Bühne und bietet etwas, totale Action. Wir geben alles, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wir bauen auch immer kleine spezielle Show-Sachen ein. Wenn jemand zu einem Konzert geht, will er ja unterhalten werden.
Sandra: Auch der Ventilator ist wichtig. (lacht)
Markus: Ja, ohne Ventilator keine Show. Jedenfalls bei Alen. Bei mir bringt der nichts.
Van Alen: Sie sagen einfach Ventilator dazu, aber das Publikum sagt immer: „Boah, voll die arge Windmaschine!“ (lacht) Ein Zwanzig-Euro-Ventilator, den Markus umgebaut hat, sodass man ihn nach hinten drehen kann und er nach oben bläst. Und den schleppen wir jetzt seit drei, vier Jahren überall hin mit.

Euer wichtigstes Tool ist also die „Windmaschine“?

Van Alen: Richtig. Vergiss die Gitarre, vergiss alles. Aber nicht die Windmaschine.
Markus: Das sind Sachen, die sind wirklich wichtig. Die Leute reden darüber und so etwas gefällt ihnen auch. Eine Band, die ihre Lieder wie auf CD spielt und auf der Bühne passiert nichts, ist ja langweilig. Und wir spielen Rock’n’Roll, da wollen die Leute Entertainment.

Ich höre immer wieder, die Rockmusik sei in den Medien immer noch zu wenig präsent. Wie seht ihr das?

Markus: Ja, stimmt. Nächste Frage. (lacht). Es funktioniert hier sehr schlecht, aus welchen Gründen auch immer. Es gibt sehr wenige große – kommerziellere – Medien, die sich um die Rock-Sachen annehmen. Wir haben einen extrem guten und großen Underground, viele Bands, die extrem gut sind und die im Ausland mehr zählen als Zuhause. Das ist sehr traurig. Wir haben zum Beispiel in Wuppertal auf dem Börsencrash Festival gespielt. Das ist ein kleines, eintägiges Festival und dort kennt uns kein Arsch. Aber als wir auf die Bühne gingen, war die Halle bummvoll, drei- bis vierhundert Leute um fünf Uhr nachmittags. Dort haben wir auch beim Merchandise mehr als bei jedem Österreich-Konzert verkauft. Das wird aber eben auch von den Medien geprägt. In Österreich wird das alles zu wenig gefördert durch die breiten, großen Medien. Bei uns kommt man bis zu einem bestimmten Punkt, dann ist es aus und es stellt sich die Frage: „Mach ich weiter oder hör ich auf? Investiere ich noch mehr, gehe ich ins Ausland, verändere ich meinen Stil?“ Das ist sehr schade. Viele Radiosender zum Beispiel spielen keine kleineren Bands, auch wenn sie bei einem Label sind, Verträge haben. Die werden einfach nicht gespielt.

line up | Van Alen (Gitarre), Markus (Gitarre), Sandra (Vocals), Tom (Vocals), Petra (Bass), Roman (Drums)

web | ecliptica.at   facebook.com/Eclipticaofficial

termine | 12.3. Wien, Graffiti (unplugged)
9.4. St.Pölten, Freiraum (Tales from the Moshpit, mit Dragony und Sign of Decay)

 

interview | petra ortner

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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