17.06.2014 0 Kommentare

„Aundas“: Multiinstrumentalist Thomas Franz-Riegler im momag-Gespräch.

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Thomas Franz-Riegler mit Petra Ortner. Foto: Christine Petermandl

Thomas Franz-Riegler. Seit vielen Jahren macht er Musik. Er spielte in den unterschiedlichsten Bands und hat nun sein zweites Solo-Musiksatire-Programm „Aundas“ am Start. Das momag traf den Multiinstrumentalisten aus St.Peter/Au zum „Talk im Kaffeehaus“ in der Konditorei Hartner in Waidhofen/Ybbs.

Wann hast du entschieden, Solo aufzutreten?

Nach „Stoahoat & Bazwoach“, wo ich Schlagzeug spielte, habe ich Ende 2010 einfach beschlossen, mal alleine was zu tun, mit vielen Instrumenten und meinem ominösen Loop-Gerät. Am 1. April 2011 hatte ich dann meine Premiere in Waidhofen/Ybbs im „Steirer Himmel“.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

In erster Linie schreibe ich über Dinge, die auch mich betreffen. Das Leben ist sehr bunt. Ich würde jetzt nichts ausschließen, ob das Beziehungen, Krankheiten, „jammern“ oder was auch immer ist. Jammern kann ich gut. Es gibt auch ein Lied übers „jammern“ im neuen Programm. Hier habe ich erstmals in einem Lied auch politische Gedanken. Weil ich nicht verstehe, was für Hetzjagden heutzutage so passieren. Wann da irgendwo steht „Denkzettel für Rot-Schwarz“, denk ich mir: „Ok, wie oft in meinem Leben – wenn ich wirklich auf jemanden böse war, ich es jemandem „zurückzahlen“ wollte – hat sich das am nächsten Tag immer noch gut angefühlt?“ Sehr selten. Also sollten jene, die als „Denkzettel“ blau wählen wollen, vielleicht einmal durchatmen und darüber nachdenken.

Live spielst du alle Instrumente selbst und loopst diese dann. Wie läuft das ab?

Das Gerät, das ich da verwende, nimmt alles was ich spiele auf. Sobald ich die Aufnahme beende, wird das Gespielte wiedergegeben. Ich nehme zum Beispiel die Gitarrenbegleitung auf, dann singe ich mal eine Strophe oder den Refrain und bei der nächsten Wiederholung die zweite Stimme. Oder ich spiele Klavier oder Bass dazu. So wird das immer mehr und zum Schluss klingt es teilweise wie eine ganze Band. In welcher Reihenfolge ich welche Instrumente spiele, ist festgelegt. Es muss musikalisch Sinn ergeben und Spaß machen. Wenn ich das zufällig machen würde, wäre das Ergebnis auch jedes Mal anders. Was ich sonst mache, ob Mimik oder Gestik, ist nach Tagesverfassung unterschiedlich. Ein Freund, der auch mein altes Programm kennt, sagte mir, dass ich mir beim neuen Programm öfter die Zeit nehme und mich zurücklehne und ich den Auftritt auch genieße. Beim anderen hatte ich oft Stress und wollte so viel wie möglich machen, damit es nicht langweilig wird.

Du hast auch eine neue Band namens „Xnund“.

Momentan lege ich den Schwerpunkt eher auf meine Solo-Geschichte, weil ich damit in anderen Gegenden spielen will als bisher. Also nicht nur St.Peter/Au, Amstetten, Steyr (lacht). Aber es hat beides seine Qualität. In der Band kann ich mich hie und da ein wenig mehr zurücklehnen. Bei „Xnund“ spielt eine Geige, eine zweite Geige und ein Kontrabass, ich spiele verschiedene Percussion-Instrumente. Aber ich könnte jetzt wirklich nicht sagen, was ich lieber mache. Ich finde beides super, weil ich überall viel darf (lacht). Vor allem jedes Instrument spielen, das ich mag.

Welches hast du in der Musikschule erlernt und was hast du dir selbst beigebracht?

In der Musikschule habe ich mit Sieben mit Geige spielen begonnen, dann sogar einmal Kirchenorgel und mit Fünfzehn schließlich Schlagzeug. Gitarre und Bass-Trompete habe ich mir in den letzten fünf, sechs Jahren selbst angeeignet. Für die Bass-Trompete habe ich mir zwischendurch schon mal drei Unterrichtsstunden genommen, um zu schauen, ob das, was ich da mache, kein großer Blödsinn ist. Ich mach‘ es halt so, wie es mir gefällt. Dadurch ist der Fortschritt manchmal sehr überschaubar (lacht), aber ich kann auf der Gitarre alle meine Lieder begleiten. Wenn jetzt allerdings einer zu mir sagt: „Komm, spielen wir irgend ein Jimi Hendrix-Lied, oder eine Bryan Adams-Nummer“, dann muss ich mir das erst zusammensuchen. So spontan bin ich dann nicht.

Gab es ein Instrument, das ausschlaggebend dafür war, dass du weiter Musik machen wolltest?

Mein Vater hatte ein Harmonium, auf dem ich schon mit vier, fünf Jahren herumgeklimpert habe. Weil ich damit ganz geschickt war, habe ich mit Blockflöte begonnen. Der Lehrer meinte dann, ich solle Geige lernen. Es war immer so eine nicht hinterfragte Abfolge. Mit Vierzehn war Geige dann völlig uncool, darum wollte ich Schlagzeug lernen, das war cool. Kein Blasmusik-Konzert, sondern Rockmusik mit einer Band. Nach der HTL habe ich als Programmierer gearbeitet, aber mein Musiklehrer motivierte mich, Schlagzeug zu studieren. Dass ich den Job geschmissen habe, kam zu Hause nicht so gut an (lacht). Nach nur vier Jahren „arbeiten probieren“ studieren zu gehen, fand die Familie nicht so toll.

Du hast unter anderem bei Tuskulum gespielt, bei Stoahoat & Bazwoach, der LA Bigband und in diversen Jazz-Ensembles.

Bei Tuskulum war ich quasi in der Version zwei dabei, beim Wiederaufleben. Das ist nach einem Jahr aber wieder eingeschlafen. Die LA Bigband ist ein exklusives Orchester mit Profimusikern. Der Level war immer sehr hoch und ich habe dann irgendwann, weil ich mit dem Schlagzeug nicht mehr richtig vorwärts kam, aufgehört.

Welche Erfahrungen hast du daraus mitgenommen?

Was ich von „Stoahoat & Bazwoach“ mitbekommen habe, ist vorne zu stehen, etwas zu erzählen. Einen ganzen Abend lang nur Schlagzeug zu spielen, finde ich inzwischen zu langweilig. Mittlerweile stehe ich lieber vorne. Reden, singen, Geschichten erzählen.

Seit einiger Zeit gibt es wieder Diskussionen über österreichische Musik, Quoten und so weiter. Glaubst du, dass sich die Situation für österreichische Musik positiv verändert?

Man merkt, dass es eine große Ratlosigkeit gibt. Nicht nur in der Musik. Natürlich wäre es toll, zum Beispiel auf Ö3 gespielt zu werden, das ist aber sehr unwahrscheinlich. Dass die großen Firmen wie der ORF und auch die großen Parteien ratlos sind, merkt man jetzt auch am Sieg von Conchita Wurst. Im Vorfeld wollte sie niemand angreifen, kaum merkt man, das ist populär, rechnet sich jede Partei und jeder Sender plötzlich Chancen aus, dass sie da „mitschneiden“ können. Es gibt kein Risiko mehr und keine eigene Meinung oder keine eigene Farbe. Das finde ich schräg.

Du bist Musikschullehrer. Welche Tipps würdest du einem Schüler geben, der weiterkommen will mit der Musik?

Ich würde erst einmal den Eltern einen Tipp geben (lacht). Denn die Kinder kommen meistens mit guten Ideen und haben schon einen Plan. Ich habe 24 Schlagzeug-Schüler und sie alle sind unterschiedlich. Es gibt welche, die lassen es einfach über sich ergehen. Die sagen, sie kommen gerne zu mir, machen aber eine ganze Woche lang nichts. Dann gibt es ein paar, die voll ambitioniert sind und ein Ziel haben. Die gehen zum Beispiel zur Blaskapelle oder spielen in einer Band. Sie wollen weiterkommen. Ich finde es wichtig, die Ideen, die die Kinder haben, ernst zu nehmen. Es heißt auch manchmal gleich: „Das kann ich sicher nicht“, obwohl die Schüler es noch nicht einmal versucht haben. Das ist schade. Fehler zu machen ist nicht hoch angesehen, aber ohne etwas zu versuchen, geht es nicht. Edison sagte, er hätte tausend Glühbirnen gemacht, bevor er eine hatte, die wirklich gut funktionierte. Und er meinte, dass er mit jedem Scheitern der Lösung einen Schritt näher kam. Leider ist es in unserer Gesellschaft nicht ok, zu scheitern. So weit kommen die meisten gar nicht, weil sie davor schon aufgeben. Nun, also meine Tipps sind: Das was mir selbst gefällt, ist genau richtig für mich. Versuche nicht, jemand anderen zu beeindrucken. Schon gar nicht, wenn es sich mit dem spießt, was dir selbst gefällt. Als Profimusiker will man Geld verdienen, aber wenn du den Weg zur Gage nicht genießen kannst, ist das, was du am Ende dafür bekommst, nichts wert. Wenn das Touren keinen Spaß macht, stimmt etwas nicht.

Was sind deine weiteren Pläne?

Jetzt einmal in Gegenden spielen, wo ich noch nicht war. Denn das Feedback, auch schon auf das alte Programm, ist durchwegs gut. Ich suche auch nach einem Management. Es scheitert jetzt nicht an der Qualität, nicht am Inhalt, es scheitert einfach an dem, dass viele Leute einfach nicht auf die Konzerte gehen, wenn sie etwas nicht kennen. Wenn es nicht im Fernsehen war, die Freunde nicht schon gesagt haben: „Hey, schau dir das an“, dann – das unterstelle ich dem Publikum – trauen sich eher wenige, etwas Neues auszuprobieren.

Interview | Petra Ortner

Info | www.tom-tom.at
www.facebook.com/thomas.franzriegler?ref=ts&fref=ts

Termine | www.tom-tom.at/cms1/index.php?id=8

Rubrik:: Kultur

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