28.06.2014 0 Kommentare

Aus dem Lot: Niederösterreichs Baufirmen immer mehr unter Druck.

Amstetten | Für Baufirmen wird es immer prekärer. Der Amstettner Baumeister Günther Lehner berichtet vom steigenden Druck in der Branche.

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Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Wie Baumeister Günther Lehner, Baufunktionär des Bezirks Amstetten in der Wirtschaftskammer Niederösterreich dem NÖ Wirtschaftspressedienst berichtet, werden die Zeiten für Baufirmen immer prekärer. Selber Chef eines mittelständischen Unternehmens verspürt er in der Branche einen steigenden Druck. „Wir werden immer mehr in die Zange genommen“, sagt er. Einerseits bewerben sich inzwischen auch die großen Baufirmen mangels Großaufträgen um die Errichtung von Einfamilienhäusern, und andererseits sind Firmen aus Ungarn, der Slowakei und Slowenien mit billigeren Preisen auf dem heimischen Markt aktiv. Zusätzlich wächst der bürokratische Aufwand in unseren Betrieben. Lokale Bautätigkeit wird es immer geben, aber mit Sicherheit steht uns in nächster Zeit eine Marktbereinigung bevor.“

Pfusch gilt nach wie vor als Kavaliersdelikt

Die Schwarzarbeit im Baugewerbe sei im Bezirk Amstetten in den letzten Jahren nicht explodiert und überschaubar geblieben. Dafür sorge seit geraumer Zeit die KIAB, die illegal Beschäftigte aufspüre und auch an den Wochenenden Baustellen kontrolliere und dabei auch private nicht verschone. Das Problem liege vielmehr darin, dass in Österreich Pfusch nach wie vor als Kavaliersdelikt gelte, was das Ausweichen in die Schwarzarbeit begünstige.

„Den neuen Handwerkerbonus werte ich als gute Sache“, meint Lehner, „aber die Höhe von maximal 3.000 Euro vor allem für das Baugewerbe ein zu kleiner Betrag. Für kleinere Handwerkerrechnungen ist die steuerliche Absetzbarkeit durchaus in Ordnung. Den Pfusch am Bau wird man damit aber mit Sicherheit nicht eindämmen.“ Schließlich müsse man beim Bau eines Einfamilienhauses von einer Größenordnung von 200.000 bis 300.000 Euro ausgehen. „Was sind da bitte 3.000 Euro Absetzbarkeit?“

„Unseriösen Vorgangsweisen Riegel vorschieben“

Ähnlich wie in der Schweiz regt Lehner an, bei öffentlichen Ausschreibungen den billigsten sowie den teuersten Anbieter auszuscheiden und jenem mit dem Mittelwert den Zuschlag zu geben. „Damit könnte man unseriösen Vorgangsweisen einen Riegel vorschieben“, betont der Kammer-Experte. Zudem wäre es sinnvoll, wenn die Gemeinden in ihrer Funktion als Baubehörde die Firmen auf ihre Berechtigung zur Bauführung kontrollieren würden. „Damit würde man erreichen“, so Lehner, „dass die Konsumenten eine seriöse Leistung erhalten und die öffentliche Hand zu ihren Abgaben kommt.“

Derzeit gibt es im Bezirk Amstetten 155 Betriebe, die der Landesinnung Bau angehören. Die Zahl der Baumeisterbetriebe beträgt 84. Sie beschäftigen rund 900 Mitarbeiter. In den Betrieben der Landesinnung Bau werden derzeit 77 Lehrlinge ausgebildet. (dsh)

Info | wko.at/noe/amstetten
www.bau-noe.at

Rubrik:: Panorama

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