06.02.2014 0 Kommentare

Aus der Hüfte geschossen: Die Sängerin von „Wir sind Helden“ ist auf Solopfaden.

Judith Holofernes - Pressefoto 1-klein

Foto: www.judithholofernes.com

„Wir sind Helden“-Frontfrau Judith Holofernes auf Solopfaden. Auf ihrer CD verbindet sie Einflüsse von 80er Jahre Groove-Punk, 90er Jahre Indie-Rock, Country, Zydeco und 60er Jahre Rock’n’Roll zu einem großartigen Ganzen.

Wann hast du entschieden, ein Soloalbum zu machen?
Ich habe eigentlich gar nicht entschieden, sondern eher gemerkt, dass ich eines aufnehme, als ich Demos fabriziert habe. Da wusste ich: „Offensichtlich schreibe ich gerade an einem Album“. Und dann hat mich das Projekt sozusagen überholt (lacht).

Hast du alles alleine komponiert und geschrieben?
Ja, die meisten Songs. Ich habe ganz lange alleine vor mich hingewurschtelt, dann hatte ich mal einen Rappel und dachte: „Ich brauche jetzt ein Gegenüber. Ich werd‘ verrückt in meiner Haut.“ Wenn man zwölf Jahre lang immer gemeinsam mit jemandem gearbeitet hat, dann fehlt einem das irgendwann. Ich habe mich dann mit Tobias Kuhn getroffen. Er hat eine Band namens Monta und von ihm hatten wir bei „Wir sind Helden“ immer ein Lied auf einem Mixtape, das immer vor unseren Konzerten lief. Das ist eines meiner Lieblingslieder. Es heißt „Sorry“ und ist wunderschön. Auf jeden Fall hat mir jemand vorgeschlagen: „Triff dich doch mit ihm, das macht voll Spaß.“ Und so habe ich mit ihm zusammen „Liebe Teil 2“ fertiggeschrieben und das Demo aufgenommen. Dann habe ich mich noch mit John Irving getroffen. Die John Irving-Version, die auf der Platte ist, ist tatsächlich auch die Demo, die wir an dem Tag aufgenommen haben. Da haben wir gar keine weitere Version gemacht. Und ein paar Songs habe ich noch mit dem Herrn Bonaparte (Tobias Jundt) zusammen geschrieben. Alle anderen sind komplett alleine entstanden.

Wo schreibst du am liebsten? Und in welcher Stimmung?
Am Anfang habe ich zu Hause geschrieben, dann mein Arbeitszimmer ausgelagert. Was eine wunderbare Entscheidung war, weil ich dann richtig Raum für mich alleine hatte. Da habe ich dann ganz viel von meinen Demos aufgenommen. Das war toll, meinen eigenen kleinen Raum zu haben mit meinen Instrumenten und meinem Computer und da stundenlang herumzuwurschteln. Also wenn ich Lieder schreibe, dann eigentlich überall außer am Schreibtisch (lacht). Also auf dem Sofa, beim Spazierengehen, in Cafés und so. Ich kann in Cafés Texte fertig schreiben, mit Kopfhörern auf. Das macht mir nichts.

Hattest du für dein Album bestimmte musikalische Vorstellungen oder ist das Ganze einfach passiert?
Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie es klingen soll und bin sehr glücklich darüber, dass es genau so ist wie es in meinem Kopf klang. Ich wollte ein sehr „aus der Hüfte geschossenes“ Album und einen sehr unpolierten Sound. Ich habe das richtig vorbereitet, ein Mixtape mit Soundreferenzen zusammengestellt für alle beteiligten Musiker und Produzenten. Dazugeschrieben, welchen Schlagzeugsound ich meine und welchen Gitarrensound. Auf welche Art das Ganze gespielt werden soll und so. Das hat total Spaß gemacht und es hat genau so funktioniert, wie ich es wollte.

Woher nimmst du deine Inspirationen für die Texte?
Ich habe das Gefühl, alles was mich lange genug beschäftigt, wird irgendwann einmal ein Lied. So wie bei anderen Leuten, wenn sie ein Steckenpferd-Thema haben, um das irgendwann jedes Gespräch kreist, sowas wird bei mir dann immer ein Lied.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?
Die Themen Müßiggang und Nichtstun versus Arbeitsmoral und konventioneller Arbeitsethos, also dieses Spannungsfeld, das hat mich immer schon interessiert. Diese Themen finden sich auch schon irgendwie in den allerersten „Helden“-Songs. Jetzt in unserer „Wir sind Helden“-Pause habe ich mich damit wieder sehr beschäftigt. Ich habe relativ viel gelesen und viel Spaß mit diesen Themen gehabt.

War die Pause für dich wichtig?
Auf jeden Fall. Ich kann so eine Pause jedem empfehlen. Drastische Zäsuren bringen ganz viel Energie und Schwung und neue Ideen, auf die man so nicht gekommen wäre. Das war ganz wichtig und es ist auch ganz gut aufgegangen, finde ich.

Das Album heißt „Ein leichtes Schwert“.
Ich habe irgendwann am Anfang dieser Pause zu Pola gesagt: „Weißt du was, ich muss wieder einmal ein leichteres Schwert führen“, ohne darüber nachzudenken. Dann erst habe ich gemerkt, wie viel Wahrheit für mich darin steckt und wie gut das Bild eigentlich zu mir passt. Auch wegen meines Künstlernamens. Und wie mit allem, wo ich denke: „Ha! Das passt aber gut!“ habe ich dann am Schluss beschlossen, dass die Platte so heißen muss. Ich finde ein leichtes Schwert ist ein Schwert, das man leichtfüßig führen muss. Schnell und kämpferisch; und all das passt für mich gut zur Platte.

Wer hatte die Idee für das Cover?
Das habe ich gemeinsam mit Benjamin Kakrow entworfen. Irgendwann sind wir darauf gekommen, dass ich mit einem leichten Schwert auf einem Drachen reiten könnte und das Schwert ist eine Ukulele. Warum wir dann auf die Idee gekommen sind, dass ein Krokodilhund daneben herlaufen muss, weiß ich nicht mehr genau. Das war ein langer Tag (lacht).

Interview: Petra Ortner

Info | www.judithholofernes.com
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Rubrik:: Kultur

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