08.06.2016 0 Kommentare

Balken mit Seele: Die Wiener Rocker von LelKem im Interview

Die Wiener Nu-Art-Rockband mit ungarischen Wurzeln wird von ihren Fans auch „Engineers of Modern Lament“ (Schmiede des neuen Klagelieds) genannt. Nicht nur der urbane Stilmix aus Indie, Progressive Rock und Alternative ist fesselnd, auch visuell wird bei ihren obsessiven Live-Performances alles gegeben. Das momag traf Frontmann und Mastermind Boti Benedek in Wien.

"Das Meiste kommt aus meiner eigenen, kleinen Welt." Foto: Boti Benedek II

“Das Meiste kommt aus meiner eigenen, kleinen Welt.”
Foto: Boti Benedek II

Wann und wie begann die Geschichte von LelKem?

Das ist fast ein wenig abstrus. Ich war damals in einer Trio-Besetzung, die Progressive Rock spielte, was aber nicht lange funktioniert hat. So habe ich begonnen, nebenbei für eine zukünftige Band, die es noch nicht gab, Songs zu schreiben und einfach alle Instrumente selbst einzuspielen. Bis auf das Schlagzeug, das habe ich programmiert. Dann kam mein Bruder als Bassist dazu und so bauten wir die Band sukzessive auf. Nachdem eine Sängerin ausstieg, habe ich es schließlich selbst mit dem Singen versucht, bin quasi mit null Erfahrung ins kalte Wasser gesprungen. Live lernte ich, was geht und was nicht.

Was bedeutet der Bandname?

Lelkem ist ungarisch und bedeutet so viel wie „meine Seele“. Das ist das höchste Kompliment, das du im Ungarischen jemandem machen kannst. Der Name hat uns immer wieder einen netten „Exoten-Bonus“ beschert, da er doch stark von der Norm, englische Namen zu haben, abweicht.

Was war das Schwierigste bei der Produktion des zweiten Albums?

Der Wunsch, alles bei uns zu behalten, wie beim ersten Album, wo wir vom Songwriting übers Mischen und Produzieren bis zum Artwork wirklich alles selbst gemacht haben. Das ging natürlich nicht, weil auch die Ansprüche gewachsen sind, sowohl musikalisch als auch inhaltlich und vom Artwork her. Letzten Endes war klar, dass das Ganze meinen finanziellen Rahmen sprengen wird und auch den der Jungs. Wir suchten jemanden, der das Ganze quasi nach unseren Bedingungen macht. Zwei Produzenten sind so wieder ausgestiegen. Schließlich hat uns ein Fan über Facebook angeschrieben, weil er die Doku auf youtube gesehen hat, in der nur neue Songs gespielt werden, und wissen wollte, wo es das Album zu kaufen gibt. Ich musste ihm sagen, dass es kein neues Album gibt. Er meinte dann, es gefalle ihm so sehr, er würde uns gerne subventionieren. Zeitgleich wurden wir auf das Label Panta Rhei, bei dem wir jetzt sind, aufmerksam.

Wie wichtig sind bei euren Auftritten die Visuals?

Wir wollten nie einfach etwas plump auf eine Leinwand projizieren, sondern das Ganze wirklich mit der Musik verbinden und weg vom Konzept mit nur einer Leinwand. Da war es ein Glücksfall, dass unser Gitarrist Manuel den Heiko kannte. Er macht viel im Visuals-Bereich und hat begonnen, für uns herumzuexperimentieren. Wir haben schon auf Bälle projiziert. Was uns gerade sehr gefällt, sind die vier Balken, die wir auch bei unserem Konzert im Wiener Vindobona hatten. Sie entsprechen unserem optischen Merkmal und wir haben jetzt die vier Jahreszeiten als „Programm“. Die Balken sind toll, da man sie sehr vielfältig einsetzen kann, in kleinen Clubs genauso wie auf großen Bühnen. Eine Mischung aus meiner Arbeit – Videos, Fotos und Illustrationen – nimmt Heiko und fügt sein eigenes Material hinzu. So verrückte Sachen wie Aufnahmen vom Tullnerfeld, die er mit einer Drohne gemacht hat. Er macht auch sehr viel live, während wir spielen. Der Kern ist aber ganz auf den Song abgestimmt. Es werden zum Beispiel Textzeilen eingeblendet. Der visuelle Aspekt bei der Musik hat mich immer sehr interessiert.

web | lelkem.com
facebook.com/lelkem

termine | 24.6. Wien, Donauinselfest
25.6. Tulln, Gollarnfestival

interview | petra ortner

Rubrik:: Kultur

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