14.06.2013 0 Kommentare

Besser wird’s nicht

Petra Ortner und Reinhard Fendrich beim Interview in Gmunden. Foto: Jürgen Resch

Einer der erfolgreichsten österreichischen Musiker beweist auch mit seinem neuen Album, dass er als Liedermacher weiß, was seine Fans gerne hören. Das momag traf Rainhard Fendrich vor einem umjubelten Auftritt in Gmunden.

Wo haben Sie die Lieder für das neue Album „Besser wird’s nicht“ hauptsächlich geschrieben? In Österreich? Auf Mallorca?

Ideen habe ich immer überall. Aufgeschrieben habe ich sie dann in Spanien, weil ich dort meine Ruhe habe und mein kleines Studio. Meine Band ist auch hingekommen und dort haben wir dann mal alles skizziert. Also nachgedacht überall, aufgeschrieben auf Mallorca.

In den Texten werden Missstände und Ängste unserer Gesellschaft angesprochen.

Das ist eine ganz wichtige Sache, dass die Kunst immer das ausdrückt, was die Menschen eigentlich empfinden. Dass sie ein Spiegelbild der Zeit ist. Es gibt unglaublich viele Themen über die man singen muss. Dass es so unterschiedliche Themen sind, ist auf den langen Produktionszeitraum zurückzuführen, wo auch sehr viele Stilrichtungen eingeflossen sind. Ich sehe mich ja gar nicht so sehr als Musiker, mehr als Musikant, der die Musik als Transportmittel für die Lyrik, die er schreibt, nimmt.

Warum nennen Sie sich nicht Singer/Songwriter sondern Liedermacher?

Ja, weil ich halt ein deutschsprachiger Mensch bin. Singer/Songwriter klingt zwar sehr gut, aber ich bin kein Engländer oder Amerikaner. Aber was ich mache ist Singer/Songwriting. „Liedermacher“ – ich weiß! Liedermacher hat das Image „Protestlied mit der Gitarre in der Hand“, aber ich denke dabei zum Beispiel, ein Liedermacher ist einer, der seine Lieder selber macht. Text, Musik. Und er ist einer, der sich auch selbst begleiten kann auf einem Instrument seiner Wahl. Das ist für mich ein Billy Joel, ein Paul Simon, das ist für mich ein Cat Stevens. Das waren meine Gurus, als ich begonnen habe. Aber „Liedermacher“, das bringt es auf den Punkt. Und ich bin einer, der sehr gerne deutschsprachig singt, ausschließlich deutschsprachig singt. Darum bin ich halt ein Liedermacher.

Welche Themen sind für Sie besonders wichtig?

Es kommt alles auf einen Punkt zusammen. Das eine ist Gewalt. Ja? Häusliche Gewalt, Frauen schlagen und die Frauen verteidigen dann auch noch die Männer, das sind so Dinge… Ich meine… Man redet sehr viel von Sexismus, aber man sollte auch einmal diese Diskussion aufbrechen. Das ist das eine. Und das andere ist die Volksverblödung durch Doku-Soaps und dass man eigentlich nur noch blöd in den Fernseher reinschaut. Und das dritte ist der Profit. Das alles, all diese Missstände die wir jetzt haben wie das Gammelfleisch – warum gibt es Gammelfleisch? Warum?! Weil einer mehr Geld verdienen will damit! Die Antibiotika in der Aufzucht von Schweinen und Rindern! Warum?! Weil derjenige natürlich mehr Fleisch verkaufen will und nicht will, dass die Viecher krank werden. Der weiß es zwar, aber es ist ihm wurscht, dass irgendjemand, der das Fleisch isst, irgendwann einmal in einer lebensbedrohlichen Situation, weil er schwer erkrankt ist, resistent gegen Antibiotika ist. Wir lassen unsere Billig-Kleidung in Asien machen. Warum?! Weil man mehr Geld verdienen will. Das Gewand ist ja nicht so sehr billiger, wenn man überlegt was das für eine Spanne ist. Dort leben die Leute wie Sklaven und können die Luft nicht mehr atmen. Korruption. Warum?! Weil die Politiker manchmal den Hals nicht voll bekommen können. Fair Trade wäre natürlich etwas, was man auf das gesamte Leben ausdehnen sollte, das hat aber etwas mit Charakter zu tun.

Auch dieses Album hat, wie schon „Meine Zeit“, innerhalb kurzer Zeit Goldstatus erreicht. Ist das diesmal vielleicht auch wegen dem kritischen Inhalt?

Ich weiß es nicht. Ich habe mir eigentlich erwartet, dass dieses Album überhaupt ignoriert wird. Man kann aber auch nicht sagen, dass die Leute gierig darauf sind. Man hat vielleicht als Liederschreiber doch ein wenig mehr „sense“, einen Sinn für Dinge, die passieren. Man kann immer eine Bewegung, einen Trend, eine Stimmung, einen Zeitgeist begleiten. Wie damals beim Vietnamkrieg, die sexuelle Befreiung, der Aufstand gegen das Establishment und die Friedensbewegung in den 70er Jahren. Das haben nicht die Sänger hervorgerufen, sie haben das alles begleitet. Und ich habe das Gefühl, auch einen Zeitgeist zu begleiten. In Spanien gehen die Leute auf die Straße, in Griechenland gehen sie, sie werden auch bei uns irgendwann demonstrieren. Es gibt eine große Unzufriedenheit, es klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. In Österreich lebt eine Million Menschen – das ist ein Siebentel oder Achtel – an der Armutsgrenze. Das muss man sich einmal vorstellen! In unserem Land! Das sind lauter Dinge, die man nicht unter den Tisch kehren kann, die irgendwann einmal Widerstand erzeugen und den Widerstand kann ein Lied nur begleiten.

Für das Album haben Sie die Texte selbst geschrieben, die Arrangements selbst gemacht und diesmal das Album auch selbst produziert. Wie kam es dazu?

Das ist wie mit einem Flugschein. Ich hatte so viele Produzenten, von denen ich sehr viel gelernt habe. Das war der Edo Zanki, das war Harold Faltermeyer, dann war da noch Christian Kolonovits. Aber irgendwann einmal muss man alleine fliegen und das habe ich dieses Mal gewagt.

Das ist sehr gut gelungen.

Vielen Dank. Naja, das kann man nur machen, wenn man jemanden hat, der, wie meine Managerin Agnes Rehling, das Administrative macht und mir das Künstlerische lässt. Und das Zweite ist: man braucht eine Band, die einen lesen kann. Ich bin ja ein musikalischer Analphabet, ich kann keine Noten aufschreiben. Ich muss mir alles merken. Gut, die heutige Technik erlaubt dir natürlich, die Dinge sofort aufzunehmen. Früher war das schwieriger. Ich habe im Laufe der Jahrzehnte ein unheimliches Gedächtnis für Melodien entwickelt, weil ich mir natürlich all die Sachen merken musste.

Wie weit darf die Band in die Musik eingreifen?

Ich bin nicht beratungsresistent. Wenn einer eine gute Idee hat – und das ist schon oft passiert – dann übernehme ich diese gerne. Ich lasse mir aber auch nichts einreden. Oder ganz wenig. Und wenn ich mir was einreden lasse, dann ärgere ich mich nachher darüber. Aber wir sind mittlerweile schon so etwas wie Lebensmenschen. Wir kennen uns schon so lange und wir wissen ganz genau: das wichtigste ist, dass die Platte gut ist. Und nicht, dass jeder „seinen Gockel macht“ und mitreden kann. Wir ziehen da schon alle an einem Strang.

Wer hatte die Idee zum Cover-Artwork?

Das war meine Idee. Der Burger ist das Wappen unserer Zeit. Es muss schnell gehen, es muss schmackhaft sein, aber es soll keine Ballaststoffe haben. Und die geschmolzenen CDs sind ein Symbol für das Ende der analogen Musik. Es wird irgendwann nur noch Downloads geben.

Essen Sie gerne Burger?

Zum Beispiel vorgestern, fünf Stunden auf der Autobahn, kaum gefrühstückt, es regnet, es wird dunkel und ich sehe auf einmal eine Raststation und dort leuchtet mir etwas entgegen. Da sagte ich zu meiner Begleitung „Du, jetzt ess‘ ich einen Burger.“ Und wir haben beide mit Genuss einen Burger gegessen. Aber dann habe ich wieder ein halbes Jahr genug. Der Trick von diesen Fastfood-Ketten ist ja: man weiß genau, was man bekommt. Auf der ganzen Welt schmeckt dieser Burger gleich. Was auch typisch ist für unsere Zeit, weil alles gleich formatiert wird. Hie und da ein Burger ist ganz gut, davon leben kann man nicht, denn dann stirbt man, wie eine Studie gezeigt hat.

Auf iTunes sind Sie ja Nummer eins. Das ist alles elektronisch und Filesharing wird ja gerne gemacht. Was sagen Sie dazu?

Ich weiß nicht einmal was Filesharing ist.

Ich meine hier die illegalen Kopien, die illegale Weitergabe von Musik.

Damit muss man leben. Deshalb spiele ich ja so gerne live. Da stehen die Leute – und ich auf der Bühne. Das hat viel von Theater und das Theater hat sehr viel mit einer Regierung zu tun. Ein paar wenige arbeiten, die meisten schauen zu. Und das ist alles analog. Theater war schon immer analog, seit tausenden von Jahren und daran wird sich überhaupt nichts ändern. Deshalb bin ich so ein Mensch, der auf richtiges Musizieren steht. Ich habe oft Platten gemacht, dann fahre ich auf Urlaub, bin zwei Wochen später in Thailand auf einer Insel und seh‘ meine neue Platte, die ich gerade vor drei Monaten ganz wo anders herausgebracht habe. Damit muss man leben. Es gibt hoffentlich genug Leute, die in ihrem eigenen Interesse – nämlich die Plattenindustrie – dagegen etwas unternimmt. Inzwischen haben sie ja auch so Sperren eingebaut, dass es nicht so leicht geht. Aber wenn man ins Pentagon als Hacker reinkommt, dann kann man auch diese Sperren umgehen. Aber ich bin nicht so wichtig, dass ich mir da jetzt große Sorgen deswegen mache. Es ist wie eine Gelse die dich juckt.

Sie waren letztes Jahr mit den Seern und der EAV auf „Best of Austria“-Tournee. Wie ist es, mit zwei völlig anderen Bands unterwegs zu sein?

Super. Es war super. Die EAV kenne ich schon ein halbes Leben lang. Die Seer kannte ich nicht, aber ich war sehr beeindruckt von ihrer künstlerischen Qualität, von ihrer Bühnenshow, von ihrem Sound. Wir haben uns in der Zeit wirklich angefreundet. Da waren überhaupt keine Animositäten, überhaupt keine Reibereien oder Konkurrenzkämpfe. Im Gegenteil, wir verstehen uns irrsinnig gut. Auch heute noch. Wir haben noch ein paar Konzerte zusammen und auf die freue ich mich schon sehr.

Sie sind bis Jahresende ganz schön viel unterwegs. Wie bereitet man sich auf so ein intensives Jahr vor? Wie hält man es durch?

Ich habe den ganzen Sommer frei. Jetzt noch Promotion-Tour, dann spiele ich auf der Donauinsel und dann werde ich mich einmal in eine Urlaubssituation begeben, ich werde Sachen machen, die nicht mit Musik zu tun haben. Dann schreibe ich schön langsam einmal das Tourneeprogramm. Und irgendwann einmal geht es los. Dann hat man aber auch kein Zeitgefühl. Man geht auf die Tournee und ist drinnen und irgendwann einmal ist das alles wieder vorbei. Wobei die Tournee etwas anderes ist als eine Promo-Tour, die ich jetzt gerade absolviere. Bei einer Promo-Tour weiß man nicht was auf einen zukommt. Es gibt Journalisten, die sind nett, dann gibt es Journalisten, die sind an einem netten Gespräch gar nicht interessiert, da muss man dann aufpassen was man sagt, dann fährt man wieder hunderte Kilometer, dann sitzt man vor einer Fernsehkamera, dann sitzt man in einem Studio, der eine will, dass man auf der Gitarre etwas spielt. Das sind sehr viele unterschiedliche Eindrücke und bei der Tournee ist alles immer wieder gleich. Da gibt’s die Band und ich habe die gleiche Crew um mich. Das gibt dann schon eine gewisse Sicherheit.

Sie werden unter anderem auch in Seitenstetten ihr „Best of“-Programm spielen. Wie viele neue Lieder werden die Mostviertler Fans zu hören bekommen?

Das werden wir erst sehen, wie viel möglich ist. Ich habe einen guten Instinkt dafür, wann sich das Publikum nicht mehr so gut konzentrieren kann oder ich es langweile. Ich werde sicherlich einen Mix machen, wo sich keiner um den Eintrittspreis betrogen fühlt.

Interview: Petra Ortner

 Termine:
„Best of“: 02.08., Seitenstetten, Stift

„Besser wird’s nicht“ Tour:
02.12.: Wien, Wiener Stadthalle F
03.12.: Linz, Brucknerhaus
17.12.: St.Pölten, VAZ

WEBLINK: Reinhard Fendrich

Rubrik:: Kultur

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