13.11.2014 0 Kommentare

Bissige Dialekt-Texte: Manuel Normal veröffentlicht drittes Album „Normal is des ned“.

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Für Manuel Normal geht es darum, sich auszudrücken und Emotionen zu transportieren, nicht um das Hits schreiben. Fotos: Wolfgang M. Bauer

Manuel Normal. Rock, Rap, Blues, Funk, elektronische Musik und intelligente, bissige Dialekt-Texte hat der Mühlviertler auf sein drittes Album „Normal is des ned“ gepackt. Es ist unterhaltsam, aber auch fordernd. Das momag plauderte in seinem Wohnzimmer über seine musikalische Laufbahn.

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Petra Ortner traf Manuel Normal zu Hause im Mühlviertel in seinem Wohnzimmer.

Welches Instrument hast du als erstes erlernt?

Eine Gitarre, die Mama vom Dachboden holte, zusammen mit „Peter Bursch’s Gitarrenbuch“. Nach der ersten Nacht konnte ich bereits drei Sachen spielen: „Get Back“ mit zwei Akkorden, „Lady Madonna“ von den Beatles und noch irgendwas. Ich habe mich total verliebt, von der ersten Minute an. Da war ich ungefähr zwölf. Mein Vater bekam die Panik, weil ich nur noch Gitarre spielte anstatt zu lernen. In der Hauptschule wollte ich noch Schlagzeug lernen, das war „cooler“. So hat’s begonnen. Meine Mutter ist schuld.

Wann hast du erstmals in einer Band gespielt?

In der Hauptschule, mit dreizehn, haben wir ein Akustik-Trio gegründet. Gespielt haben wir klassische Stones- und Beatles-Nummern, Sachen von John Denver wie „Country Roads“. Eine typische Cover-Band eben. Wir haben viele Sommerferien mit Proben und Musizieren verbracht. Das erste Konzert war ein Wohnzimmer-Konzert, wo Eltern und Großeltern sagten: „Hier habt ihr zwanzig Schilling. Geht’s auf ein Eis oder so, aber hört auf zu spielen.“ (lacht) Wir waren also richtig schlecht, aber es war eine gute Schule. Wir sind dann irgendwann auf E-Gitarren umgestiegen, Schlagzeug kam dazu. Es gab ein paar Konzerte in Wiener Clubs. Dann begannen wir eigene Sachen zu schreiben. Auf Englisch, Hochdeutsch, Dialekt. Wir haben nicht recht gewusst, wo wir hingehören. Mit Darius hatte ich auch noch die Band „Toter Roter Fisch“, mit der waren wir ziemlich viel in Oberösterreich unterwegs. Er war auch so ein Songwriter und wir haben auch zu zweit musiziert als „Alzinger und Normal“. Daher habe ich auch meinen Künstlernamen Manuel Normal.

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Am 29. Dezember tritt Manuel Normal in Linz beim Wirt am Graben auf.

Als Manuel Normal singst du schon immer Dialekt?

Ja, spontan. Ich habe im „Toter Roter Fisch“-Proberaum hochdeutsche Sachen gespielt und geschrieben. Hab da auch alleine etwas probiert und „Sicher ned du“ eigentlich nur als Gag ins Mikro geschrien. Das war ja nur ein Loop, immer gleich. Freunde meinten: „Hey Wahnsinn, schick das an FM4! Das ist ja voll geil.“ Dadurch wurde mir bewusst, dass ich jetzt auf einmal Sachen sagen kann in zwei Sekunden, wo ich sonst versucht habe, auf künstlerisch einen hochdeutschen Text zu verfassen, was dann eh gar nicht gepasst hat. Es ging mir der Knopf auf. Es geht ja darum, dass du dich ausdrücken kannst, dass du Emotionen transportierst. Darum geht es in der Musik. Nicht um „Ich muss einen schönen Hit schreiben.“

Wie schreibst du deine Songs?

Teilweise rucki zucki, in zehn Minuten. Text, fünf Akkorde, fertig. Aber „Wos Wertvolles“ zum Beispiel ist voll ausnotiert mit Streicherinnen und verschiedenen Künstlerinnen, die dafür im Studio waren. Da musst du dann schon richtig arbeiten am Arrangement. Die Nummer hat siebenundzwanzig Akkorde und ist sehr komplex. Also teilweise sehr einfach und anderes sehr kompliziert. Wie es die Songs verlangen. „Mächtige“ Songs sind nach meinem Empfinden immer ein wenig komplexer. Ich denke da zum Beispiel an „Purple Rain“ von Prince. Der Song hat zwar nur vier Akkorde, ist aber mächtig aufgeblasen. Und das hab‘ ich bei meinem Song mit den Streicherinnen versucht.

Wie bist du auf den Albumtitel „Normal is des ned“ gekommen?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Zynismus, Intoleranz und so weiter ganz normal geworden sind und es auch ganz normal ist, dass sich alles nur noch ums Geld dreht, Menschen sterben müssen, umgebracht werden jeden Tag. Die Kinder checken gar nicht mehr, dass es auch anders gehen könnte und dazu sag ich: „Normal ist das aber nicht.“ Es ist ein Hinweis, dass man nicht immer nur dem Geld hinterherjagen soll. So hab‘ ich meine Entscheidung getroffen. Witzigerweise passt der Albumtitel auch zum Künstlernamen. Was für ein Zufall! (lacht).

Du hast dir mal auf der Bühne einen Vorderzahn ausgeschlagen. Ist noch etwas Schlimmes passiert?

Ich habe einmal komplett die Stimme verloren, was dann zu einem Abbruch führte. Das war schlimm. Da stehst du auf der Bühne und bekommst einfach nichts mehr raus. Die Leute gingen zum Tontechniker und sagten ihm, er solle doch die Stimme lauter drehen und er erklärte, dass da nichts mehr lauter geht. Und sonst? Eine Freundin hat mal mitgesungen, ist ausgerutscht und hat sich den Knöchel gebrochen. Auf meinen Effekt-Pedalen. Aber du willst was Arges hören, richtig?

Ganz genau.

Lass mich mal überlegen. Musste ich mich damals übergeben? Aber ist das eine Geschichte für ein Magazin? Das Musiker-Menü ist oft das klassische Schnitzerl. Manche Veranstalter, ganz wenige, glauben, dass die Künstler keinen ordentlichen Schlafplatz brauchen und auch kein besonderes Essen. Und ich vermute, dass das „Musiker-Menü“ damals, also das Schnitzerl, in irgendeinem alten Fett rausgebraten wurde oder sonst irgendwas damit nicht in Ordnung war. Auf jeden Fall wurde ich davon richtig krank. Es hat damals fast das Publikum erwischt, aber irgendwie habe ich es noch hinter die Bühne, zum Ausgang raus, geschafft, um dort zu kotzen. Und einmal habe ich den Gürtel für meine Hose vergessen. Die Hose war zu weit, ich bin herumgehüpft, hab‘ Gitarre gespielt und die Hose rutschte runter. Und weil ich keine passende Hose dabei hatte, hab‘ ich die eine einfach ausgezogen und in Boxershorts weitergespielt. Meine Mitmusiker haben Tränen gelacht. (lacht)

interview | petra ortner
web | www.manuelnormal.at
termin | 29.12., Linz, Wirt am Graben

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Rubrik:: Kultur

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