10.09.2014 0 Kommentare

Brücke zwischen Rock und Klassik: Star-Geiger David Garrett im Interview.

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David Garrett gilt als einer der populärsten Geiger unserer Zeit. Foto: Petra Ortner

David Garrett. Der großartige Geiger kommt mit seiner neuen Crossover-Show im Spätherbst auch nach Wien. Wie er an seinen Programmen arbeitet und sich auf Konzerte vorbereitet, hat er bei einer Pressekonferenz in Wien erzählt. Dein momag war mit dabei.

Wie waren die Reaktionen auf das neue Programm bisher?

Die Reaktionen nach dem Konzert, aber auch zwischen den Sätzen, waren immer sehr, sehr positiv. Aber so etwas ist immer sehr schwer zu beurteilen. In letzter Instanz muss ich ein gutes Gefühl haben, wenn ich von der Bühne gehe. Das Gefühl, das Beste gegeben zu haben. Da ist die Reaktion des Publikums gar nicht so wichtig für mich. Es gibt jeden Abend Standing Ovations und natürlich freue ich mich darüber, aber viel wichtiger ist mir, dass ich selbst sagen kann, es war ein gutes Konzert.

Wie stimmst du dich auf einen Auftritt ein?

Ich stimme erst einmal die Geige und dann übe ich ein wenig. (lacht) So ungefähr eine Stunde, ich muss mich nur warmspielen.

Wie oft übst du, wenn du ein neues Programm zusammenstellst?

Ziemlich lange. Bei diesem neuen Klassik-Programm habe ich sicher drei, vier Monate zuvor begonnen, es zu üben. Minimum. Davor noch Zusammenstellung, dann die Arrangements ein wenig verändern. Das dauerte insgesamt etwa ein halbes Jahr.

Und wie stellst du so ein Programm zusammen?

Das letzte CD-Projekt ist eine Basis. Ich versuche aber, nicht nur das von der CD zu spielen und Sachen von früher, es ist immer auch sehr viel Neues mit dabei. Als die „Crossover“-CD auf dem Markt war und ich einige Monate später auf Tournee ging, stellte diese 30 bis 40 Prozent des Programms und wir versuchen, 40 bis 50 Prozent neue Sachen einzubauen. Dann macht es auch Spaß.

Gibt es ein Lieblingsstück? Oder eines, das eine besondere Herausforderung darstellt?

Die erste Hälfte ist sehr virtuos. Das „24. Paganini Caprice“ zu spielen, ist schon das Non-plus-ultra. Es gibt da einiges, das ziemlich anspruchsvoll ist. „Vier Jahreszeiten“ ist konzentrationsmäßig – vor allem in der ersten Hälfte – schwierig. Weil ich es auch dirigiere. Da darf man dann halt den Faden nicht verlieren.

Mozart ist auch dabei.

Ja, selbstverständlich. Das Orchester fängt auch mit Mozart an. Ich habe alle Stücke auf das Orchester abgestimmt. Sie spielen ja auch ein Arrangement von mir ohne mich. Das ist für mich mal eine Premiere, dass etwas von mir gespielt wird, ohne dass ich dabei auf der Bühne stehe. Ich versuche, ein Programm immer interessant zu gestalten, aufregend. Also zumindest für mich. (lacht)

Du hast das niemals als „Job“ empfunden?

Ach wo! Um Gottes Willen, nein. Das wäre ein viel zu harter Job. (lacht) Es ist ein hartes Hobby. Aber es macht mir irrsinnig viel Spaß.

Gibt es Stücke von Komponisten, die sich dem Crossover entziehen? Wo man sagt: „Ich möchte es versuchen“ und dann: „Das geht doch nicht“?

Ich probiere natürlich viel aus. Nicht alles funktioniert. Wenn ich nicht richtig an das Stück herangehe oder die falsche Idee habe, kann ein Stück auch nicht funktionieren. Ich habe zum Beispiel „Viva La Vida“ vor vier, fünf Jahren mal probiert und da ging es gar nicht. Da hatte ich keinen richtigen Bezug dazu und hab‘ das wieder weggelegt. Für das Album „Music“ hatte ich dann die richtige Idee zur Umsetzung, da hat es prima funktioniert. Also manche Stücke, die ich toll finde, funktionieren beim ersten Mal überhaupt nicht. Irgendwann wachst du dann nachts schweißgebadet auf und weißt: „So geht das!“

Gab es von Chris Martin zu „Viva La Vida“ eine Reaktion?

Ja, Coldplay haben es auf ihre offizielle Facebook-Seite gestellt. Das war eine schöne Reaktion. (lacht) Aber persönlich kam nichts, es hat nicht das Telefon bei mir geklingelt.

Wird es bald wieder ein neues Album geben?

Nicht zwingend. Ich bin schon oft und mit vielen Stücken aufgetreten, die ich nie aufgenommen habe. Bei der Crossover-Tournee wird das letzte, neueste Album natürlich miteinbezogen, aber ich kann auch sozusagen ein ganz neues Album präsentieren, das es aber nie geben wird. Die nächste CD, die ich veröffentlichen werde, kommt zwar im Oktober raus, ist aber eine reine Klassik-CD.

Hast du zu Wien eine besondere Beziehung? Jetzt nicht nur in Sachen Musik.

Das erste Mal, als ich in Wien gespielt habe, war das schon ganz besonders für mich. Das war im Musikvereinssaal und Yehudi Menuhin hat dirigiert, das Elgar-Violinkonzert. Da war ich fünfzehn oder sechzehn Jahre alt. Das ist schon ein bleibender Eindruck, der für mein ganzes Leben bleiben wird. Darüber hinaus war auch die Filmproduktion hier und daher kennt man sich dann schon sehr gut in der Stadt aus. Wir haben ja 30, 40 Tage in Wien gefilmt. Da weiß man dann schon, wo man was findet.

Ok. Wo steht das Johann Strauß-Denkmal?

Tja, da hab‘ ich keine Ahnung! (lacht) Ich meinte eher, wo das nächste Sushi-Restaurant ist oder wo es eine gute Thai-Suppe gibt. (lacht) Oder wo das nächste Fitness-Studio ist.

Wie schaut es mit Walzer-Musik aus?

Strauß und so? Naja, ich bin da nicht dagegen. Ich würde sicher einmal ein, zwei Stücke ausprobieren. Irgendwie habe ich noch nie darüber nachgedacht. Vielleicht auch, weil es so sehr mit André Rieu verbunden ist. Das war für mich bisher eher so „Nö“.

Darfst du dir auch mal eine Woche Urlaub erlauben, ohne zu spielen, oder musst du täglich deine Finger sozusagen in Bewegung halten?

Eigentlich grundsätzlich immer.

Es gibt doch sicher auch so Tage, wo man viel lieber auf der Couch sitzen bleiben würde, oder?

Natürlich. Das ist wie mit Zähneputzen. Manchmal hast du keine Lust, aber du weißt, es muss sein. Da muss man den inneren Schweinehund überwinden. Man muss sich ja warmspielen, Übungen machen. Das ist alles sehr langweilig, aber notwendig. Das dauert so etwa eine Stunde. Lustig ist das nicht. Du stehst da und spielst die Tonleiter. Da gibt es schon auch manchmal jemanden, der kommt und meint: „Kannst du auch mal was Schönes spielen?“ Aber das muss man tun.

Du hast dein Instrument also immer bei dir?

Ja. Es kommt immer darauf an, was ich spiele. Für reine Klassik-Konzerte habe ich meine Stradivari mit dabei, wenn ich Crossover mache, habe ich eine E-Violine.

Wie viele Geigen hast du? Bei Gitarristen ist es ja oft so, dass sie eine ganze Sammlung zu Hause haben.

Tja, nur kostet eine Gitarre keine Millionen. Da ist es, glaube ich, einfacher zu sammeln. Für eine Gitarre von Jimi Hendrix bekommst du vielleicht ein paar hunderttausend Euro, aber da ist der Zenit erreicht. Eine Stradivari kostet um die 12, 13 Millionen. Wenn ich die sammeln wollen würde, müsste ich wahrscheinlich morgens, mittags und abends Konzerte geben. Eine reicht vollkommen. Es ist ein gutes Instrument.

interview | petra ortner

info | www.david-garrett.com

termin | 1.11., Wiener Stadthalle

Rubrik:: Kultur

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