16.12.2015 1 Kommentar

Das Halluzinogen Frau: Andreas Altmann erzählt seine „Frauen.Geschichten.“

Andreas Altmann, einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren, las erstmals vor österreichischem Publikum und erzählte von (seinen) „Frauen.Geschichten.“

„Wäre ich all diesen Frauen nicht begegnet, ein Ozean voll bewegender Stürme und Schiffbrüche würden mir fehlen.“

„Wäre ich all diesen Frauen nicht begegnet, ein Ozean voll bewegender Stürme und Schiffbrüche würden mir fehlen.“ Foto: Robert Voglhuber

Eines der Wunder der Welt ist das Weltwunder Frau. Dutzende Einzelwesen, mit denen er in irgendeiner Form in Beziehung stand, beschreibt Altmann wie in einem Drama zwischen Mann und Frau. Bei Rosalie wird ihm schwer ums Herz, wenn er an sie denkt. Sie war neunzehn und ein lichterloher Beweis für die Ungerechtigkeit dieser Welt: So schön war sie. Und freundlich und gescheit. Oder Anna. Wie gerne hätte er ihren diabolisch-sündigen Leib anbeten und verherrlichen dürfen. Seine Favoritinnen waren allerdings die Verheirateten. Die Königin von allen hieß Bianca. Sie war Ehebrecherin, aber gerade Altmann habe ihre Ehe gerettet, und das erklärte sie ihm ungemein einleuchtend: Der Gatte war ein lieber, braver Mann. Aber wie so oft in lieben braven Ehen legen sich bald die Stürme der Inbrunst und die Flaute zog auf. In ihrem Ehebett sei es ganz windstill geworden. Und so war alles zum Schönsten geregelt, schreibt Altmann. Bei mir stach sie in See und zu Hause wartete der sichere Hafen. „Lass uns Kür laufen“, sagte sie immer, wenn sie Altmanns Schlafzimmer betrat. Altmann war dieser Frau deshalb so nah, weil sie Sprache liebte, eifrig las und mit Worten spielte. Ohne berufliche Ambitionen, einfach zum Vergnügen. „Schreib was Tolles auf meinen Hintern“, forderte sie ihn einmal auf. Altmann holt einen Filzschreiber und fängt sofort an, denn den Dreizeiler von Hans Magnus Enzensberger trug er schon lange mit sich herum: „Unbegreiflich,/was so sublim ist/am bloßen Arsch einer Frau.“

Frauen.Geschichten.|Andreas Altmann|336 Seiten|ISBN 978 3492055888|Piper Verlag

Frauen.Geschichten. | Andreas Altmann | 336 Seiten | ISBN 978 3492055888 | Piper Verlag

„Hymne auf die starke Frau“

Die Nürnberger Zeitung nennt Altmanns Buch eine „Hymne auf die starke Frau.“ Dem kann man nur zustimmen. Es ist ein Buch voller Lebens- und Welterfahrung. Er war schon in der ganzen Welt, meist als Reiseschriftsteller und Auslandsreporter. Ausgezeichnet wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Weltentdecker-Preis und dem Seume-Literatur-Preis. Er war Dressman, Schauspieler am Residenztheater München und am Schauspielhaus Wien, Jura- und Psychologiestudent, Gärtner, Taxifahrer, Privatchauffeur, Spüler, Kellner, Anlageberater, Straßenarbeiter. Er lebt heute in Paris. Und schreibt gegen Treue, Ehe, Spießigkeit und Langeweile. Alles auf hohem sprachlichem Niveau und meint mit „Frauen.Geschichten.“ keine Sex- oder Bettgeschichten, wie er bei einer Lesung im November in Grünau im Salzkammergut in einer kleinen Marktbücherei meinte, sondern es handle sich um Geschichten, die sich um Frauen ranken. Deshalb stehe nach dem Wort „Frauen“ im Titel ein Punkt. Und das Buch sei kein Roman, denn er habe alles selbst erlebt. Nichts sei erfunden oder fiktiv. Das kann man ihm glauben oder auch nicht. Was er in diesem Werk zu bieten hat, steht auf Seite 49: Meinen Überschwang fürs Leben (…) angefeuert vom Blick auf das Halluzinogen Frau.

von robert voglhuber

Rubrik:: Musiktipps

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