23.09.2020 0 Kommentare

Das Virus, das die Welt verändert

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[von michie könig]

Corona. Es kann männlich oder sächlich bezeichnet werden, ist seit einiger Zeit weltweit omnipräsent und scheint eine neue Ära einzuleiten. Sind sich über die Umstände alle einig? Wissen wir überhaupt genug über das, was hier gerade passiert? Wie kritisch darf man sein?

 

Vor unserem inneren Auge mögen wir es als verdammt kleines, monster­artiges Lebewesen sehen, das sich schneller verbreitet, als wir es von anderen Viren kennen. In unserer fortschrittlichen Welt ist da plötzlich etwas, dessen Auswirkungen wir nicht abschätzen können. Es bringt Unsicherheit, macht Angst und zeigt, wie viel Effekt etwas haben kann, wenn es mit vereinten Kräften auftritt.

Wie ihr alle verfolgen auch wir die Kommunikation rund um Corona sehr aufmerksam. Häufig finden sich in den unterschiedlichsten Medien aus aller Welt Vergleichsversuche zwischen Influenza (unserer bereits bekannten, nicht ungefährlichen Grippe) und dem neuen Corona­virus „SARS-CoV-2“. Auf der Internetplattform der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) gibt es zu beiden Krankheitserregern Informationen: Die Sterblichkeitsrate des neuen Coronavirus wird auf der Worldometers-Plattform laut WHO (Stand vom 3. März 2020) auf 3,4% geschätzt. Das sind Daten, welche die WHO selbst bittet, mit großer Vorsicht zu genießen. Auf derselben Plattform finden sich für Influenza in diesem Jahr bereits 123.007 Todesfälle und für Corona 47.267 (Stand: 2.4., 09:31). Laut Angaben der AGES wird die Influenza als Todesursache allerdings häufig gar nicht registriert. Internationaler Standard sei es daher, dass die damit in Zusammenhang stehenden Todesfälle durch Modellierungen geschätzt werden. Dies ist nur einer der Indikatoren dafür, dass Zahlen mit viel Bedacht interpretiert werden sollten. Unsere Recherchen zeigen, dass sich auch Expertinnen und Experten weltweit nicht einig sind, wie sie mit der neuen Herausforderung umgehen sollen, die Corona über die Welt ergoss.

 

Entschleunigung

Während sich die Gesellschaft nun auf globaler Ebene darum bemüht, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu verzögern, um eine Überbelastung des Gesundheitssystems zu verhindern, tut sich auch ökologisch und ökonomisch ganz vieles. Wir reisen nicht mehr, fahren weniger mit dem Auto, bewegen uns häufiger zu Fuß an der frischen Luft, hetzen nicht mehr von einem Termin in den nächsten und verbringen vergleichsweise viel Zeit zu Hause. Der Blick nach oben zeigt an schönen Tagen einen blauen Himmel, ohne einen einzigen Kondensstreifen. Der Planet Erde holt gerade tief Luft.

Entschleunigung ist für die meisten Menschen gelebte Realität geworden. Ausnahme sind gewiss jene, die in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Bei Einkäufen denken wir voraus und achten – hoffentlich (!) – endlich auf Regionalität. Die Hamsterräder, in denen wir so lange gelaufen sind, haben aufgehört, sich zu drehen. Weltweit, beinahe! Denn Schweden hat als einziges Land weniger restriktive Maßnahmen eingeleitet. Erst die Zeit wird zeigen, wessen Weg sich bewährt(e).

Unter unzähligen Beiträgen über diese von der WHO ausgerufene Pandemie fanden wir neben zahlreichen anderen auch jene interessant, die unsere eigene Verantwortung für unsere Gesundheit unterstreichen und uns darauf aufmerksam machen, dass erstens zu viel Angst keine gute Medizin ist, und zweitens dadurch der Blick auf die Relationen verloren geht. Eine ganz andere Perspektive eröffnen solche, die ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Zustand unseres Finanzsystems unter die Lupe nehmen. Alles in allem gibt es Stimmen von Fachleuten mit verschiedensten Hintergründen, die zusätzliche Details preisgeben und Sichtweisen anbieten, über die wir gerne neutral informieren möchten.

 

Krankes System

So ist Finanzexperte und Journalist Ernst Wolff überzeugt, dass wir aktuell den Zusammenbruch eines Finanzsystems erleben, das wir seit rund 70 Jahren kennen. Seiner Meinung nach zeigt sich durch die jüngsten Zinssenkungen, dass die Zentralbanken nicht mehr in der Lage sind, dieses System aufrecht zu erhalten. Die Menschen verkaufen Aktien, investieren in Gold und Silber. Corona sieht er als willkommenen Schuldigen für den bevorstehenden Kollaps. Er kritisiert, dass die Kommunikation über dieses Virus vor allem von der WHO gesteuert würde, hinter der zu 85% Stiftungen und die Pharmaindustrie stehen. Auch der Mediziner Wolfgang Wodarg, der wohl zu den ersten Gegenstimmen der Maßnahmen zur Krisenbewältigung zählt, kritisiert diese Finanzierungsmodelle, da hier Interessenskonflikte entstünden.

Wolff geht auf die vielen laufenden Kredite ein, die nicht bedient werden könnten, welche durch die erzwungenen Stillstände der Geschäftstätigkeit vieler KMU noch zahlreicher werden dürften. Er spricht allgemein von einer „Plünderungsorgie“ durch Großinvestoren, die gerade stattfinde. Stark kritisiert der Fachjournalist das Unternehmen Amazon, das mitten in der Krise in den USA 100.000 neue Leute eingestellt hat und bereits seit Jahren nirgends Steuern zahlt. So ein Unternehmen würde von dieser Krise sogar profitieren, während all die kleinen Betriebe Bankrott gingen. Clemens Fuest vom Institut für Wirtschaftsforschung in München wiederum gibt in einer ServusTV-Reportage als Worst-Case-Szenario an, dass uns die ergriffenen Maßnahmen bis zu ein Fünftel der Wirtschaftsleistung kosten und das Wirtschaftswachstum daher Minus 20 Prozent betragen könnte.

 

Gesundheit als wahrer Reichtum

Der Schweizer Arzt Andres Bircher, der sich in seiner über 44 Jahre andauernden Karriere sehr viel Wissen aneignen konnte und das renommierte medizinische Zentrum Bircher-Benner leitete, kritisiert vor allem, dass heute die Menschen zu wenig auf die Stärkung ihrer Abwehrkräfte achten. Er widerspricht der Vorgehensweise der Fiebersenkung und bezeichnet sie als „Sabotage am Immunsystem“. Dies sei vor allem darauf zurückführen, dass die Lehre fast ausschließlich auf Pharmakologie eingeht und „viel von der ärztlichen Kunst verloren gegangen ist“.

 

Interpretation der Daten

Im Zusammenhang mit einem funktionierenden Immunsystem erwähnt der 73-Jährige den extremen Mangel an Vitamin D3, der daraus entstünde, dass die Menschen zu wenig an der Sonne sind und durch Auftragen der Sonnenschutzmittel ebenfalls die Bildung von D3 verhindert wird. Er findet dies auch für den Schutz gegen die Anfälligkeit für eine Infektion mit Coronaviren sehr wichtig und empfiehlt eine entsprechende Therapie in Absprache mit dem Hausarzt.

Der österreichische Internist und Onkologe Stefan Wöhrer möchte vor allem den Blick auf die Relationen unterstreichen. Gegenüber ServusTV erklärt er, dass normalerweise niemand wisse, wie viele Personen täglich sterben. Allgemein komme es in der Winterzeit immer zu einem massiven Anstieg der Sterbefälle. Er beziffert dies für Gesamteuropa: von 45.000 Todesfällen pro Woche auf bis zu 70.000. Aufgrund der Jahreszeit gehe man davon aus, dass virale Infektionen dafür verantwortlich sind. Zum Teil seien dies Influenza-Viren, die nachgewiesen werden können. Auch das Corona-Virus kann nun nachgewiesen werden, was aktuell sehr intensiv betrieben wird. Die ganze Welt verfolgt dieses Tracking.

Wer ohne entsprechendes Vorwissen die Zahlen isoliert sehe, empfinde diese selbstverständlich als hoch: „Das bereitet Angst.“ Die Bevölkerung wird täglich mit Zahlen konfrontiert, die sie eigentlich nicht deuten kann. Wöhrer führt weiter aus, dass pro Tag in Österreich durchschnittlich 241 Menschen an unterschiedlichsten Erkrankungen sterben, die nicht beobachtet werden. „Gerade in einer Krise müssen wir uns auf Fakten verlassen und können uns nicht auf Ausreißer konzentrieren“, ermahnt er: Dass im Ausnahmefall Italien das Gesundheitssystem an die Grenzen gebracht werde, sei nicht zu verleugnen, doch seien die Hintergründe dafür nicht ausreichend analysiert. Es drängt sich die Frage auf, ob wirklich alle an dem Virus selbst, oder „mit ihm“ sterben, denn die Menschen hatten auch andere Erkrankungen. Er selbst, der sich intensiv mit der Interpretation der verfügbaren Daten beschäftigte, sei mittlerweile beruhigt, obwohl er im Jänner dieses Jahres noch Angst hatte.

Sucharit Bhakdi – Mediziner und Facharzt für Mikrobiologie – meint, dass die Schuld an einem Todesfall nicht nur einem Virus zugeordnet werden darf, wenn es nur im Verbund mit anderen Krankheiten töte. Der Allgemeinmediziner Günther Loewit aus March­egg stellt dazu fest, wie schwierig es sich aktuell gestalte, beschwichtigende oder relativierende Worte zur Corona-Krise zu äußern. Der Lungenfacharzt und Internist Wolfgang Wodarg findet es wichtig, dass Vergleiche zu den Vorjahren herangezogen werden: die Mortalitätsrate muss korrekt interpretiert werden.

Allgemeinmediziner Gunter Frank aus Heidelberg äußert Zweifel, ob die gesellschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen in Relation stehen zu den tatsächlichen Konsequenzen der Corona-Krise oder ein konsequenter, gezielter Schutz der Risikogruppe nicht viel sinnvoller und nachhaltiger sei. Auch appelliert er, unbedingt die Zahlen in einen entsprechenden Kontext zu setzen. So sei es wichtig zu wissen, ob es sich um Menschen handle, die eventuell an anderen Krankheiten starben – „plus halt den Corona-Virus hatten“. Auch der deutsche Virologe Hendrick Streeck äußert seine Zweifel daran, ob die vorhandene Datengrundlage die ergriffenen Maßnahmen rechtfertige.

Forensiker Mark Benecke befürwortet es gewissermaßen, dass alles auf Null gefahren wurde. „Ich liebe Experimente“, meint er dazu in einem Interview mit einer deutschen Tageszeitung und findet, dass uns dieses nun Daten liefern würde, die uns schlauer machen, damit wir es nächstes Mal noch besser machen können.

 

Politik auf Basis mangelhafter Daten

Während zunehmend klar wird, dass die Zahlen und ihre Auslegung komplex sind, stehen politische Entscheider und Entscheiderinnen weltweit vor der Herausforderung, sich besonnen zu zeigen. Handeln müssen sie aber, und das obwohl die Daten nicht gänzlich zuverlässig sind: Immerhin befinden wir uns mitten in der Pandemie. Aus Italien wissen wir in der Zwischenzeit, dass 99 Prozent der Verstorbenen eine oder gar mehrere Vorerkrankungen hatten.

Hinsichtlich der Infektionsrate sollte der Zusammenhang mit der Anzahl an durchgeführten Tests nie außer Acht gelassen werden: Je mehr wir testen, desto mehr Infizierte absolut scheinen auch auf, auch wenn der Prozentsatz an Infizierten gleich bleibt.

Die ergriffenen Maßnahmen vermeiden auch die Ansteckung mit allen anderen übertragbaren Krankheiten. Gleichzeitig könnte es langfristig einen Anstieg an Depressionen geben, da gerade alleinstehende Menschen zu Hause vereinsamen.

Schuldige für die aktuelle Situation möchte aber auch Andres Bircher nicht suchen. Er empfiehlt, mit einer gesunden Objektivität an das Thema heranzugehen und den Menschen vor allem zu zeigen, wie sie den eigenen Körper wieder stärker machen können: gesunde Ernährung mit Rohkost und – bei Herzgesundheit – Überwärmungsbäder nehmen, so seine Empfehlungen. Bircher appelliert vor allem an die Selbstverantwortung der Menschen für ihre eigene Gesundheit.

 

Quellen:
www.nzz.ch/meinung/coronavirus-vergleiche-sind-wichtig-ld.1545862, vom 12.3.2020
www.diepresse.com/5776382/heuer-schon-fast-80000-grippetote-was-corona-verdeckt, vom 21.03.2020
www.worldometers.info/coronavirus (Englisch), vom 02.04.2020
www.livescience.com/new-coronavirus-compare-with-flu.html (Englisch), vom 28.03.2020
info.gesundheitsministerium.at, aktuelle Situation in Österreich, vom 28.03.2020
www.wodarg.com, vom 29.03.2020
www.falter.at/zeitung/20200401/schluss-mit-dem-schulterschluss, vom 1.4.2020
home.benecke.com/publications/spiel-mit-dem-feuer, vom 2.4.2020
www.derstandard.at/story/2000116399653/bei-den-corona-zahlen-stehen-alle-im-dunkeln, vom 4.4.2020

 

YouTube:
Gespräch mit Dr. Andres Bircher auf Naturmedizin CS24.tv vom 16.03.2020
Gespräch mit Dr. Wolfgang Wodarg auf Wissensmanufaktur vom 17.03.2020
COVID-19, der Spuk ist längst entzaubert, nur wissen Sie das nicht, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, vom 21.3.2020
Ernst Wolff: #Corona und der herbeigeführte Crash vom 21.3.2020
ServusTV: Corona – Sind Zweifel erlaubt?, vom 26.3.2020
ZDF: Virologe Streeck kritisiert bei Lanz Corona-Maßnahmen, vom 31.3.2020

Rubrik:: Corona, Meinung

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