03.10.2014 0 Kommentare

„Der internationale Finanzmarkt sind wir alle”: ÖGB-Präsident erntete Zu- und Widerspruch.

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Das Organisationsteam von “Mission: Wirtschaft 2050” mit Erich Foglar (3. v.l.). Foto: privat

Waidhofen | Am 29. September fand der zweite Vortrag im Rahmen der von jungen Mostviertlern organisierten Mission: Wirtschaft 2050 im Kristallsaal in Waidhofen statt. Zu Gast war der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) Erich Foglar. Der Gewerkschafter begrüßte die Initiative und die Idee der Veranstalter, über grundsätzliche Entwicklungen abseits von Alltagspolitik zu diskutieren.

Wer ein lautstarkes Plädoyer für die aktuelle „Lohnsteuer-runter“-Kampagne des ÖGB erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der Gewerkschaftsboss nahm nur einmal kurz auf diese aktuelle Auseinandersetzung mit der Regierung Bezug. Stattdessen sprach er in seinem einstündigen Referat gleich zu Beginn von „Industrie 4.0“, die durch technologische Entwicklungen bis ins Jahr 2050 wohl Realität sein wird. Damit sind intelligente und lernende Roboter gemeint, die die menschenleere Fabrik real werden lassen. „Technologische Innovationen und die weltpolitische Lage sind die beiden Hauptfaktoren, die die wirtschaftliche Situation in Österreich und Europa maßgeblich bestimmen werden.“, so Foglar.
Nach einem kurzen historischen Abriss, in dem er u. a. die Doppelrolle des US-Dollar als Weltleitwährung und nationale Währung als eines der strukturellen Probleme der globalen Ökonomie bezeichnete, betonte Foglar mehrfach die Bedeutung der EU für die zukünftige Entwicklung. Auch die Bildung sei entscheidend, „damit Österreich nicht den Anschluss an andere Länder verliert und die EU international wettbewerbsfähig bleibt.“

Sinn statt Profit

Im gesamten Vortrag war klar erkennbar, dass der ÖGB-Präsident stets die gegenwärtigen Rahmenbedingungen vor Augen hatte. Entgegen anderer gewerkschaftlicher Papiere und Forderungen konnte Foglar an diesem Abend nicht über die bestehenden Systemgrenzen hinausdenken. Der Kapitalismus wurde eben so wenig in Frage gestellt, wie ein Anspruch auf Finanzrendite und die Sinnhaftigkeit privater Pensionsvorsorge. „Der internationale Finanzmarkt sind wir alle. Und wir alle wollen, dass unsere Spareinlagen und Pensionsfonds eine möglichst hohe Rendite erzielen“, gab sich Foglar davon überzeugt, dass der egoistische homo oeconomicus existiert. Diese Aussage sorgte auch für Widerspruch im Publikum: „Viele Menschen wollen doch längst keine Finanzrendite mehr. Sie suchen Sinn statt Profit!“, so einer der Besucher.

In einem Punkt waren sich Publikum und der Referent an diesem Abend jedenfalls einig: der Bevorzugung der Realwirtschaft gegenüber der Finanzwirtschaft. Wie diese Finanzströme wieder in die gewünschte Richtung gelenkt werden können, blieb allerdings unklar. Darüber wurde beim anschließenden „bio-fairen“ Buffet noch lange und heftig diskutiert.

Am Montag, 13. Oktober, findet das Abschlussreferat der diesjährigen Mission: Wirtschaft 2050 statt. Franz Josef Radermacher ist ein wahres Kapazunder der internationalen Ökonomie. Im Rahmen des Global Marshall Plans setzt er sich für einen gezähmten Kapitalismus und eine Ökosozialen Marktwirtschaft ein. Das deutsche Club of Rome-Mitglied gilt obendrein als Experte für Globalisierungsgestaltung, nachhaltige Entwicklung und Überbevölkerung. Anmeldung unter www.wirtschaft2050.at erforderlich, 19 Uhr, Kristallsaal.

Rubrik:: Panorama

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