16.07.2020 0 Kommentare

Der Schreipfehler

(Kolumne von Artis Franz Jansky-Winkel, 14.7.2020)

Er ist geschehen, er hat sich zugetragen, er ist passiert. Weithin schwarz auf weiß sichtbar in der letzten momag-Ausgabe. Und noch dazu in der Headline! Sie wurde versaut durch das bloße Weglassen des letzten Buchstabens.

Meine erste Reaktion: Ärger und Verwunderung, meine zweite: Wie kann so etwas geschehen? Gehen einzelne Buchstaben auf dem elektronischen Weg von Loosdorf nach Waidhofen verloren? Liegt da irgendwo ein verborgener Buchstabenfriedhof im Pielach-, Erlauf- oder Ybbstal?

Ist nun Selbstschämen oder Fremdschämen angesagt? Mit Schämen hatte ich immer Probleme. Als Kind schickte mich mein Vater gelegentlich in die einzige freie Zimmerecke und forderte mich auf, mich zu schämen. Trotz heftigsten Bemühens gelang es mir nie, adäquate Scham zu generieren.

Mein Latein – die fehlerhafte Überschrift war in dieser toten Sprache verfasst – ist einigermaßen verrostet, dennoch sind mir einige gängige Zitate weiterhin geläufig. Eine gute Auffrischungshilfe ist mir dabei ein Büchlein mit dem Toptitel „Latein für Angeber“ von Gerald Drews.

Was also tun? Sich dem Sommer über dem unverschuldeten Gespött stellen? Ein unangenehmer Gedanke. Ich werde oft anerkennend auf meine Kolumnen angesprochen, was mich freut, diesmal allerdings bin ich in der Defensive. Vielleicht ist dieses Missgeschick aber ein gutes Training in Sachen Gelassenheit und Loslassen des Perfektionismus. SHIT HAPPENS!  Ein passender Wegweiser, um Luxusprobleme zu bändigen. Ich erinnere mich auch an einen alten Text, den ich in Reflektierstunden in meinem früheren Beruf als Lehrer verfasste. Da ging es um einen Rotstift, der mit der Zeit ins Hirn eingewachsen war. Den Rotstift nannte ich Berufspenis.

Wikipedia tröstet da wieder einmal: Die Redewendung ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und beschreibt die ständige Möglichkeit eines unerwarteten Ereignisses, das als negativ empfunden wird. Solche Situationen sind unvermeidliche Bestandteile des Lebens und als solche zu akzeptieren.

Rubrik:: Meinung, Mostviertel

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