12.06.2017 0 Kommentare

Die Festival-Macher: Barracuda Music

Aufgrund der bevorstehenden Festivalsaison besuchte das momag eine der größten Veranstaltungsagenturen Österreichs und befragte Gerold „Haubi“ Haubner – seit Beginn 2005 für die Pressearbeit des Nova Rock zuständig – zur Arbeit hinter den Kulissen und die Highlights

Gerold Haubner gibt Einblicke hinter die Kulissen. Foto: Georg Riger

Gerold Haubner gibt Einblicke hinter die Kulissen.
Foto: Georg Rieger

Wann und womit beginnt die Planung für ein Festival?

Die Planung beginnt mit dem Termin und den geben wir meistens beim laufenden Festival bereits fürs nächste Jahr bekannt. Das Ganze steht nie still. Beim Nova Rock zum Beispiel ist das Ganze aufgeteilt. Da gibt es eine Art Intendanz, den Ewald Tatar, der sich gemeinsam mit seinem Team auch um das Booking kümmert. Die Produktion kümmert sich um das Aufstellen der ganzen Ausstattung und die Promotion-Abteilung ist für Werbung und Marketing verantwortlich.

Wie viele Leute sind da involviert?

Gute Frage. Kann man so nicht wirklich sagen, aber auf dem Festival selbst arbeiten ungefähr 2.000 Leute. Bei der Planung so um die 20. Dazu kommen die Leute bei der BH, die Securities, die Leute die alles aufbauen. Der Bühnenaufbau beginnt eine Woche vor dem Festival. Da kommt es auch darauf an, wie groß die Bühnen sind. Das wächst immer weiter an.

Bei den Festivals gibt’s jedes Jahr Neues und werden Sachen verbessert…

Auf dem Feedback der Besucher wird aufgebaut. Was von den Leuten kommt, was diese verbesserungswürdig finden, wird gleich als erstes in Angriff genommen. Dazu kommen die Ideen, die wir vom Team haben. Wir schauen auch immer, was man noch besser machen kann, was man ausbauen kann. Stillstand ist das Schlimmste, egal in welcher Branche. Sonst hätten wir schon mit den Beatles und den Rolling Stones aufhören können. Da hätten wir keine weitere neue Musik mehr gebraucht (lacht). Natürlich versucht man, sich jedes Jahr zu verbessern. Sei es vom Komfort her, oder dass man mehr Parkplätze zur Verfügung stellen kann. In den letzten beiden Jahren ist es uns gelungen, mehr Flächen dazuzubekommen. Dadurch können die Blue und die Red Stage quasi nebeneinander stehen, man hat keine weiten Wege mehr. Dann bauen wir das Green Camping-Konzept weiter aus. Mittlerweile gibt es auch Lodges. Begonnen hat das einst mit einem Zelthotel, da müssen die Leute kein eigenes Zelt mehr mitschleppen. Der Transport wurde verbessert, die Gastronomie verbessert sich jedes Jahr, der Sound wird besser. Alles wird besser!

Wie gut wird das Green Camping angenommen?

Sogar so gut, dass wir die Flächen vergrößern mussten. Wir müssen immer wieder vergrößern, weil all das so gut ankommt. Auch die Gastro-Flächen werden immer größer. Die Grill & Chill-Area, aber auch die Caravan-Flächen werden jährlich erweitert. Mittlerweile sind wir bei vier Caravan-Flächen plus Silent- und Green-Camping. 2006 hatten wir gerade mal eine Caravan-Fläche. Die Leute schätzen immer mehr den Komfort. Die Zeiten, wo man sich noch in die Büsche verdrückt und sich den Arsch mit einem Blatt abgewischt hat oder mit einem Doppler auf ein Festival fuhr und sich dann die ganze Zeit nicht gewaschen hat, nun… also der Trend geht immer mehr in Richtung Körperpflege (lacht).

Wie schaut es mit dem Müll aus?

Davon wird viel produziert, das ist immer das große Problem. Bei Müllvermeidung könnte schon noch viel mehr gehen. Da versuchen wir uns immer wieder an der Nase zu nehmen und das könnten auch die Besucher noch mehr versuchen. Man darf nicht vergessen: Das Nova Rock-Gelände ist ein Naturschutzgebiet, dort ist ein Wasserschutzgebiet, wir haben besondere Auflagen. Wir kämpfen natürlich, dass wir Müll so früh wie möglich oder prinzipiell vermeiden. Aber die Leute, das ist immer ein ganz besonderes Anliegen von mir, könnten hier noch offener werden dafür, Müll zu vermeiden. Wir verbessern zum Beispiel immer mehr das Gastro-Angebot. Keiner müsste mehr so viel Essen mitnehmen und so viele Sachen anschleppen. Je weniger man mitnimmt, desto eher vermeidet man Müll. Ich appelliere auch immer: räumt mehr zusammen.

Es gibt zahlreiche Festivals. Wie groß ist der Konkurrenzkampf?

Man sagt ja: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir schauen, dass wir unsere Arbeit so gut wie möglich machen. Das ist, was ich zur Konkurrenz zu sagen habe. Nix. (lacht)

Was ist schlimmer bei einem Festival: Regen und Kälte oder Hitze und Staub?

(lacht) Was ist blöder? Rapid oder Austria? Nun, es kommt darauf an. Für die Stimmung ist es egal. Mir persönlich ist es lieber, wenn es warm ist und nicht kalt. Ich schwitze lieber, als im Regen zu ersaufen. So mit Gatsch und dem Ganzen. Also ich persönlich finde Regen schlimmer. Dann hat man vielleicht das Problem, dass Wege nicht mehr so gut befahrbar sind, wenn du mal schnell etwas liefern musst, beim Aufbau, oder wenn die Rettung fahren muss. Darauf wird aber auch im Vorfeld schon geachtet, dass – egal welches Wetter – alle wichtigen Wege befahrbar und begehbar sind.

Was gibt es zum diesjährigen Nova Rock Line-Up zu sagen?

Ich finde es ja großartig, dass so Bands wie Prophets of Rage spielen. Kennst du die ein wenig? Noch nicht? Die Band besteht aus Musikern von Cypress Hill und wer noch? – Na? – Rage Against The Machine! Darum Prophets of Rage. Ohne dem Sänger. Was aber nichts macht, denn das kann auch jemand anderer singen. Aber das ist leiwand. Ich schätze schon immer solche Musik-Konglomerate. Ich finde es auch super, wenn hie und da Slash bei Ozzy Osbourne spielt. Oder so Sachen wie neue, kleine Bands, die man sonst normalerweise nie hört. David Hasselhoff zum Beispiel (lacht).

Der war ja schon einmal beim Nova dabei. Wie schwer war er zu überreden?

Ich glaube, gar nicht schwer. Er spielt ja gerne vor vielen Leuten und gerade auf so einem Festival, das eine tolle Bühne für ihn ist, kann er viel machen. Da geht alles, von „Looking for Freedom“ bis zum „Limbo Dance“ und dafür braucht man schon eine große Bühne. Solche Megahits spielt man nicht auf jedem Tischtennistisch. Da braucht man schon eine große Plattform und Leute, die das Ganze wollen und die so eine Show auch zu schätzen wissen. Ich glaube, als Late Night Act ist Hasselhoff ganz großes Kino und auch sehr wichtig für das Nova Rock.

Für das Nova Rock ist es sowieso wichtig, dass eine musikalische Meinungsvielfalt passiert. Dass es nicht nur Blue und Red Stage gibt, sondern auch den Red Bull Brandwagen und die Singer/Songwriter Bühne. Die kleineren Sachen machen es oft aus. Alle wollen das Nova Rock immer zum Metal-Festl verkommen lassen. Das klingt jetzt so negativ, aber dann gäbe es niemals die Bandbreite an Menschen und das friedliche Miteinander. Da hätten wir dann 20 Schnapsleichen herumstehen, die sich denken: „Pfuh, schon wieder Slayer. Die hab’ ich ja eh schon fünftausend Mal gesehen.“ Aber es sind zum Beispiel auch HipHop-Fans dabei und man muss es ja auch so sehen: Vielleicht haben die dann mit Slayer eine ganz besondere Freude. Oder mit Kreator. Vielleicht ist der Metal-Fan ja so offen, dass er sagt: „Ja mei, jetzt hol ich mir halt mal ein Bier solange die HipHop-Band da spielt. Macht ja nix.“ Und wenn der HipHop-Fan sagt: „Aber für mich ist da ja gar nichts dabei“ sagen wir dann: „Oja, Slayer!“ (lacht)

interview | petra ortner

web | barracudamusic.at

Nova Rock  |  14.–17.6., Pannonia Fields, Nickelsdorf

The Nova Jazz & Blues Night Festival  |  7.7., 13.30h, Schloss Esterházy, Eisenstadt

Clam Rock  |  7.7., 13.30h, Burg Clam, Klam bei Grein

Lovely Days  |  8.7., 13.30h, Schloss Esterházy, Eisenstadt

FM4 Frequency  |  15.–17.8., Green Park, St.Pölten

Rubrik:: Kultur

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