18.05.2016 0 Kommentare

Die NÖ Fleischer punkten mit Fachberatung, verlieren aber Marktanteile

Zurzeit gibt es in Niederösterreich 301 Fleischer, im Vorjahr sind es noch 315 gewesen. Auch die Mitarbeiterzahl ist von 3.261 im Jahr 2015 inzwischen auf 3.053 gesunken. Sind im vergangenen Jahr noch 72 Lehrlinge ausgebildet worden, sind es 2016 nur mehr 50. Diese Zahlen sind für Bundes – und Landesinnungsmeister Rudolf Menzl alles andere als zufriedenstellend. „Viele Fleischer haben leider keinen Nachfolger und sehen sich daher, wenn sie in Pension gehen, gezwungen, den Betrieb zu schließen“, berichtete Menzl dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Foto: colourbox.de

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Auch die Konkurrenz von Diskontern und Supermärkten, die eigene Fleischabteilungen führen, machten den Fachgeschäften zu schaffen. „Einerseits können diese zu ganz anderen Preisen die Waren anbieten als wir, und andererseits ist es oft der Zeitmangel, der die Konsumenten veranlasst, am selben Ort auch Wurst- und Fleischwaren einzukaufen. Klar muss uns aber auch sein“, meint Menzl, „wenn ein weiterer Fleischerfachbetrieb schließt, könnte daran auch unsere Bequemlichkeit beteiligt sein. Aktuell nämlich haben wir Fleischer nur mehr zwölf Prozent Marktanteil an Frischfleisch, und das ist sehr bedenklich.“

Fehlender Nachwuchs

Für Rudolf Menzl liegt klar auf der Hand, dass der Rückgang der Fleischerbetriebe auch eine hausgemachte Sache ist. „Wenn ich mir anschaue, dass immer weniger Kollegen bereit sind, Lehrlinge auszubilden, ist es auch nicht verwunderlich, wenn uns der Nachwuchs fehlt. Ich bitte daher inständig, sich bewusst zu sein“, sagt er, „dass die hohe Qualität und Fachkenntnis, die wir Fleischer in Niederösterreich anbieten, nur mit entsprechend ausgebildetem Personal aufrecht erhalten werden kann. Einige niederösterreichische Betriebe beschäftigen sogar schon Gesellen aus Ungarn und Tschechien. Das sind durchaus gute Mitarbeiter, aber solches Personal muss doch auch im eigenen Land zu finden sein!“

Zusatzangebote machen Fleischer wieder attraktiv

Auch bei der Betriebsnachfolge müsse man schon beizeiten darauf achten, dass sie da ist, wenn man sie braucht. „Trotz allem ist das Geschäftsjahr für unsere Mitgliedsbetriebe gut verlaufen“, stellt der Bundes- und Landesinnungsmeister fest. „Gerade unsere Branche zeichnet sich durch Innovation aus, die weit über den bloßen Verkauf von Wurst- und Fleischwaren hinausgeht. Viele Kollegen können mit Zusatzangeboten, wie Catering, Mittagsmenüs, eigenen Wurstspezialitäten oder speziellem Grillgut, bei den Konsumenten punkten. Nicht zu vergessen, in unseren Geschäften gibt es Fachberatung – vom Packerl im Diskonter werde ich keine bekommen. Außerdem bin ich im Diskonter bzw. Supermarkt auf die Ware angewiesen, die momentan da ist. Im Fachgeschäft geht man auf die individuellen Wünsche der Kunden ein. Daher lautet mein Appell: Auch wenn die Zeit knapp ist, einen weiteren Einkaufsstopp beim Fleischer einlegen. Oft muss man sich das nur bewusst machen, um es auch zu tun.“

info | noe-fleischer.at

wirtschaftspressedienst.at (dsh)

Rubrik:: Panorama

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