19.04.2018 0 Kommentare

Die perversen Seiten des Lebens finden

Gfrastsackln. Mandana Nikou: Rockröhre mit Hang zu Blues und Country. Andreas Julius Fasching: Dialektliederschreiber und Americana-Spezialist. Das Duo liefert satirische Dialekt-Texte zu österreichischen Befindlichkeiten und hat letzten Dezember mit „Ze Pest For Ze Phest“ ein etwas anderes Weihnachts-Album veröffentlicht.

interview: petra ortner

Foto: Dietmar Hoscher

Die Gfrastsackln, 2014 gegründet, veröffentlichten 2016 ihr erstes Album, zu Weihnachten 2017 das zweite. Was passierte sonst so?

Wir hatten ein paar super Auftritte bei Musikfestivals, die uns wichtig waren, zum Beispiel im Ö1-Zelt auf dem Donauinselfest, oder beim Internationalen Musikfest in Waidhofen/Thaya und noch einiges mehr. Nach der ersten CD „Ignaz rettet Österreich“ war es dann wieder vakant, ein neues Album zu machen. Die ganzen Verwandten und Freunde, Mithelfer, Management und so weiter haben uns die ganze Zeit schon sekkiert mit der Frage, wann wir denn endlich ein Weihnachtsalbum machen. Unsere Antwort war schließlich: „Jetzt machen wir es, damit wir das ganze mal wieder abstellen. Da gehört eine Grenze gezogen.“ Es ist wie beim Christkind, da musst du aufpassen, was du auf den Wunschzettel schreibst, denn das bekommst du dann auch! (lacht) Jedenfalls hab’ ich das so gehört. Die Leute wollten ein Weihnachtsalbum, also haben sie eines bekommen. Ällabätsch!

Viele der Texte darauf sind aber doch ganzjahrestauglich.

Es geht gar nicht anders. Nimm ein durchschnittliches Weihnachtslied her. Zum Beispiel „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter.“ Das könnte man auch bei jeder Gärtnerparty singen. Die waren ja auch keine Marketing-Trotteln damals. Die hatten noch viel weniger Rummel und viel mehr Kommerz-Druck. Die mussten so ein Lied in drei Tagen rausschießen. Wenn du ein Weihnachtslied hattest, musstest du das in den wenigen Tagen an die Leute bringen. Und dann wieder ein Jahr lang warten (lacht). Heute ist es ja so, dass man schon ein halbes Jahr lang Zeit hat, so Sachen zu verkaufen und dann wartet man nur ein halbes Jahr, bis es wieder losgeht. Obwohl heutzutage alles komplett kommerzialisiert ist, war der Druck damals größer. Aber auch bei den traditionellen Weihnachtsliedern kann man nicht sagen, dass sie nur zu Weihnachten funktionieren. Oder? Viele drehen sich um Wintersport, ums kalt sein, wärmende Getränke und Gefühle und grüne Bäume. Bei uns ist das auch so. Wir wollten keine Lieder, die man nur vier Wochen im Jahr spielen darf.

Wo habt ihr das Album aufgenommen?

Wir haben die Songs entweder in Reinsberg aufgenommen, oder in Wien, in unserem Bahöö-Vereinslokal „17ten Kunst und Kultur“. Das geht immer zack-zack, weil Mandana ein relativ ungeduldiger Mensch ist, es sich aber auch leisten kann, da sie trotzdem gut einsingt und sehr zügig ist und wir gut miteinander kommunizieren. Wir wissen jetzt schon ziemlich genau, was der andere erwartet. Und da ich jetzt schon ein relativ guter, abgedrehter In-The-Box-Produzent bin, geht das. Also mit dem Laptop hinstellen und auf Aufnahme drücken. (lacht)

Was war beim Aufnehmen die größte Herausforderung?

Der depperte Dimmer hier hinten in der Sitzecke im „17ten Kunst und Kultur“. Es liegt immer an solchen Sachen. Du musst dir vorstellen, hier hat es ausgesehen wie in einer zentral-kirgisischen Jurten-Ansammlung. Ich habe mich mal reingestellt und ausgecheckt, weil das natürlich wichtig ist, da der Raum an verschiedenen Punkten unterschiedlich klingt. Du musst schauen, dass du die störenden Effekte rausbringst. Dafür schiebt man das Mikrofon zum Singen hundert Mal hin und her. Dann trifft man Maßnahmen, wie zum Beispiel viele Polstermöbel rein. Als Mandana schließlich einsang, war auf der Aufnahme dauernd ein Surren zu hören. Das kam vom Dimmer. Es wurde daher eine Handy Light-Session. Sie saß auf der Couch, mit dem Handy für die Beleuchtung der Textblätter, im Schneidersitz. Es gibt davon sogar ein Video in unserem Adventkalender auf der Homepage. Aber es hat funktioniert. Mit Mandana zusammenzuarbeiten ist super, da sie als Operationsschwester viel praktischer denkt als ich. Sie hat immer schnell eine Lösung. Mir fällt nix ein. Ich bin so überkompliziert (lacht). Mein Weg ist selten der gerade.

Was gibt es zuerst? Text oder Musik?

Mandana arbeitet aus einem Guss, spontan, intuitiv. Bei mir muss es zuerst ein Thema geben, das mich interessiert, mit dem ich mich lange und ausführlich beschäftige, bis ich weiß, was ich schreibe. So wie beim Lied „Zwetschkenkrampus“. Dann überlege ich mir Harmonien und probiere herum. Mein Problem ist: Mich interessiert nix in dieser Welt. Ich muss immer irrsinnig herumgraben, dass ich die perversen Seiten des Lebens finde. Mir sagen oft Leute: „Andl, du schreibst immer Texte, direkt aus dem Leben gegriffen.“ Es ist eh lieb gemeint, aber eigentlich eine Beleidigung. Ein Lied, aus dem Leben gegriffen, so was Fades! Aber habe ich ein Thema wie zum Beispiel die Heiligen Drei Könige und Liebe und eine Landdisco, dann kann ich daraus was machen.

Zur Person
Andreas Julius Fasching: Der 1966 in Gresten geborene Musiker spielte unter anderem mit Graymalkin, Monti Beton, Willi Resetarits, Al Cook und Hans Theessink. 2004 gründete er seine Band „Faschings Kuchlradio“ und 2014 gemeinsam mit Mandana Nikou die „Gfrastsackln“.

Mandana Nikou: Ebenso aus Gresten, schaffte es die 35-jährige Krankenschwester mit ihrer Band Solid Tube auf Platz eins der österreichischen iTunes-Charts und unter die besten Drei bei der ORF-Fernsehsendung „Die große Chance“. Die Power-Stimme singt zur Zeit bei den „Gfrastsackln“ und „The Madfred Music Club“ (TMMC).

web | www.gfrastsackln.at, www.facebook.com/Gfrastsackln

Rubrik:: Interviews, Kultur

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