06.02.2014 0 Kommentare

Die Seele aus dem Leib singen: Interview mit Thomas David aus „Die große Chance“.

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Foto: Sony Music

Mit seinem Song „Able“ hat er bei der ORF Casting-Show „Die große Chance“ nicht nur die Jury für sich überzeugen können, auch die Zuseher waren von dem sympathsichen Singer und Songwriter Thomas David hin und weg. Dass er gerne live auf der Bühne steht und wie seine Erfahrungen bei Castingshows und auch im Studio waren, das hat er dem momag bei einem gemütlichen Interview im 25hours Hotel in Wien erzählt.

Wann hast du deine Liebe zur Singer/Songwriter-Musik entdeckt?
Ich war immer schon sehr musikinteressiert, auch wegen meiner Mutter, die immer so Sachen wie Annie Lennox gehört hat. Mit dieser Art von Musik bin ich groß geworden und als ich dann selbst begonnen habe Gitarre zu spielen, mit 15, hab ich mir dann auch Bands angehört – bei Bands sagt man ja nie es sind „Singer/Songwriter“ sondern das sind immer Bands – wie Matchbox 20 oder The Calling. Das waren „meine“ Bands, die habe ich gerne angehört. Und als ich selbst begonnen habe Gitarre zu spielen, habe ich mich für die Singer/Songwriter-Sachen interessiert.

Hast du dann auch gleich begonnen selbst Songs zu schreiben?
Ja, weil ich sehr faul war beim Üben bin ich dann irgendwann bei vier Akkorden stehen geblieben und hab mir gedacht „Ach schau, ein Kapodaster! Was man mit dem alles machen kann!“ (lachen) Ich habe sehr viel gespielt. Ich habe es nie in irgend einer Musikschule erlernt, hab mir alles selbst beigebracht, aber die vier Akkorde waren die, die für mich dann einfach wichtig waren, wo ich gemerkt habe, dass ich die zusätzlich zur Stimme brauche. Ich brauche also die Gitarre nur als Begleitinstrument. Auch damit ich Songs schreiben kann. An mir ist wohl ein grandioser Giarrist verloren gegangen (lachen).

Du bist bei der ersten Staffel von „Starmania“ angetreten und damals auf dem 10. Platz gelandet. Jetzt hast du vor einiger Zeit „Die große Chance“ gewonnen. Wann ist für dich – nach Starmania – festgestanden dass du noch einmal bei einer Casting-Show mitmachen willst?
Es ist natürlich ein sehr, sehr großer Schritt noch einmal zu einer Casting-Show zu gehen. Ich war bei „Starmania“ in der ersten Staffel und das war der Mörder-Hype für jeden. Für jeden Journalisten, für den ORF, die Plattenfirma, für ganz Österreich. Man hat gute Sachen erlebt, man hat aber auch schlechte Sachen erlebt und irgendwie hab ich überlegt was überwiegt. Was hier besonders wichtig war, war die Zeit dazwischen. Vor zwei, drei Jahren wäre es für mich noch nicht in Frage gekommen, dass ich wieder so etwas mache. Aber ich habe dann gesagt „Ok. Ich habe meine Ausbildung fertig gemacht. Ich habe jetzt etwas in der Hand, ich habe meinen Job und stehe mit beiden Füßen im Leben. Mir geht es gut, meiner Familie geht es gut. Worauf soll ich warten?“ Musik ist meine Leidenschaft und ich habe sie in den letzten zwei Jahren so intensiv gemacht, dass ich mir gedacht habe „Naja. Aber irgendwie könnte es noch ein wenig mehr sein.“ Es ist für mich nicht einfach nur ein Hobby. Und ich will, dass noch mehr Leute meine Musik hören. Denn das Feedback von den kleinen Konzerten, die ich gespielt habe, war sehr gut. Das gab mir immer wieder viel Motivation und das war dann auch ausschlaggebend für mich zu sagen „Ich hab nichts zu verlieren. Ich weiß ganz genau was ich will und noch viel mehr, was ich nicht will.“ Das habe ich auch dem ORF gesagt. Ich ging hin und sagte „So gibt es mich. Sonst gibt es nichts. Und ich mache nichts, was mir nicht entspricht.“

Das heißt, die Erfahrung von „Starmania“ war schon sehr wichtig für dich.
Ja, auf alle Fälle. Ich habe jetzt einfach schon gewusst, wie so eine Casting-Show funktioniert. Wie die Probentage-Wochen im ORF aussehen. Da sind viele echt am Zahnfleisch dahergekommen. Ich selbst auch, weil man das nicht verhindern kann. Aber ich habe genau gewusst was auf mich zukommt und ich habe alles für mich so arrangieren können, dass es für mich auch gut ist. Und das war auf alle Fälle ein sehr großer Vorteil.

Was waren deine positivsten Erfahrungen bei „Die große Chance“?
Die positivste Erfahrung, die ich gemacht habe, war, dass ich so sein konnte, wie ich bin und die Musik so zu machen wie ich sie gerne mache und dass das wirklich bei den Leuten ankommt. Und das nicht nur bei zwei, drei Leuten sondern beim gesamten ORF-Team, bei dem Team das rundherum arbeitet und vor allem den Leuten, die sich die Show ansehen. Das war das Größte. Darum habe ich nicht umsonst gesagt „Diese 100.000 Euro, das ist einfach nur Geld. Aber 100.000 Menschen mit der Musik zu fangen, das ist ein Ziel.“ Das ist für einen Songwriter viel wichtiger. Kein Songwriter schreibt nur für Geld. Nicht gratis, aber die Musik soll Spaß machen.

Du hast im Dezember 2013 deine Debüt-CD veröffentlicht. Erzähl ein wenig über die Arbeit daran.
Da müsste ich jetzt über zehn Jahre ausholen, denn da fängt das Ganze irgendwie an (lachen). Es sind Lieder darauf, die in der ganz frühen „Songwriter-Geschichte“ von mir entstanden sind und über die Jahre reifen mussten. Manche Lieder habe ich noch einmal umgeschrieben. Wirklich, das sind Nummern aus den letzten zehn Jahren oben und immer aus einer gewissen Emotion und Lebenssituation heraus. Das ist natürlich irgendwie arg. Du wartest quasi zehn Jahre darauf, dass du so ein professionelles Album machen kannst, das dann auch gehört wird. Man gewinnt eine Show und kann dann einen Traum realisieren. An der CD habe ich dann zwei Wochen gearbeitet, was schon ein Wahnsinn ist. Aber es ist mein Debüt-Album. Hätte ich das nicht jetzt gemacht, sondern in einem Jahr, wäre es vielleicht anders geworden. Aber es ist wie es ist und ich bin überglücklich, dass es auch eingefahren ist wie eine Granate. Nach einer Woche Goldstatus zu erreichen ist Wahnsinn.

Es sind also auch Songs von vor zehn Jahren auf dem Album. Wie viele neue Songs kamen dazu?
Das kann ich gar nicht sagen, weil es eben eine Ansammlung von Liedern ist. Wir haben überlegt „Hey, das ist das erste Album. Was will ich auf dieser ersten CD sagen? Will ich gleich die neuestern der neuen Songs darauf packen oder gibt es Sachen, die ich gerne auf einem Album hätte, weil ich mit den Liedern auch etwas aussagen möche?“ Es gibt ja Momente aus meinem Leben, die ich in einem Song festgehalten habe und von denen ich glaube, dass auch andere sich damit identifizieren können. Der neueste Song ist wahrscheinlich „Head Out“. „Able“ zum Beispiel ist ein recht alter Song, den ich schon sehr lange spiele, der aber zeitlos ist.

Du hast unter anderem mit Thomas Rabitsch zusammengearbeitet. Was hast du aus dieser Zusammenarbeit lernen, mitnehmen können?
Ruhe. Er hat sehr viel Ruhe ausgestrahlt. Sonst wäre ich in den zwei Wochen wahrscheinlich wahnsinnig geworden. Weil ich immer dachte „Das geht sich nie aus!“ und „Alles ist ein Scheiß.“ (lachen) Das war es aber gar nicht und worauf ich auch gekommen bin ist, wenn du mit professionellen Leuten zusammenarbeitest, dass es funktionieren kann. Dass es echt etwas ausmacht, mit wem du zusammenarbeitest. Und generell einfach die Zeit im Studio. Ich bin ein Mensch, der so viel live gespielt hat in den letzten zehn Jahren, dass ich gar keine Erfahrung habe in einem Studio. Dafür hatte ich auch nicht das Geld.

Was sind die für dich wichtigsten Themen für deine Songs?
Das Album heißt auch darum „able“, weil es darum geht, dass das Leben nicht einfach ist. Dass es das Schicksal gibt, dass es Situationen gibt im Leben, die nicht einfach sind, aber trotzdem musst du bei dir bleiben und du für dich selbst entscheiden was für dich gut ist und was nicht. Und es ist egal ob es da um Liebe geht oder um Schmerz. „Fall Down“ ist zum Beispiel so eine Nummer, da rede ich quasi mit meinem zweiten Ich. Das ist irgendwie so ein innerer Monolog. Das sind so Themen die man für das erste Album aufgreift, wobei beim zweiten Album werden die Lieder wieder um andere Themen kreisen. Ich glaube es ist eine ganz gute Mischung geworden für das Debüt-Album, weil für jeden etwas dabei ist und ich das was ich sagen wollte auch gesagt habe.

Was ging dir durch den Kopf, als du zum ersten Mal einen Song von dir im Radio gehört hast?
Meine Songs werden nicht so oft gespielt, aber gerade als ich mit dem Taxi zum Interview gekommen bin, haben sie einen Song gespielt und ich dachte „Jetzt muss ich fast sitzen bleiben und mir das anhören.“ Obwohl ich die Nummer in und auswendig kenne, aber (lachen) es ist schon toll, wie der Song angesagt wird und so. Es ist unglaublich. Auch das erste Mal war so „Sprachen die gerade von mir?“ Ich weiß nicht. Ich glaube das braucht noch ein wenig Zeit bis das alles „normal“ wird (lachen).

Im März beginnt eine größere Tour durch Österreich. Wird es danach auch weiter raus gehen?
Ja, ich hoffe natürlich, denn mit englischsprachiger Musik kannst du natürlich sehr viele Leute erreichen. Aber ich glaube dennoch muss man wissen wo man her kommt und diesen Markt muss man auch bespielen und sich da erst einmal behaupten. Das ist natürlich sehr schwer. Der Prophet im eigenen Land ist halt sehr wenig wert, aber ich glaube es kommt auch immer auf den Propheten an. Es kommt auch darauf an welche Musik du machst, was für ein Typ du bist, wie du live bist. Live ist ganz wichtig. Ich glaube, dass meine größte Stärke das Live-Spielen ist. Auf die Tour freue ich mich irrsinnig. Die Möglichkeit zu haben aufzutreten. Wenn man sich denkt, da kaufen Leute Karten wegen dir alleine, wegen deiner Musik. Die nehmen sich die Zeit, egal welches Pinkerl die zu tragen haben, und gehen da hin um deine Musik zu hören. Dieser Gedanke schießt mir das Hirn raus. Darauf freue ich mich so sehr, und ich werde mir für die Leute die Seele aus dem Leib singen, damit die Leute Spaß haben und genau den Künstler bekommen, den sie sich auch erwarten.

Interview: Petra Ortner

Info | http://www.thomasdavid.at/
https://www.facebook.com/thomasdavidmusic?fref=ts

Rubrik:: Kultur

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