27.12.2021

Die Zeit des betreuten Denkens ist vorbei

Monika Donner findet die eigene Geradlinigkeit als befreiend ©monika donner

[interview: mary glaser]

Selbstermächtigung. Wer bereits erkämpfte, dass Transsexuelle, die sich keiner Operation unterziehen möchten, trotzdem ihr Geschlecht in der Geburtsurkunde ändern lassen können, bereits zahlreiche provokative gesellschaftskritische Bücher veröffentlichte und zudem als Ministerialrätin im österreichischen Verteidigungsministerium tätig ist, der (oder die) möchten wir gerne näher kennenlernen. Du auch?

 

Hat nicht jeder das Recht, so zu leben wie es für ihn passt, ohne Vorurteile, ohne von anderen katalogisiert zu werden? Haben wir nicht alle das Recht und die Freiheit, unsere Meinung sagen zu dürfen, ohne von anderen dafür im übertragenen Sinne „gesteinigt“ zu werden?

Monika Donner setzt sich ein für eine Welt mit mehr Toleranz und Miteinander, wo jeder seine Individualität leben darf. Ein Miteinander und kein Gegeneinander. Kein Bekämpfen, sondern leben und leben lassen. Eine Welt, in der jeder so akzeptiert wird, wie er ist. Rund um diesen Grundsatz sind aus ihrer Feder zahlreiche Bücher entstanden: „Tiger in High Heels“, „Normal war gestern“ gemeinsam mit Peter Hajek, oder „Krieg, Terror, Weltherrschaft“. Erst kürzlich wurde ihr jüngstes Buch „Corona-Diktatur“ veröffentlicht.

Bei einem gemeinsamen Spaziergang durch den Föhrenwald sprechen wir über das Thema, das die ganze Welt seit über einem Jahr in Atem hält. Das Thema, das die einen mittlerweile schon nervt und andere immer noch vor Angst erstarren lässt. Nichts hat die Weltbevölkerung so sehr gespalten und verunsichert, selbst Familien sind diesbezüglich entzweit. Monika Donner nimmt sich kein Blatt vor den Mund und erzählt, was sie in Erfahrung brachte.

 

Was ist die Kernaussage deines jüngsten Buches?

Juristisch gesehen hat die Regierung mit den Corona-Maßnahmen mehrere Straftaten begangen. Es wurden und werden 18 im Verfassungsrang stehende Grund- und Freiheitsrechte mehrfach, intensiv und kontinuierlich verletzt. Daraus resultiert das Widerstandsrecht der Bevölkerung und die Pflicht der Beamten, den Gehorsam zu verweigern. Also ist die Zivilbevölkerung gefragt, den Mut zum Widerstand zu haben. Zivilcourage der Bevölkerung und staatliche Courage der Staatsdiener ist mehr denn je gefragt.

 

Du spricht auch über „Selbstermächtigung“.

Ich richte den Appell an die Menschen, nicht immer jemanden zu suchen, der die Verantwortung übernimmt. Die Zeit des betreuten Denkens ist vorbei. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass nicht alles, was in den Medien kommuniziert wird, stimmt. Auch alternative Quellen müssen mit einbezogen werden, wenn du dir ein Bild machen willst. Höre auf dein Inneres und handle danach. Die Menschheit ist es gewöhnt, jemanden zu haben, der für sie entscheidet, aber damit sollte endgültig Schluss sein. Hoffe auch nicht auf das Team, denn „Team“ bedeutet: Toll, ein anderer macht’s. Wir müssen uns vielmehr fragen, was wir selbst machen können für ein befreites Leben. Kein blinder Gehorsam, sondern jeder sollte seine Individualität leben und zu sich selbst stehen.

 

Wie sind die Reaktionen auf dein Buch?

Mein Dienstgeber hat gegen mich Strafanzeige erstattet, weil ich darin angeblich die Beamten zum Ungehorsam aufgerufen habe und der Regierung strafbares Verhalten vorwerfe. Rechtlich gesehen hat die Regierung aber Hochverrat und einen Putsch gegen die eigene Bevölkerung begangen. Ich habe als Soldat und Offizier gelobt, das Land und das Volk – im Bedarfsfall mit meinem Leben – zu schützen. Ich habe das ernst genommen. Während der Corona-Pandemie müsste ich das Volk vor der Regierung schützen, die aber wiederum vom Volk gewählt wurde. So habe ich beschlossen, Fakten auf den Tisch zu legen und Handlungsempfehlungen abzugeben. Ich will kein Messias sein. Das Volk, jedes Individuum hat sich selbst zu schützen und Verantwortung zu übernehmen. Gelebte Individualität jedes Einzelnen ist wichtig. Zu tun, was aus dem Innersten kommt, nicht von außen aufgestülpt ist. Ich stehe gerne unterstützend zur Seite, aber nehme niemandem die Arbeit ab. Mein Buch mit über 600 Seiten beleuchtet Fakten und Analysen und gibt dem Leser die Informationen, die er braucht. Ob er sie verwendet, ist seine Sache.

 

Informationen gibt es aber auch in diversen Medien.

Die Mehrheit der Medien, die aber eigentlich die vierte Gewalt im Staat sind, versagen. Sie informieren nicht im ursprünglichen Sinne. Es sollte der Sachverhalt aufgezeigt werden, ohne zu werten, ohne Angst zu schüren oder zu manipulieren. Aus meiner Sicht wäre ein neues Medienrecht sinnvoll.

Wie handhabst du selbst deinen Widerstand?

Ich habe allgemein einen Weg hinter mir, der steinig war, aber ich bin ihn konsequent gegangen und werde damit nicht aufhören. Etwas ganz Wichtiges habe ich daraus gelernt: Geradlinigkeit ist nicht immer der leichteste Weg, aber letztlich der befreiende Weg. Mit meinem Buch hat der Leser die relevanten medizinischen und rechtlichen Fakten in der Hand. Die Entscheidung für oder gegen den Widerstand muss jeder selbst treffen. Falls man sich dafür entscheidet, sollte das unbedingt passiv und friedlich erfolgen. Es genügt, einfach nicht (mehr) mitzumachen. Im Angesicht der Angst vor den Konsequenzen intelligent für die Freiheit zu kämpfen ist das, was man gemeinhin „Mut“ nennt.

 

ZUR PERSON

Monika Donner war Offizier beim Österreichischen Bundesheer und arbeitet heute im Verteidigungsministerium ©monika donner

Monika Donner wurde 1971 in Linz als Junge geboren. 2009 wechselte sie das Geschlecht, erkämpfte die Aufhebung des OP-Zwangs für transsexuelle Menschen. Heute lebt sie als Frau und ist mit Jasmin Donner verheiratet. Sie war Offizier des österreichischen Bundesheeres und ist heute Ministerialrätin im österreichischen Verteidigungsministerium, Juristin, diplomierte Lebens- und Sozialberaterin, strategische Analytikerin und Leiterin der Akademie für strategische Bildung „Monithor“. Darüber hinaus ist sie als wissenschaftliche Leiterin des Instituts für freie Forschung und Förderung der Menschenrechte tätig.

 

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