19.02.2017 0 Kommentare

dieSteinbach: Drauflosmusizieren

dieSteinbach. Die Waidhofnerin Angelika Steinbach-Ditsch schlägt mit ihrer Band Brücken zwischen Tradition und Moderne – Dialekttext und Volksmusik treffen auf Popmusik, Jazz und mehr.

Musikalisch vielseitig: Angelika Steinbach-Ditsch Foto: mussil.eu

Musikalisch vielseitig: Angelika Steinbach-Ditsch
Foto: mussil.eu

Wann wurde dein Interesse für Volksmusik geweckt?
Das war ur spät. Ich habe zuerst ganz normal klassische Geige gespielt und war auch immer davon überzeugt, klassische Geigerin zu werden. Ich merkte aber, dass ich dafür einfach zu faul bin (lacht). Da musst du wirklich beinhart sein und wenn du keine acht Stunden am Tag übst, dann war es das. Genau in der Sinnkrise kam die Waidhofnerin Ruth Krammer und fragte mich, ob ich bei ihrem Volksmusikensemble Geige spielen möchte. Ich habe zwei Mal abgesagt, weil mir das mit dem Dirndl und irgendwo hinfahren und Jodeln nicht antun wollte. Das war gar nicht meins, irrsinnig uncool!
Als sie wieder mal meinten, dass sie fortfahren… Das war auch die Zeit, in der Wolfgang Sobotka mit dem Kammerorchester auf Reisen fuhr, was mir sehr gefallen hat, du spielst und darfst dafür gratis nach Teheran fliegen und so. Das Volksmusikensemble reiste zwar „nur“ nach Innsbruck zu einem Wettbewerb, aber ich dachte: „Ok, das passt auch. Wer weiß, was sich noch auftut.“ Darum habe ich die fünf Volksmusikstücke auswendig gelernt. Wir haben dann – für mich völlig überraschend – dort gewonnen. Die Leute waren total lieb und mir hat das sehr gefallen. Weg von dem Klischee Dirndl und „Hollaretuliö“. Dort waren Leute, die wirklich spielen konnten. Bis dahin dachte ich, dass die schlecht sind und darum Volksmusik spielen. Oder keinen gescheiten Text zusammenbringen und darum halt Traditionals singen. Die waren aber so befreit von allem. Sie sind dort gestanden, souverän, und haben gespielt. Da wusste ich: Das befreit mich. Ich kann mich hinstellen und einfach drauflosmusizieren.

Es wird also viel improvisiert?
In der klassischen Volksmusik gar nicht, die habe ich studiert, aber das ganze Gefüge war mir zu starr. Da gibt es die Texte, die Melodien und das wird seit 150 Jahren so gespielt und gesungen und dann kommt die Volksmusikpflege dazu und sagt: „Das gehört so.“ Oder: „Da fehlt die dritte Strophe.“ Oder: „Du hast jetzt Mensch statt Bua gesungen. Das geht nicht.“ Die Volksmusikpflege will das natürlich so. Den Kern, der erforscht wurde, will man einfach bewahren, was auch seine Berechtigung hat. Aber für mich war das zu eng. Darum habe ich begonnen, eigene Melodien, eigene Musik und Texte zu schreiben.

Deine erste Band war „Stoahoat und Bazwoach“.
Florian Weiß habe ich beim Studium kennengelernt, der war Gitarrist dort und sie wollten frisches Blut. Da war die Diskussion, ob überhaupt eine Frau in die Band soll. Ich glaube, das Burschikose und mein großes Mundwerk waren damals ausschlaggebend (lacht). Das war für mich die Lernphase schlechthin und ich habe damit mein Studium finanziert, jede Woche drei Mal gespielt. Ich habe die Kompositionstechniken aus dem Studium wirklich anwenden können und dann diese ganze Bühnengeschichte. Erst spielst du bei einem Vorspielabend oder irgendwo in einem Orchester, aber mit so einer Gruppe stehst du so richtig auf der Bühne, da siehst du das Publikum. Da sitzen 400 Leute und sehen erst einmal dich, die Frau an. Es wird beobachtet, wie du dich bewegst oder ob du schlecht drauf bist. Man muss lernen, damit umzugehen. Auch das Zwischenmenschliche, wenn du ständig mit ein- und derselben Band über Jahre unterwegs bist. Jedes Auf und Ab, weil du tagelang im Tourbus sitzt. Manchmal ist es schlimmer als in einer Ehe (lacht).
Vor allem die Bühnenperformance habe ich üben können. Ich konnte alles ausprobieren, weil wir zu viert dort oben standen. Du hast dich darauf verlassen können, dass da noch drei andere sind, wenn du mal auslässt.

Wovon lässt du dich inspirieren?
Von den Zwischenmenschlichkeiten, die so passieren, Reibereien. Ob man jemanden riechen kann oder nicht. Der tägliche Stress, der zu bewältigen ist, ist auch eine Inspirationsquelle, denn den hat jeder. Ob mit oder ohne Kind, mit Hausbauen oder ohne, auch mit dickem Auto und so. Das hat auch seinen Witz, das Ganze. Auf der einen Seite ist das Liederschreiben eine Art Selbsttherapie, damit du nicht komplett verzweifelst, wenn du mal wieder nicht weiterweißt. Dann merke ich, dass das sehr viele Leute betrifft, fast jeden. Aus dem ganz stinknormalen, langweiligen Leben entstehen die interessantesten Texte, wenn man nur genau hinschaut.

Und musikalisch?
Nun, da gibt es einen ziemlichen Wandel. Erst war es ja klassische Geige, dann reine Volksmusik, dann moderne Volksmusik und mit „dieSteinbach“ haben wir begonnen, Pop und Jazz einzubauen. Seit eineinhalb Jahren geht es, weil wir die Besetzung reduziert haben, weg vom Schlagzeug und der E-Gitarre hin zum Kammermusikalischen. Da sind wir jetzt.

Komponiert ihr auch gemeinsam?
Nein, das kann ich gar nicht. Keine Gruppengeschichten und basisdemokratische Entscheidungen, nein (lacht). Das schaffe ich nicht. Ich mache meine Stücke inklusive der Texte selbst. Es kann sein, wenn ich gut aufgelegt bin und ich weiß von einem Text, dass mir die Vertonung schwerer fällt als den anderen, dass ich den abgebe. Es kommt dann auch auf das Stück an. Jazz ist zum Beispiel bei Heinz (Ditsch) besser aufgehoben und ist es ein eher gitarrenlastiges Stück, dann ist Bernhard (Krinner) der Richtige. Ich behalte mir aber das Recht vor, am Ende zu sagen, wie ich es haben möchte (lacht) und was mir nicht so gefällt.

web | diesteinbach.at

interview | petra ortner

Rubrik:: Kultur

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