20.07.2014 0 Kommentare

„echt seerisch“: Berührende Botschaften mit den “Seern” im momag-Interview.

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Beim Interview mit Bandleader Fred Jaklitsch. Fotos: Jürgen Resch

Die Seer | Mit dem aktuellen Album „echt seerisch“ schafften sie zum siebenten Mal den Sprung von 0 auf Platz 1 der österreichischen Album-Charts. Die derzeit erfolgreichste österreichische Band gab im Juni ein grandioses Konzert in der Burgarena Reinsberg. Mit dabei waren die zwei „Star-Interview“-Gewinner aus dem momag Adventkalender-Gewinnspiel, Monika Helmel und ihr Partner Manuel Stadler. Aber nicht nur beim Konzert, auch beim Interview mit dem Bandleader, Komponisten, Texter, Gitarristen und Sänger Fred Jaklitsch und beim anschließenden Meet & Greet.

Die Seer gibt es seit 18 Jahren.

Das war im vorigen Jahrhundert. Damit erschrickt mich mein Sohn immer, aber es ist so. Irgendwann nach meiner Pop-Geschichte mit „Joy“ hatte ich das Gefühl, dass ich etwas Regionales, Österreichisches machen muss. Da habe ich alles hineingeworfen, was mir schon immer gefallen hat. Pop, Reggae,… – schön durchgerührt, mit ein paar Jodlern und ein paar volksmusikalischen Elementen. Am Beginn war es etwas zäh, aber „sture Hund“ wie wir sind… Irgendwann ging es bergauf.

Ihr seid die beständig erfolgreichste Band Österreichs. Was ist euer Geheimrezept?

Das ist etwas, was ich dir nicht sagen werde. Dann schreibst du das, und 500 Gruppen machen das Gleiche! (lacht) Nein, also wir sind sehr unverwechselbar, glaube ich. Alles sehr gegensätzlich. Ich stelle mich auf die Bühne und weiß: „Das Gefühl habe ich, das möchte ich euch jetzt musikalisch zeigen.“ Wenn es nicht authentisch ist, wenn es nicht von Herzen kommt, dann funktioniert so etwas nicht.

IMG_7448-webWas macht ein Lied zu einem Hit?

Wenn ich das wüsste, würde ich nur herumsitzen und Hits schreiben. (lacht) Es ist die direkte Verbindung, die die Leute spüren. So etwas ist nicht zu programmieren. Das weiß Gott sei Dank nicht einmal Herr Bohlen. Das ist das Spannende am Musik machen. Wenn du ganz verbissen auf einen Hit hinarbeitest, dann passiert er wahrscheinlich nicht. „Wilds Wossa“ ist zum Beispiel relativ schnell entstanden, zur Geburt meines Sohnes im vorigen Jahrhundert. Das ist mir passiert.

Wie gehst du das Schreiben deiner Songs an?

Ich muss eine Geschichte zu erzählen haben. Eine Botschaft, die die Menschen berührt. Ein Gefühl, das Teil des Lebens vieler anderer ist. Es ist mir wichtig, dass jeder Song ein Thema hat, das die Menschen kennen. Etwas, das viele schon einmal gedacht oder gespürt haben. Dann springt der Funke über. Mallorca und Ballermann ist mir zu wenig. Einmal saß ich neben einem Mädel, das gerade einen Freund anrief, der an diesem Tag geheiratet hat und ich dachte mir: „Das ist der Stoff, aus dem Lieder sind.“ Das habe ich natürlich schamlos ausgenutzt. (lacht)

Gibt es auf dem neuen Album ein Lieblingslied?

Das wäre schlimm. Alle 18 sind von mir und ich bin ein sturer Hund. Wenn ich jetzt sagen würde „Von den 18 Babies ist mir das Schwarzhaarige lieber…“ Nein, das darf man nicht. Aber ich bin etwas sentimental und Balladen gefallen mir schon sehr. So wie „Hallo Papa“ oder „Amerika neu entdecken“.

IMG_7500-webWas ist für dich „echt seerisch“?

Das Lebensgefühl, das Heimatgefühl. Dass wir seit 18 Jahren unterwegs sind, dass das Publikum so treu zu uns hält. Die Art der Musik, dass wir mit diesem Land verbunden sind und wir so singen, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Dass wir uns weder auf noch hinter der Bühne verstellen müssen, weil wir einfach so sind wie wir sind. Das alles ist „seerisch“. (lacht)


Euer Publikum ist vom Alter her sehr durchgemischt.

Ja, das ist extrem lässig. Da stehen Enkerl mit ihren Großeltern, Familien. Jeder hat sein Lieblingslied. Es kam letztens ein Punker-Pärchen zu uns. Da denkt man nie im Leben, dass die unsere Musik mögen. Mit einem Irokesen, Piercing und so. Trotzdem. Dann kommt wieder ein Professor, bei dem du denkst: „Der hat was weiß ich studiert und mag Die Seer trotzdem.“ Das fasziniert mich.

Worüber singen Die Seer nicht?

Was ich nicht so drauf habe, ist Sozialkritik. Auch so ein reines Liebeslied ist fad. Aber alles dazwischen geht gut. (lacht)

Was nervt beim Touren am meisten und was ist das Beste daran – abseits der Bühne?

Die Autofahrten sind manchmal zäh. Wenn man Rückenschmerzen bekommt und trotzdem noch sechs Stunden fahren muss. Das ist das einzige, das nervt. Die Auftritte und mit den Leuten zusammenkommen, liebe ich.

Gibt es für eine so erfolgreiche Band noch ein Ziel, das es unbedingt zu erreichen gilt?

Ich bin so froh, dass alles so stabil ist über so viele Jahre. Oft passiert es ja, dass man über Nacht bekannt wird und auch schnell wieder verschwunden ist. Es ist wirklich wunderbar, wenn man über viele Jahre sein Publikum hat und wirklich etwas entwickeln kann. Wenn es so bleibt, bin ich heilfroh. Vielleicht noch mal in Hamburg spielen oder irgendwo, wo uns kein Mensch versteht. Das ist auch nett. Aber eigentlich sind wir schon dort, wo wir hin wollten.

Eine Frage hätten jetzt noch deine Fans an dich.

Gut. Das Wort Fan mag ich zum Beispiel nicht. Es sind Leute, die unsere Musik gerne hören. Aber gut.

Monika Helmel: Wir waren schon öfter in Grundlsee. Ihr habt im vorigen Jahr, nachdem es zu regnen begann, gesagt…

Ich weiß, was ich gesagt habe! (lacht) Sag‘ nichts! Es geht nicht. Ich habe es gesagt, weil es mir so „zwider“ war. Ich stehe da oben und auf einmal kommt der Funkspruch: „Ihr müsst aufhören, der Hagel kommt.“ Ich wollte aber weiterspielen und dann konnte ich mich nicht zurückhalten und dann habe ich das gesagt.

Ähm. Jetzt würde mich auch noch dieser eine Satz interessieren?

(lacht) Wie spät war es? So halb Elf. Da kam die Meldung „Es kommt der Hagel und die Leute müssen sofort weg.“ Also haben wir aufgehört und ich habe gesagt: „Beim nächsten Mal spielen wir eine halbe Stunde länger.“ Aber es geht nicht. Weil diesmal alles noch viel „getimter“ ist als normal. Spätestens um halb 12 ist Schluss, die Leute müssen ja auch heimreisen. Vielleicht kann man das ja auf die Jahre aufteilen. Immer ein wenig mehr, dann kommt man auch irgendwann auf die halbe Stunde.

Manuel Stadler: Was ist der ungewöhnlichste Ort zum Schreiben von Liedtexten? In der Badewanne oder im Garten?

Ganz ungewöhnlich wäre beim Sex. Denn da bist du dann nicht bei der Sache. Aber lassen wir das. (lacht)

interview | petra ortner

web | www.dieseer.at
www.facebook.com/dieSeer

Rubrik:: Kultur

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