02.09.2014 0 Kommentare

Eine 80m²-Wand, 1 Künstler, 127 Spraydosen: Scheibbser Graffiti-Großprojekt hat begonnen.

Scheibbs | Was in Großstädten wie Wien längst gang und gäbe ist, hält nun auch in ländlichen Gegenden Einzug: legale Graffiti-Kunst. Scheibbs hat den Anfang gemacht. Erstmals wird eine größere Wand im Stadtzentrum bemalt. Ein Graffiti-Spaziergang durch die Stadt soll als Ergänzung zu den Austellungsbesuchen im Zuge der Landesaustellung 2015 vor allem auch jüngeres Publikum anziehen.

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Philipp Netolitzky und der serbische Künstler Vunik in Scheibbs. Fotos: Ressl

Die Gartenmauer ihres Hauses in der Scheibbser Flecknertorgasse sollte restauriert werden. Was Philipp Netolitzky von seiner Tante erfuhr, brachte ihn auf den Plan. Der Jungunternehmer betreibt ein Label für Streetwear, Accessoires und zeitgenössische Kunst. Auch als Vermittler von Künstlern und Videoproduzent ist er österreichweit tätig. “iOnArt” versteht sich als Plattform für Künstler und als Agentur, die, wie der Name verrät, ein Auge auf Kunst richtet. “Have an eye on art” – lautet der Slogan des Start-Ups. iOnArt-Gründer Philipp Netolitzky vermittelt Künstler an verschiedene Events, Privatpersonen und Firmen.

Ein Auge für Kunst zu haben, wünscht sich der Scheibbser auch am Land. Kunst sollte in der Gesellschaft mehr etabliert werden. Was in Großstädten wie Wien bereits gang und gäbe ist, versucht er nun in ländliche Gegenden zu transportieren. “Graffiti und Streetart gewinnen weltweit immer mehr an Bedeutung. Diese Art von Kunst ist vor allem bei jungen Leuten sehr angesagt”, erzählt Netolitzky. “In Städten wie Wien und Linz werden große öffentliche Flächen zur Verfügung gestellt, um diese künsterisch zu gestalten. Diese Plätze ermöglichen es Graffiti-Künstlern ihrer Leidenschaft legal nachzugehen und stellen eine kulturelle Bereicherung dar. Viele Unternehmen lassen ihre Firmengebäude und Hallen bereits bewusst von Sprayern bemalen, auch um illegale Bemalungen zu vermeiden.”

Eine 80m²-Wand soll neu gestaltet werden

Netolitzky verfügt über ein breites Netzwerk an Künstlern und Partnern. Es lag auf der Hand, dass er die Wand rund um den Garten seiner Tante von einem Graffiti-Künstler gestalten lassen wollte. Die Familie gab bald ihre Zustimmung. Da das Haus in der Zone 1 liegt, somit denkmalgeschützt ist und zudem das Gesamtbild der Stadt mit berücksichtigt werden muss, folgten zunächst einige Behördenwege, der Besuch beim Denkmalamt, beim Bauamt und den Gemeinderatssitzungen, bei denen die Idee größtenteils auf positive Resonanz gestoßen ist. Das Projekt wurde genehmigt. Der Kunstvermittler organisierte ein Sponsoring der deutschen Spraydosenfirma “molotov” und erstellte mit dem serbischen Künstler Vunik erste Entwürfe. Seit einigen Tagen wird nun an der 80m²-Wand gearbeitet.

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Die Gartenmauer, die in Scheibbs derzeit bemalt wird, ist etwa 80m² groß.

Graffiti-Spaziergang als alternative Ergänzung zur Landesausstellung

iOnArt hat noch viel vor in Scheibbs. Geplant ist ein Freiluftgalerie, eine Graffitiwand, an der Kinder und Jugendliche ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Im Zuge der niederösterreichischen Landesausstellung 2015 in Neubruck bei Scheibbs, sollen mehrere Flächen bemalt werden. Ein Online-Guide soll den Prozess der Gestaltung der Wände begleiten und laufende Infos zum Projekt liefern. Dabei ist auch der Proberaum Scheibbs und die “come on”-Landesförderung mit involviert.

Für die Stadt Scheibbs bietet sich aus Anlass der Landesausstellung 2015 eine gute Gelegenheit, Kunst für junge Menschen darzubieten. Besonders für Besucher mit Kindern im jugendlichen Alter, die oft schwer für Ausstellungsbesuche zu begeistern sind, ist ein Graffiti-Spaziergang eine attraktive Ergänzung zu einer Besichtigung der Landesausstellung. Den Anfang der ersten Scheibbser Graffiti Wand in der Flecknertorgasse 2 macht der serbische Künstler Vunik, der zur Zeit in Wien lebt und studiert. Neben seinem Studium an der Universität für Angewandte Kunst gestaltete er in Zusammenarbeit mit iOnArt bereits breitflächige Wände bei Veranstaltungen wie der “Red Bull-Bubbledays – Wake of Steel” in Linz, einen Container am neuen WU-Campus in Wien und die Fassade des bekannten Wiener Szenestandorts “Strandbar Hermann” bei der Urania, wo man bis heute seine Wandgemälde betrachten kann.

Scheibbs gewinnt an Anziehungskraft

Das aktuelle Projekt soll auch einen Beitrag dazu leisten, dass Scheibbs gerade von jungen Menschen zunehmend als eine junge, dynamische Stadt wahrgenommen wird. Zusammen mit anderen Projekten, kann Scheibbs damit an Anziehungskraft für junge, kreative Menschen gewinnen. Begleitend zu der künstlerischen Gestaltung der Mauer, wird Jugendlichen die Möglichkeit geboten, sich im Rahmen eines zweiteiligen Workshops näher mit Architektur, Street Art, Kunst im öffentlichen Raum bzw. Graffiti auseinanderzusetzen.

Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition

Die Architektur historischer Stadtkerne steht erfahrungsgemäß im Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition. Grundsätzlich gilt es, das ursprüngliche Stadtbild als Ausdruck der eigenen kommunalen Identität zu bewahren. Auf der anderen Seite sind gesellschaftliche Strukturen in ständigem Wandel begriffen. Dieser Wandel kann, ähnlich einem biologischen Organismus, als Prozess der ständigen Erneuerung verstanden werden. Altes bleibt hierbei zwar erhalten. Dennoch gibt es innerhalb dieses Prozesses die Möglichkeit der Weiterentwicklung. In der Kultur ist die Erneuerung auch als Ausdruck der Jugendlichkeit zu verstehen und Architektur ist wahrscheinlich der unmittelbarste Ausdruck dessen. Das Graffiti-Projekt in Scheibbs ist eine ästhetische Intervention, die ein Spannungsfeld zwischen historischer Architektur und jugendlichem Ausdruck erzeugen soll.

Info | www.ionart.at, ionart.wordpress.com
instagram.com/1vunik

Rubrik:: Kultur

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