13.11.2014 0 Kommentare

“Eine sehr persönliche Sache” – Dobrek Bistro im momag-Interview.

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Instrumentalmusik ist für Krzysztof Dobrek eine sehr persönliche Sache: “Das hörst du etwas anderes als der neben dir.” Fotos: Jürgen Resch

Dobrek Bistro. Mit seinem Quartett hat der aus Polen stammende und seit vielen Jahren in Wien lebende Krzysztof Dobrek im Frühjahr 2014 „Bistro III“ veröffentlicht und einmal mehr bewiesen, dass Perfektionismus gut mit unbändiger Spielfreude und Virtuosität harmoniert. Das momag fragte unter anderem, warum Dobrek Bistro keine Musikvideos produziert.

Es hat sieben Jahre gedauert bis zum Album „Bistro III“. Warum?

Wir haben mit verschiedenen Leuten experimentiert, aber erst 2013 hatte ich dann einen Plan. Da wusste ich, wer dabei sein wird. Sieben Jahre klingt nach viel Zeit, aber es gab halt viel zu tun. Mit Preinfalk und Loibner haben wir 2012 auf einem Festival gespielt. Den Thomas Gansch haben wir uns einmal eingeladen. Und mit den Gastmusikern zusammenzuarbeiten ist nicht so einfach, da von denen eigentlich nie einer zu Hause ist. Die sind alle immer ausgebucht. Gansch ist da eine besondere Ausnahme, denn er spielt mit so vielen eigenen Projekten, der ist wirklich nur unterwegs. Auf jeden Fall haben wir Gäste auf der CD, die alle ganz großartig sind. Darauf bin ich auch stolz, denn so viele großartige Leute für eine Produktion zu versammeln, ist nicht einfach. Wir haben acht Lieder und acht Gäste. Die gemeinsam spielen, auch wenn sie sich nicht trafen im Studio. So entstehen Verbindungen, die es normalerweise nicht gibt und noch nicht in der Form gab. Wahrscheinlich wird die CD live so gar nicht funktionieren.

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Petra Ortner traf Dobrek Bistro.

Wovon lässt du dich inspirieren?

Früher mussten die Leute reisen, damit sie etwas erleben konnten, um dann darüber etwas schreiben zu können. Jetzt kannst du das eigentlich alles zu Hause machen. Man muss nur schauen, wie sich das Internet entwickelt hat. Vor einigen Jahren musste man noch suchen, jetzt denkt man sich: „Was gibt es hier noch nicht?“ (lacht)

Ja, was gibt es noch nicht?

Im Grunde ist schon fast alles da. Über brasilianische Musik beispielsweise kannst du sehr viel erfahren. Wenn du aber etwas über argentinische Musik wissen willst, findest du sehr wenig. Noch extremer wird es bei afrikanischen Ländern, wo es nur ganz beschränkten Zugang zum Internet gibt. Ich war 2008 in Buenos Aires und dort gab es ein CD-Geschäft nach dem anderen. Dort war das Internet einfach nicht so vorhanden. Ein Gefühl als wärst du in einer anderen Epoche.

Du hast ein eigenes Label – „Dobrecords“.

Das habe ich seit 2004. Ich bin ein Mensch, der nichts gerne aus der Hand gibt. Denn was machen die großen Plattenfirmen? Einmal eine Produktion und das war’s, und das meist im Pop-Bereich und du bekommst gleich den Stempel vom Label. Darum gehen wir zwar zu einem Vertrieb, aber schon mit eigenem Label.

Es gibt keine Musikvideos, nur Live-Videos von Dobrek Bistro. Warum?

Bei Musik mit Gesang macht man ein Video, das zeigt, worüber gesungen wird. Bei Instrumental-Musik stellt sich die Frage: „Was zeige ich?“ Die Musiker, wie sie spielen? Wenn ich etwas anderes zeige, dann erkläre ich die Musik mit den Bildern. Ich zeige Wolken und einen Fluss, erzähle sofort eine Geschichte zu dieser Instrumental-Musik. Das heißt, ich nehme dem Zuhörer etwas weg. Denn vielleicht hat er zu der Musik eine ganz andere Geschichte im Kopf. Instrumentalmusik ist eine sehr persönliche Sache, da hörst du etwas anderes als der neben dir. Das ist etwas Abstraktes.

Eure Ansagen zu den Liedern, werden die einstudiert?

Da arbeiten Aliosha und ich dran, wie bei den Liedern. Natürlich nicht Wort für Wort, aber wir arbeiten schon aus, was wir erzählen wollen. Was erzählt man vorher, was nachher, wohin wollen wir? Das wird schon auch geprobt.

Was ist das Schlimmste, das euch auf Tour passiert ist? Schon mal Instrumente verloren? Oder ein schreckliches Hotelzimmer?

Ein Hotelzimmer, das nicht so toll ist, kommt schon mal vor. Aber man betrachtet so etwas anders. Denn wenn du auf Tour bist und um ein Uhr nachts ins Hotelzimmer kommst und um Sieben wieder weg musst, dann ist das Zimmer ziemlich egal. Du schläfst ja nur einmal dort. Und wenn es ganz schlimm ist, dann drehst du einfach das Licht nicht auf. (lacht)

interview | petra ortner
web | www.dobrek-bistro.com

Rubrik:: Kultur

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