04.02.2015 0 Kommentare

Eintopf für die Ohren: Songwriter und Bandleader Raphael Wressnig im Interview.

10936723_10205864523522245_1360600647_o

Foto: Wolfgang M. Bauer

Raphael Wressnig. Der Songwriter und Bandleader ist der Inbegriff des modernen Hammond-Organisten. Seine Mischung aus Funk, Jazz, Soul und Blues ist eigenständig und explosiv und hat ihm unter anderem eine Nominierung für den weltweit wichtigsten Jazzpreis als „Best Organ Player 2013“ der US-amerikanischen Zeitschrift „DownBeat“ eingebracht. Sein Album „Soul Gumbo“ hat er in New Orleans produziert, mit Südstaatenlegenden wie Tad Robinson, George Porter jr. oder Jon Cleary. Das momag traf Raphael Wressnig vor seinem Auftritt im Wiener Radiokulturhaus.

Wie bist du auf die Hammond-Orgel gekommen?

Ich begann mit Klavier, hatte bald schon meine ersten Bands und bemerkte, dass die Musik, die mir gefällt – also Rhythm&Blues, Blues, Soul, Jazz, Funk – immer wieder sehr coole Tasteninstrumente dabei hat. Man experimentiert herum und findet ein paar Tasteninstrumente, die richtig gut für diese Art Musik passen. Akustisches Klavier, Fender Rhodes, Wurlitzer Piano und die Hammond Orgel. Zuerst probiert man mal ein Keyboard aus, später versucht man dann vielleicht ein orgelspezifisches Keyboard. Ich habe so realisiert, dass mir das am meisten gefällt und so musste schließlich das echte Möbel her. Diese Entwicklung ging relativ schnell bei mir. Meine Musik kann man mit einer Gitarre zum Beispiel ziemlich kräftig, feurig und explosiv spielen. Das ist mir am Klavier immer schwer gefallen. Wenn man auf einem Klavier Blues explosiv spielen will, endet man immer beim selben Schema. Viel mehr Power kann man dann nicht mehr reingeben. Die Ausdrucksmöglichkeit, Dynamik und Explosivität ist bei einer Orgel wesentlich besser. Das fasziniert und fesselt mich an meinem Instrument so.

Was genau ist ein Wurlitzer Piano?

So ein legendäres Analog-Piano. Da sind Ton-Zungen drin, wo ein Hämmerchen anschlägt, wie bei einem Klavier. Ray Charles zum Beispiel hat das Wurlitzer Piano gespielt. Bei „Breakfast in America“ von Supertramp hört man es auch.

Du spielst Blues, Jazz, Soul, Funk. Welche Platten waren die ersten in diesen Sparten, die du gehört hast?

Das war die Zeit von „MTV Unplugged“. Da waren gerade Nirvana ganz groß. Das war etwas Rotziges, Freches, Kräftiges, das hat mir imponiert. Jetzt bin ich überhaupt kein Eric Clapton-Fan mehr, aber diese Unplugged-Konzerte, wo die Musik wirklich im Vordergrund war, waren großartig und die Jungs haben ihre Songs auch anders gespielt als auf Platte. Da passierte was. Dann kamen für mich bald Buddy Guy oder Muddy Waters. Also richtiger Blues. Irgendwann ein Maceo Parker-Konzert oder Dr. John. Und ich habe jetzt selbst in New Orleans in dem Studio aufgenommen, in dem diese Leute gespielt haben.

Foto: Wolfgang M. Bauer

Foto: Wolfgang M. Bauer

Wie hat sich diese Möglichkeit ergeben?

Mit 20 habe ich mit Larry Garner und seiner Band gespielt, die kommen alle aus Louisiana. Larry ist in New Orleans geboren und ich hab mit denen über Jahre gespielt. Wir reisten um die ganze Welt. Ich war auch bei ihnen in Louisiana. Ich war immer öfter dort und habe viele Musiker aus Louisiana und New Orleans kennengelernt. New Orleans als Musikstadt hat mich immer schon fasziniert. Wenn in New Orleans jemand Jazz spielt ist es in einer gewissen Weise auch funky. Darum auch der Titel meines Albums, „Soul Gumbo“. Gumbo ist ein Eintopf mit einer Menge Zutaten. Genau so sehe ich das bei meiner Musik. Dass man diesen Mix abschmeckt, würzt mit Musikern von dort, die diese Authentizität bringen und das Ganze dann feurig serviert.

Wie hast du die Gast-Musiker gefunden?

Ich habe Alex Schulz gefragt, der schon bei einigen Platten von mir mitgespielt hat. Seine Mutter kommt aus New Orleans. Er hat schon bei ein paar legendären Platten mitgespielt und einer seiner Songs wurde auch von Jimi Hendrix gecovert. Dann habe ich Craig Handy, mit dem ich auch schon viel gemacht habe, gefragt. Er gehört zu den Top-Fünf-Saxophonisten und davon findet man in New Orleans auch höchstens ein, zwei Leute, die in dieser Liga spielen. Und da diese Stadt die Stadt der Drummer ist, war für mich auch klar, dass der Schlagzeuger von dort kommen muss. Die haben einen speziellen Spirit. Der Schlagzeuger Stanton Moore ist ein Aushängeschild. Ihn habe ich einmal in Memphis bei den „Blues Music Awards“ getroffen. Für die Platte wollte ich auch mal Vokal-Gäste, etwas Abwechslung, ein wenig die Musik von New Orleans nachzeichnen. Dafür habe ich zum Beispiel Walter „Wolfman“ Washington als Gast dazugeholt. Um die Piano-Tradition von New Orleans aufzuzeigen habe ich Jon Cleary, für mich der legitime Nachfolger von Dr. John. Larry Garner, der zwanzig Jahre lang mein Mentor war, habe ich auch als Vokal-Gast mit ins Boot geholt.

Wenn man mit so vielen Top-Musikern zusammenarbeitet, nimmt man ja auch für sich selbst viel mit. Welcher war der wichtigste „Lehrmeister“?

Genau das war irrsinnig wichtig für meine Laufbahn. So habe ich gelernt. Aber einen bestimmten Musiker zu nennen, ist schwer. Die erste Band, mit der ich gespielt habe, war Oliver Mally’s Blues Distillery. Dieses Umfeld war der Nährboden. Eine gute Band, mit der ich international gespielt habe. Sie hat mir das geboten, was ich gebraucht habe, um mich zu entwickeln. Relativ bald danach war ich mit Larry Garner auf Tour. Er hat mir auch schon mal in den Hintern getreten und mein Talent gefördert. Es gab noch einige weitere Musiker, im Grunde lernt man von jedem und immer etwas dazu.

Du tourst sehr viel um die ganze Welt. Wo fühlst du dich besonders wohl?

Foto: Wolfgang M. Bauer

Foto: Wolfgang M. Bauer

New Orleans ist definitiv einer dieser Plätze. Wien mag ich auch sehr. Budapest ist großartig, Spanien ist cool. Mir gefallen Orte, wo die Leute etwas Ungehobeltes, Rohes haben. Wir sind eine kräftige, druckvolle Band und bei Konzerten in der Schweiz zum Beispiel, wo eher die „Musikliebhaber“ sind, wollen die Leute die Musik „portiönchenweise“, kleine Happen und alles soll nett sein, nicht zu ungehobelt. Die sagen dann: „Ihr seid großartig, tolle Musik, aber ein wenig zu laut.“ (lacht) Mir gefallen Plätze, wo man auch mal laut sein darf. Wir haben irrsinnig coole und treue Fans in Serbien und wenn wir dort loslegen, gibt es einen echten Ausbruch. Da fühle ich mich sehr wohl, denn die Leute geben einem die Power auch wieder zurück. Ein Konzert in Belgrad ist für mich und meine Band das Beste.

Du hast schon einige Auszeichnungen erhalten und wurdest 2013 für den „DownBeat Critics Poll“ nominiert. Wie wichtig ist dir das?

Man freut sich darüber. Es ist eine nette Bestätigung, aber eigentlich nicht besonders wichtig.

Was ist dein großes Ziel für 2015? Musikalisch.

Ich kann dir das nicht beantworten, ich habe nie konkrete große Ziele. Für mich zählt die Situation. Es stehen schon viele tolle Sachen auf dem Plan, aber ich habe nicht dieses „Ich möchte im Wembley Stadium spielen oder in der Royal Albert Hall“. Ich weiß, dass das nicht sehr realistisch ist. Wenn es irgendwann mal passiert, ist das natürlich cool.    £

 

interview | petra ortner

web | www.raphaelwressnig.com

CD-Tipp | Raphael Wressnig – „Soul Gumbo“ – Pepper Cake/ZYX Music

termine | 12.3.: Auerhahn, Linz

21.4.: Reigen, Wien

13.5.: Altes Kino, St.Florian

 

Rubrik:: Kultur

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.