momag 307 | winter 2012/13
46
| mostviertel magazin
kultur
kunst
kulturnotizen
Kulturjournalismus
in der Krise?
robert voglhuber |
Biberbach
Kulturkritiker,
info |
Das Weißbuch Kulturjournalismus
ist Löcker Verlag erchienen, Wien, 2012
ISBN 978-3-85409-593-4
I
m Presseclub Concordia in Wien disku-
tierten kürzlich hochkarätige Journa-
listen über die Zukunft des Kulturjour-
nalismus. Mit von der Partie: Vohu vom
momag. Die Podiumsdiskussion fand an-
lässlich des Erscheinens des „Weißbuch
Kulturjournalismus“ statt. Es diskutierten
u.a.: Frido Hütter (Kleine Zeitung), Kul-
turwissenschafterin Corinna Lüthje (Uni-
versität Hamburg) und Kulturpromotor
und Agentureigentümer Wolfgang Lam-
precht, der sein über 700-seitiges „Weiß-
buch Kulturjournalismus“ im Löcker Ver-
lag veröffentlicht hat. Darin stellt er fest,
dass der abnehmende Medienraum durch
zunehmende Digitalisierung zu einer Ver-
lagerung in das Internet abseits des klas-
sischen Journalismus führt.
Und was allgemein das Kulturangebot
der Medien betrifft – ob print oder digi-
tal – scheint es im Widerspruch zum Le-
serinteresse zu stehen. Diesen Umstand
belegen Reader Scan-Zahlen: Lediglich
acht Prozent der Leser konsumieren re-
gelmäßig Kulturseiten in klassischen Me-
dien, wo sie im Gegensatz zu digitalen
Angeboten und Special Interest-Medi-
en ein vergleichsweise enges Angebot
im Bereich der Hochkultur vorfinden.
Natürlich ist das Kulturressort traditio-
nell eine elitäre Nische und gewollte Ab-
grenzung. Kulturjournalist Hütter spricht
von „News you can use“. Für ihn ist die
Verbindung von Information und Service
ein Muss im Journalismus. Wann und wo
was stattfindet sei genauso wichtig wie
jede intellektuelle Reflexion über eine
Kulturveranstaltung. Dann kommt man
schon auf 25% Leser.
Über Lady Gaga zu schreiben sei min-
destens so wichtig wie übers Burgthe-
ater. Die Kulturberichterstattung dürfe
nicht in Schönheit verhungern, bringt
es Hütter auf den Punkt. Vorbild dazu
liefert Armin Wolf mit seiner crossmedi-
alen Glaubwürdigkeit im News-Segment.
(
Armin Wolf-Prinzip). Alles was er bringt,
wirkt gleich wichtig.
Der klassische Kulturjournalismus steckt
in der Krise. Kulturseiten mutieren zu Life-
style-, Leserservice- und PR-Plätzen. Und
dennoch gab es noch nie so viel Kunst-
markt, so viel Berichterstattung über
kulturelle Veranstaltungen, oder junge
Menschen, die den Beruf des Kunstkri-
tikers anstreben. Das Internet ist medi-
aler Mitbewerber.
St.Pölten.
Der Maler
Leopold Kupelwieser
im Landesmuseum
Leopold Kupelwieser (1796 bis 1862)
Zu ihnen stieß auf seiner Italienreise 1824 der
junge Leopold Kupelwieser. 1796 im nieder­
österreichischen Piesting geboren, übersie-
delte die Familie 1799 nach Wien, wo er in die
Akademie aufgenommen wurde. In Wien zähl-
te er bald zum engsten Freundeskreis Franz
Schuberts und seines Malerkollegen Moritz v.
von fritz haselsteiner
I
talien ist seit der Wiederentdeckung der Kunst
der Antike durch Johann Joachim Winckel-
mann („Edle Einfalt, stille Größe“) das Traum-
land für alle Künstler nördlich der Alpen, be-
sonders der Deutschen, geblieben. Die Male-
rin Angelika Kaufmann, besonders aber Jo-
hann Wolfgang Goethe („Kennst du das Land,
wo die Zitronen blühen“), sind die besten Bei-
spiele dafür.
Die Nazarener
Nach den Wirren der Napoleonischen Kriege
und der Wiedererrichtung des Absolutismus
auf dem Wiener Kongress (1815) bildete sich in
Rom eine deutsche Künstlerkolonie, die viel-
leicht wegen ihrer Haartracht, eher aber we-
gen ihrer Vorliebe für religiöse Bildmotive als
Nazarener“ verspottet bzw. bezeichnet wur-
den. Ihnen ging es um eine Erneuerung der
Kunst im Geiste des Christentums. Die Verei-
nigung klassischer Schönheit, deutscher Innig-
keit und eines wahren Christentums sollte zu
einer neuen Renaissance führen. Ein ernster,
verinnerlichter Gesichtsausdruck der Figuren,
wallende Gewänder und pastellige, warme
Farbtöne sind auffallende Merkmale dieser
religiös romantischen Kunst.
Leopold Kupelwieser,
Selbstportrait
helmut lackinger
Messina, 1824