momag 307 | winter 2012/13
54
| mostviertel magazin
kabarett-splitter
Lachen bis der
Arzt kommt
R
echtzeitig vor Weihnachten bringt
der Verlag Hoanzl die fünfte Staf-
fel der „Best of Kabarett“-Edition mit 16
neuen DVDs heraus. Somit gibt es nun
insgesamt 116 kabarettistische Lecker-
bissen der letzten Jahrzehnte, die auch
ein Stück österreichischer Zeitgeschich-
te widerspiegeln. Diesmal wurden nicht
nur Bühnenhighlights der arrivierten
Stars und besten Newcomer auf Silber-
ling gepresst, sondern auch komödian-
tische Sternstunden des Fernsehens, wie
z.B: Folge Eins bis Fünf von „Die 4 Da“ mit
Rupert Henning, Thomas Maurer, Flori-
an Scheuba und Erwin Steinhauer; die
Trash-Comedy „Little Britain“; ein Mit-
schnitt aus dem TV-Theater 1982 mit den
Publikumslieblingen Ossy Kolmann und
Elfriede Ott in „Die Perle Anna“.
Aber auch aktuellere Programme wie
Thomas Stipsits „Bauernschach – ein
Winterthriller“ oder „Träum weiter“ von
Weinzettl & Rudle dürfen ebenso wenig
fehlen wie grandiose Erfolgsprogramme
wie „Hader spielt Hader“ vom gleichna-
migen Josef oder Roland Düringers Sen-
sationssolo „Die Viertelliterklasse – 250
ccm“, für die Nachwelt konserviert.
Wenn es rund um das große Fest ein
bisserl ruhiger wird, kann man sich die
besten Humoristen und Wuchteldru-
cker der Nation zu sich nach Hause ho-
len und dabei auch noch die restlichen
Weihnachtskekse verzehren.
didi rath |
Amstetten,
Didi ist ausgewiesener Showman, Kabarett-Liebhaber
und Chefredakteur der Internet-Plattform mostropolis.at
Du willst gewinnen?
Schreib unter Betreff: Barth
| Fax: 07442 52650-50 | per Post: momag,
PF 29, 3340 Waidhofen/Y. Bitte Anschrift & Tel.-Nr. angeben!
Der deutsche Comedy-Star ist
am 6.4. in der Wiener Stadthalle
zu Gast mit seinem neuen Pro-
gramm „Männer sind schuld,
sagen die Frauen“.
Wir verlosen 3x2 Karten:
für Mario Barth
josef fischnaller
kultur
interview
War es ihr Kindheitstraum, Songwriter,
Musiker, Kabarettist oder Autor zu werden?
Nein, als ganz kleines Kindwollte ich „Old Shatter-
hand“ werden und später, so blöd das jetzt klingt,
wollte ich Geschichtsprofessor werden (lacht).
Aber das hat sich dann alles zerschlagen.
Kommen Sie aus einer Familie, in
der Kunst ein Thema war?
Nicht wirklich. Mein Vater war Berufsschul-
lehrer. Meine Mutter allerdings war sehr mu-
sikalisch, hat sehr gut Klavier gespielt und
hat gelegentlich auch beim Heurigen ge-
sungen. Mein Vater hat, soweit ich mich er-
innern kann und es die Leute sagen, einen
sehr guten „Schmäh“ gehabt, wie man so
schön sagt. Aber dass ich aus einer großar-
tig musikalischen Familie komme, kann man
nicht sagen. Und ich bin auch nicht großar-
tig musikalisch.
1971
hatten Sie ihren ersten großen
Erfolg mit dem Lied „Da Hofa“, das Sie für
Wolfgang Ambros geschrieben haben.
Ja! Aber ich muss sagen, ich bin weniger Mu-
siker, sondern eher Autor.
Hat es nach dem Erfolg mit dem „Hofa“
so was wie Erfolgsdruck gegeben?
Nein, erst später vielleicht ein bisschen. Ich
habe immer dieses Gefühl von Erfolgsdruck
zu vermeiden versucht, weil man unter Er-
folgsdruck nicht wirklich gut schreibt.
Sie waren auch Werbetexter. Wie
sind sie dazu gekommen?
Damals, nachdem der „Fäustling“ gemacht war,
hat es geheißen, es wird eine große Österrei-
ch-Tournee geben. Ich lebte damals in Wien
in einer sehr kleinen Wohnung, mit Wasser
und Klo am Gang. Da habe ich mir das Wasser
einleiten lassen vom Gang in die Wohnung,
was damals ein Schweinegeld gekostet hat,
jedenfalls für meine damaligen Verhältnisse.
Dann wurde die „Fäustling“-Tournee abge-
sagt bzw. kam nicht zustande. Jetzt bin ich
dagestanden ohne Geld und musste mich
daher in die Niederungen der Propaganda
begeben. So habe ich dann, notgedrungen,
werbegetextet. Das dauerte dann fast neun
Jahre lang.
Und wie sind Sie schließlich
zum Kabarett gekommen?
Auch durch eine Fügung. Das habe ich auch
nicht herbeigeführt. Ich bin überhaupt keiner,
der irgendetwas anstrebt oder irgendwo hin-
arbeitet oder ein Ziel hat. Es gab damals im
Radio eine Sendung von Hans Peter Heinzl,
ein toller Kabarettist, und die hieß: „Was gibt
es Altes?“ Und als Hans Peter Heinzl, den ich
sehr gut kannte, später gestorben ist, hat man
mir diesen Sendeplatz angeboten. Ich frage,
was ich machen soll und so und da habe ich
den „Herrn Rädel“, der dann jahrelang auf
dem Sender gelaufen ist, erfunden. Der Al-
fons Rädel. Und so bin ich quasi quereinge-
stiegen in die ganze Kabarett-Geschichte da.
Wie entsteht bei Ihnen ein
Kabarett-Programm?
Ich habe eine Grundidee, wie zum Beispiel
beim jetzigen, noch aktuellen Programm, das
Übrigens! Aber das nur nebenbei“ heißt, wo
ich den Leuten einfach sagen möchte: „Das
Leben ist sinnlos.“ Und um diesen Grundge-
danken herum baut man dann ein Programm.
Mit verschiedenen Beispielen, mit Episoden,
mit Geschichten, die damit gar nichts zu tun
haben und so entsteht dann schließlich das
Programm. Das ist immer ein Moment der In-
spiration und den zu erklären, das geht nicht.
Old Shatterhand
des Austropop
Joesi Prokopetz.
Er ist ein Multitalent, hat einige der größten
Austropop-Hits wie „Da Hofa“ geschrieben, steht mit zahlreichen
erfolgreichen Kabarett-Programmen auf der Bühne, hat heuer ein
Buch veröffentlicht (Seite 58) und arbeitet bereits an einem ganz
neuen Programm, das im März 2013 Premiere feiert.
Joesi im momag-Gespräch über sein Leben und seine Arbeit.