momag 352 | JUNI 2017

 theater Bisher standen Sie als Schauspieler auf der Bühne. Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe als Intendant des Theatersommers? Das Schöne daran ist, dass man verschiedene Künstler zusammenbringen und ge- meinsam ein Kunstwerk er- schaffen kann. Es ist schön, dass ich mir diese Künstler aussuchen darf und ich der Gründer eines Kunstwerks bin. Das macht aber nicht nur Spaß, es ist auch eine große Verantwortung. Es geht um viel Geld, auch Steuergeld, da muss schon etwas Geschei- tes dabei rauskommen. Man darf sich aber selbst nicht zu sehr unter Druck setzen, sonst verliert man den Spaß. Wie ist Ihr Ensemble entstanden und ist jeder mit dabei, den Sie gerne gehabt hätten? Wenn sie Zeit und keinen Filmdreh haben, dann sind die Schauspieler in der Re- gel dabei. Es arbeitet aber niemand mit, weil er den Job braucht. Wir haben uns schon besondere Künstler ausgesucht. Dass ich Don Quijote spiele, war ohnehin klar, für die anderen Rollen haben wir uns beratschlagt. Das erste und letzte Wort hat in dem Punkt die Regisseu- rin Stephanie Mohr. Mit „Don Quijote“ wird ein Klassiker neu interpretiert, warum dieses Stück? Don Quijote ist ein Charakter, der mich schon immer inte- ressiert hat, weil er ein Au- ßenseiter ist. Es interessiert mich, wie eine Umgebung auf jemanden reagiert, der »Wir sehen diesen Don Quijote nicht auf historische Weise, sondern haben ein neues Stück schreiben lassen.« theatersommer | „Don Quijote“ 5.7.–12.8.2017 Urauf führung von Nicolaus Hagg, nach Miguel de Cervantes Regie: Stephanie Mohr rahmenprogramm | 9.7.: Philharmonic Rock Orchestra 16.7.: „ Diva in Frack“, mit Ursula Strauss 23.7.: Fritz Karl und Tango de Salón 30.7.: Adi Hirschal info | Theatersommer Haag 07434 44600 reservierung@theatersommer.at www.theatersommer.at glaube an kraft sandra zahnt ingo per tramer fritz haselsteiner | Waidhofen/Ybbs Kulturkritiker, fritz@momag.at Z wei sehenswerte Ausstellungen im Mostviertel – auf der Schallaburg und in Waidhofen/Ybbs – erinnern an ein Ereignis, das vor genau 500 Jah- ren Europa grundlegend verändert hat: Martin Luther veröffentlichte am 31. Oktober 1517 im sächsischen Wittenberg seine 95 Thesen zu ei- ner Reform der katholischen Kirche. Das Scheitern sämtlicher Vermitt- lungsversuche führte schließlich zur Kirchenspaltung, zur Gründung neu- er christlicher Glaubensgemeinschaf- ten und zu jahrzehntelangen Glau- benskriegen mit tausendfachem Tod. Doch nicht nur das Deutsche Reich und die habsburgischen Länder wa- ren betroffen – besonders heftig tobte der Konflikt in Frankreich, wo sich Katholiken und die Anhänger des Genfer Reformators Johannes Calvin, Hugenotten genannt, feind- lich gegenüber standen. Negativer Höhepunkt war die Bartholomäus- nacht vom 23. zum 24. August 1572. Die Hochzeit des (protestantischen) späteren Königs Heinrich IV. mit der katholischen Margarete von Valois war eigentlich als Versöhnung ge- dacht, führte aber zu einem Massaker, dem allein in Paris 5.000 Hugenotten zum Opfer fielen. Zu einem Ende des Glaubenskriegs und der Aussöhnung kam es erst 1598. Katholiken und Protestanten be- kämpfen sich heute zwar nicht mehr, doch es gibt genug Beispiele für re- ligiöse Intoleranz, religiösen Fana- tismus und Kriege, die der Religion wegen geführt werden. Und so ist es nicht überraschend, dass sich Ste- phan Lack und Alexander Hauer nach dem großen Erfolg von „Odysseus“ im vergangenen Jahr erneut einem historischen Stoff zugewandt und für die heurigen Melker Sommerspiele aus den dramatischen Geschehnis- sen vor 450 Jahren in Frankreich ein Theaterstück verfasst haben. Es geht darin um den Streit der Religi- onen, das Streben nach Macht und die Suche nach Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben, The- men also, die direkt in unsere Ge- genwart führen. Vor der stimmungs- vollen Kulisse von Stift Melk wird es insgesamt 12 Vorstellungen geben; man darf gespannt sein. £ kulturnotizen Bartholomäus- nacht in Melk bartholomäusnacht | 14.6.–5.8. Sommerspiele Melk, 02752 54060 www.wachaukulturmelk.at momag 352 | juni 2017

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