momag 352 | JUNI 2017

Christian Dolezal. Mit „Don Quijote“ steht er kurz vor seiner Premiere als neuer Intendant des Theatersommers Haag, mit dem momag spricht er über Wagnisse, Pointen und den Wunsch, Herzen zu berühren vollkommen lückenlos und konsequent in seiner eige- nen Realität lebt. Was pas- siert mit einem Menschen, wenn man ihn mit aller Ge- walt herausreißt? Wir sehen diesen Don Quijote nicht auf historische Weise, son- dern haben ein neues Stück schreiben lassen. Es ist eine moderne Aufführung, die ein bisschen den Fokus auf die- se Situation wirft, die ich be- schrieben habe. Wenn man ein Stück schreiben lässt und eine Uraufführung macht, ist das ein viel größeres Wagnis, als wenn man ein Stück, das es schon lange gibt, wieder aufführt. Aber bei Don Qui- jote geht es ja um Wagnisse, also muss ich zumindest das Abenteuer eingehen, eine Uraufführung zu machen. Sie schlüpfen als Intendant in die Hauptrolle – ist das doppelte Belastung oder doppelt Spaß? Ich muss mir jetzt, wo ich den Text lerne, den Kopf frei ma- chen vom Intendanten-Job. Wenn ich während der Pro- ben die ganze Zeit darüber nachdenke, dass es gut wer- den muss, dann bin ich nicht frei in meiner künstlerischen Arbeit. Ich konzentriere mich auf Don Quijote, die Fäden habe ich in die Hände der Regisseurin gegeben. Erst wenn ich bei der Premie- renfeier unsere Sponsoren begrüße, bin ich wieder In- tendant. Was erwarten Sie sich von Ihrer ersten Saison? Erwarten ist nicht das richtige Wort. Ich erhoffe mir, dass die Leute berührt werden, dass sie etwas Schönes erfahren und dass sie verführt wer- »Ich erhoffe mir, dass die Leute berührt werden, dass sie etwas Schönes erfahren und dass sie verführt werden.«  Intendant und Schauspieler Christian Dolezal im Gespräch über Don Quijote. den. Ich mache das Ganze letztlich ja deshalb, um den Menschen etwas Schönes zu geben. Es ist ein tieferes Ge- fühl, wenn man intellektuell auch ein bisschen stimuliert wird, das Herz berührt wird und man nicht nur mit Pointen abgespeist wird. Ich möch- te ein Theater haben, das zeigt, dass der Mensch auch zu etwas anderem fähig ist, als zu dem, was man in allen Nachrichten gerade hört. Ich glaube an die Kraft der Poe- sie, genau wie Don Quijote an eine Welt glaubt, die so ist, wie sie sein könnte. Im Grunde sind die Leute über- all gleich, sie haben alle ein Herz und ein Hirn. Sie sind froh, wenn das Herz berührt wird und das Hirn ein biss- chen erfrischt und gefordert wird. £ von daniela rittmannsberger die der poesie Ein Ort der Begegnung Schallaburg. Kulturen und Traditionen D as Renaissance-Schloss südlich von Melk ist Ausstellungszentrum und Begegnungsraum zugleich, wo unterschiedliche Kulturen und Tra- ditionen näher gebracht werden. Attraktive Begleitveranstaltungen beziehen sich auf die beiden aktu- ellen Ausstellungsthemen „ISLAM“ und „Freyheit durch Bildung“: Das „Kamingespräch“ ist eine Po- diumsdiskussion zum interreligiösen Dialog mit hochkarätig besetzter Bühne. Golnar Shahyar, in Österreich längst kein Geheimtipp mehr, singt live im Arkadenhof. Die in Teheran geborene Sängerin widmet sich in ihren selbstgeschriebenen Texten religiösen und kulturellen Themen, reflektiert klassische persische und moderne Poesie gleichermaßen. Da- bei verschwimmen die Grenzen zwi- schen Künstlerin und Publikum – auf eine Bühne wird bewusst verzichtet. Beim farbenfrohen Fest der Begeg- nung – „Schallalalalaburg“ – gibt es orientalische Leckereien, einen Ba- zar mit Schmuck und Kunsthand- werk, geführte Ausstellungsrund- gänge, Musik, Drinks, DJs und vieles mehr. £ sandra zahnt termine | Kamingespräch: 23.6., ab 19h Golnar Shahyar: 25.6./16.7./20.8., jew. 14–16.30h Schallalalalaburg: 9.7., ab 12h Info: 02754 6317-0, of f ice@schallaburg.at www.schallaburg.at mar tina siebenhandl daniela matejschek  Golnar Shahyar mostvier tel magazin | 55

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