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gesellschaft

Wir sind

Steht Europa am

Scheideweg?

Ich glaube schon. In den

nächsten zehn bis 15 Jah-

ren wird sich entscheiden,

wie es mit uns allen in Eur-

opa weitergehen wird. Die

zentrale Frage ist: Schaffen

wir es, Europa zu vertiefen?

Schaffen wir es, die Friedens-,

Wirtschafts- und Sozialge-

meinschaft zu stärken oder

schaffen wir es nicht? Wird

uns nicht bald klar, dass wir

alle Europa sind, dann wird

Europa in viele kleine Einzel-

staaten zerbröseln und der

Nationalismus damit noch

mehr gestärkt. Wollen wir

das ernsthaft?

Was bedeutet für

Sie Patriotismus?

Im einengenden und aus-

schließenden Sinne finde ich

Patriotismus ganz fürchter-

lich. Dieses „Wir sind wir und

alle anderen sollen draußen

bleiben“ ist schrecklich. Dazu

kommt, dass alle, die nicht

so denken, ebenfalls zu Fein-

den erklärt werden. Patrio-

tismus im offenen Sinne ist

hingegen absolut Meines. Ich

finde das Weinviertel super

und freue mich, dass ich dort

leben darf. Überhaupt habe

ich ein Riesenglück, in Öster-

reich und in Europa leben zu

dürfen – das ist keine Selbst-

verständlichkeit und schon

gar kein Verdienst. Mir geht

es gut und ich habe das Ge-

fühl, genau deshalb für das

Wohlergehen in meinem en-

geren Umfeld sowie darüber

hinaus auch etwas machen zu

müssen. Wir dürfen uns von

doris schleifer-höderl

fotowerk aichner

interview:

doris schleifer-höderl

Die Autorin stellt in

ihrem politischen

Episodenroman viele

Gesellschaftsfragen und

trifft damit den Nerv der

Zeit. Dabei geht es um

Nationalismus, Terror,

Hass, Angst und Hetze.

Wir verlosen 3 Bücher:

Patrioten

Mitspielen unter

www.momag.at/gewinnen

Oder schreib unter Betreff:

Patriotismus

per Fax: 0650 5510222 oder

per Post: momag, PF 9, 3340 Waidhofen/Ybbs

Bitte Anschrift und Telefonnummer angeben!

S

eit dem Frühling beherberge ich

ein Krötenpärchen bei mir im

Keller. Die Erdkröten haben es sich

in einer kleinen Lücke im Estrich ge-

mütlich gemacht. Nächtens gehen sie

auf Nahrungssuche, bei Tag kuscheln

sie zufrieden und gucken mit großen

Augen aus dem Loch. Man könnte sie

fast beneiden hin und wieder.

Mit Politik müssen sie sich nicht

beschäftigen oder grämen. Unser-

eins hat da schon viele Fragen und

Gedanken im Kopf. Wie wird die Wahl

am 15. Oktober ausgeh’n? Und was

wird sie verändern? Müssen wir bis 70

berufstätig bleiben? Um dann in bit-

terer Sparsamkeit und mit krummem

Rücken dem Lebensende entgegen-

zugehen? Müssen wir den Kuchen,

mühevoll gebacken mit selbstgekauf-

ten Zutaten, mit anderen teilen, die

nur die Hand aufhalten? Darf man

in Zukunft kein dieselbetriebenes

Auto mehr fahren? Darf man über-

haupt noch was?

Vor den Wahlen zeigen sich un-

sere Politiker stets offen, volksnah,

einfühlsam, kuschelweich und haut-

freundlich. Jeder zeigt sich mit Haus-

tier und Kind, knetet Pizzateig oder

geht wandern. Menschlich eben. So,

als würden sie unsere Anliegen und

Sorgen bestens verstehen und unser

Allerbestes nur wollen. Sollte man in

ein Sorgenloch gefallen sein, heißt es

bei den Sprechstunden: „Ich helfe dir“.

Nur Dummis lassen sich hiervon noch

beeindrucken. Man weiß inzwischen,

dass es größtenteils um die eigene

Machterhaltung geht und wenig um

die Menschen im Land. Man denke

auch an die abgeschaffte befristete

Frühpension. Hin und her geschoben

werden kranke Leute, die zu 90 Pro-

zent nicht mehr arbeitsfähig werden,

auch nicht mit Prügel und anderen

Maßnahmen. Reha und sonstiges ko-

stet noch mehr Geld.

Dann noch meine persönliche Fra-

ge: Warum sind bei uns in Österreich

Lebensmittel, Kosmetika und viele

andere identische Dinge um 30 bis

50 Prozent teurer als in Deutschland?

Obwohl wir weniger verdienen?? Da

ist sicher genug Luft nach oben. Man

könnte hunderte Dinge aufzählen,

die für unser Land wichtig und gut

wären. Ich werde das mit meinen

Erdkröten besprechen, weil die oft

das größere Verständnis haben.

£

waltraud hirner |

Kematen/Ybbs

waltraud@momag.at

panoptikum

Wahlkampf mit

Kröten

momag 355 | oktober 2017

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| mostviertel magazin