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menschenbild

»Jede Region hatte je nach Vegetation

und Lebensweise spezielle Körbe.«

U

rsprünglich kam der

junge Mostviertler über

einen Freund, der Zeitungs-

halter aus Weide herstellte,

auf diesen alten, selten ge-

wordenen Handwerksberuf.

Schnell fand er selbst großen

Gefallen am Weidenflechten

und reiste nach Irland und

Frankreich, wo er Weiden-

bauern besuchte und un-

terschiedliche Techniken er-

lernte, denn in jeder Region

gibt es vegetationsbedingt

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ART & WEIDE, Philipp Schörghuber, 0680 3219311,

artundweide@gmx.at

Kurse auf Anfrage

unterschiedliche Weiden

und zahlreiche Flechtarten.

„Auch in Österreich wa-

ren früher vor den meisten

Bauernhäusern Weiden zu

finden. Damals gab es we-

der Plastikgefäße noch Im-

portwaren. Getreide, Brot,

Obst, Wäsche und Werkzeug

wurde in Körben aufbewahrt

und Holz oder Heu im Rü-

ckenkorb – der sogenannten

„Buckelkraxn“ – transpor-

tiert. Natürlich gab es den

Beruf der Korbflechter, die

ihre Waren verkauft haben,

aber viele Leute haben das

Flechten selbst beherrscht

und das, was gerade benöti-

gt wurde, eigens angefertigt.

Das Weidenflechten war vor

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Die Buckelkraxn

nicht

von michaela schwarnthorer

fotos: art & weide

peter brandstetter |

Petzenkirchen

peter@momag.at

W

as wir haben, ist uns wenig wert!

Erst, wenn uns was fehlt, kom-

men wir drauf, welcher Wert uns ver-

loren gegangen ist. Das betrifft die

Freiheit der Meinung ebenso, wie die

Freiheit gehen zu können, wohin man

möchte. Ähnlich geht es uns mit der

Gesundheit. Es ist richtig furchtbar,

wenn diese Selbstverständlichkeit

weg ist; man möchte alles dafür ge-

ben, Mühe, Zeit und Geld, aber oft

ist es schon zu spät. Die Gesundheit

ist weg, gegurgelt wie Wasser durch

den Siphon. Dabei hat man das Gefühl,

dass eh schon so vieles zu kaufen ist;

stimmt zum Teil: Wer Geld hat, fliegt

um die Welt in Privatkliniken, kauft

Nieren am Schwarzmarkt und hat

Zugang zu Medikamenten aus Test-

labors. Unterm Strich jedoch gehört

die Gesundheit nicht zu den täglich

verfügbaren Produkten aus dem Su-

permarktregal. Trotzdem leben wir in

einer Luxuswelt. Während anderswo

in der Welt Schmerztabletten, Anti-

biotika und Vitamine fehlen, kuren

wir in Sternehotels, haben volkswirt-

schaftliche Probleme aufgrund der

zunehmenden Verfettung der Be-

völkerung und der Tatsache, dass ein

Gutteil unseres Leidens und Sterbens

aufgrund von Chips, Bier und Tschick

auf der Couch passiert. Freiheit und

Selbstverantwortung könnte hier ein

bisserl Abhilfe schaffen.

Wir alle sollten verpflichtend zum

jährlichen Gesundheitscheck. Der Arzt

könnte für die nächsten zwei Jahre

die Teilnahme an kostenfreien Be-

wegungseinheiten und besserer Er-

nährung verordnen. Wer dabei nicht

mitmachen möchte – das gebietet

die Freiheit – der sollte auch einen

Aufschlag für das gemeinsame Ge-

sundheitssystem zahlen. Wir haben

ja alle die Wahl: Äpfel und Birnen aus

dem Mostviertel oder Industrie-Junk

aus der ganzen Welt; Walken, Radeln

und Laufen durch Wiesen und Wälder

oder faul lümmeln beim Billigfernse-

hen. Das ist keine Frage des Geldes

für den Einzelnen; aber eine Frage des

Geldes für die Gesellschaft. Beson-

ders für die Eltern- und Großeltern-

Generation wäre das wichtig, denn

sie sind Vorbilder für die Jungen. Wie

wir wissen, hilft Predigen nix, wenn

wir anderes vorleben. Also: Schickt

eure Kinder ins Freie, egal welches

Wetter, aber seid selbst voran, ohne

lang zu reden!

£

mostviertorial

Frei und gesund!

momag 355 | oktober 2017

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| mostviertel magazin