Table of Contents Table of Contents
Previous Page  6 / 80 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 6 / 80 Next Page
Page Background

Wein & Bier für Winklarner Kulturherbst

sabine dorner

D

ie Besucher des Win-

klarner Kulturherbstes

dürfen sich auf eine große,

gute ausgewählte und an-

spruchsvolle Weinkarte freu-

en. Der Favorit kommt aus

dem Weinviertel, ein Grüner

Veltliner DAC vom Weingut

Mitterhauser. Erstmals wird

heuer auch ein Winklarner

Kulturherbst-Bier geboten,

das nicht von weit her kommt:

Vier junge Bierbrauer stellen

unter dem Namen „Bierkan-

ter“ in Winklarn regionales

Craftbier her und stehen für

handwerkliche Braukunst und

Geschmackserlebnis.

£

termine |

6.10.–18.11.

www.winklarn.gv.at

AUFG’SCHN PPT

B

eim Wiener Wiesn-Fest

fand eine großartige Mo-

deschau statt, bei der das

junge Trachtenmode-Label

„freiwild“ den Award in der

Kategorie „Jungunterneh-

merInnen“ gewonnen hat.

Die Waidhofner Trachten-

manufaktur verbindet na-

türliche Materialien, Indivi-

dualität und Liebe zum Detail

mit modischer Extravaganz

zu einem unverkennbaren

Trachtenstil. Alle Stücke er-

füllen einen ökologischen

Anspruch und sind deshalb

aus österreichischen und

europäischen Stoffen hand-

gefertigt und in Kleinserien

hergestellt.

£

Trachten-Award für freiwild-Design

web |

www.freiwild-design.at

katharina schiffl

funktioniert, wirklich

beherrschen kann man sie

aber erst, wenn man viele

Jahre lang übt und herum-

probiert“, erzählt Schörghu-

ber. Glücklicherweise gibt es

auch in Ybbsitz noch einen

90-jährigen Korbflechter,

von dem er so einiges lernt.

Ein besonderes Anliegen

ist Philipp, dass dieses wert-

volle Wissen nicht verloren

geht. Immer wieder hört er

auf Märkten, auf denen er

seine Flechtwaren anbietet:

„Mein Großvater hat selber

noch geflochten, aber ich

kann es nicht mehr“. Aus

diesem Grund bietet er

Flechtkurse an, die seiner

Meinung nach vor allem

auch deshalb so beliebt sind,

weil heute viele Menschen

am Computer arbeiten oder

Maschinen bedienen. Beim

Korbflechten fertigt man

aber alles mit seinen eige-

nen Händen an, sieht das

»Wichtig ist, dass immer jemand

weitermacht, damit das alte

Handwerk nicht verlorengeht.«

In der rustikalen

Werkstatt in Wolfsbach

werden neue Ideen

umgesetzt.

menschenbild



V

iel ist passiert in den letzten hun-

dert Jahren. Mobiltelefone wurden

erfunden, Computer und Autos wur-

den alltäglich, zwei Weltkriege hin-

terließen Spuren. Der Pulitzer-Preis

wurde 1917 zum ersten Mal verliehen,

der Lions-Club gegründet, und mei-

ne Oma wurde vor hundert Jahren

geboren. Am 29. August feierten wir

ihren Geburtstag. Die ganze Familie

versammelte sich im Altersheim, so-

gar die Cousine aus Island reiste an.

Wir sangen Lieder für sie, brachten

Geschenke, Kuchen und Torten wur-

den aufgetischt, es gab Kaffee und

Getränke. Und mittendrin die hun-

dert Jahre alte Frau, die kaum noch

spricht und g’rade noch aufrecht

im Rollstuhl sitzen kann. Nur noch

Haut und Knochen, der Geist durch

Alzheimer und Demenz schon mehr

drüben als herüben. Eine Frau, die

von der Mutter verlassen und in ein

Waisenhaus gegeben wurde, später

von der Gemeinde an Bauern ver-

mittelt wurde als Magd. Ein hartes,

entbehrliches Leben hatte sie. Ihr er-

stes Kind starb jung an Krebs, zwei

weitere Kinder folgten.

Als mein Bruder und ich Kinder wa-

ren, verbrachten wir die Ferien bei ihr.

Sie kochte gut, in Erinnerung bleibt

ihre gemütliche Küche, der gelbe

Kanarienvogel „Hansi“ und der Duft

nach Kräutern. Mit Brennesselsud hat

sie sich die Haare gewaschen, mor-

gens machte sie ihre Turnübungen,

gemeinsam schauten wir Filme mit

Hans Moser und Jerry Lewis. An jedes

Detail ihrer Wohnung kann ich mich

erinnern, ich träume auch oft von ihr.

Und nun fragt man sich, was diese

Frau mit ihrem Wahnsinnsleben hier

noch hält. Warum der „Himmelvater

sie vergessen hat“, wie sie sagt. Ein

lieber Freund erklärte uns, warum sie

noch da ist. Oma hat in ihrem Leben

zu wenig Liebe bekommen. Und da-

rum ist ihr Körper die letzte Brücke,

über die sie noch Liebe nachtanken

kann. Sie braucht noch ganz viel da-

von. Und so singen wir für sie und

streicheln sie und reden mit ihr und

sind mit ihr zusammen um zu feiern.

Hundert Jahre. Herzlichen Glück-

wunsch, liebe Oma.

Peace.

£

sonja raab |

Opponitz,

sonja@momag.at www.raabenweib.de

raabenweib

Neunzehnhundert­

siebzehn

momag 355 | oktober 2017

6

| mostviertel magazin