momag 360 | APRIL 2018

 menschenbild mit einzigartigem Pfiff gibt’s in diesem Hause auf jeden Fall immer, gespannt darf man warten, was sich da noch so alles zusammen braut. Rohstoff-Experimente und Bier ab Hof Malz, Hefe und Hopfen sind die drei Grundstoffe, mit de- nen munter jongliert wird. Die Braugerste dazu wird direkt in Winklarn am Hof der Eltern angebaut. „Das ist uns sehr wichtig und auch ein Alleinstellungsmerkmal von uns“, stellt Datzberger fest, denn die eigene Brau- gerste haben die wenigsten. Diese wird in Grieskirchen von Spezialisten gemälzt: Das Korn wird zum Keimen gebracht, damit Braumalz entsteht und facettenreiche Aromen gewonnen werden können. Der Hopfen kommt aus dem benachbarten Ba- yern, wo sie einen direkten Draht zu einem der vielen Hopfenbauern haben. Michael Datzberger, der Agrarwissen- schaften in Weihenstephan studiert hat, konnte dort Braumeister-Luft schnup- pern: „Diplom-Braumeister bin ich nicht, aber ich habe durch meine Studienkollegen einiges mitbekommen. Be- geisterung ist die wichtigste Zutat!“ Oft sind Freunde oder Bekannte aus Neugierde beim Brauen dabei, ein Abenteuer, das fasziniert angenommen wird. Die vier Bierkanter- Männer tüfteln bereits da- ran, die Öffentlichkeit breiter an ihrem Erlebnis teilhaben zu lassen. Ein Verkostungsstü- berl ist gerade im Entstehen. Nach dem Motto „Wenn’s passt, dann passt’s“ haben die Bierkanter den Staatsmeister- Titel bei der Austrian Beer Challenge 2017 der IG Bier ins Mostviertel geholt, in der Kategorie „Kreativbiere“ für »Fakt ist: Wir sind in Österreich verarmt an Biervielfalt.«  Bei den Bierkantern stehen einige wichtige Faktoren in puncto Rohstoffe im Vordergrund – darum stammt zum Beispiel die Braugerste aus eigenem Anbau.  Handwerksfest für die ganze Familie peter faschingleitner A m Muttertags-Wochen- ende startet die Burga- rena Reinsberg in die neue Saison – mit einem Fest, das zum Mitmachen und Auspro- bieren einlädt. „Oafoch kema & doa“ lässt altes Handwerk aufleben – das Motto ist Pro- N aturliebhaber haben wieder die Möglichkeit, die traumhafte Bergwelt des Mostviertels bei musikalischer Untermalung zu entdecken – dieses Mal in der typischen Voralpenlandschaft rund um Opponitz und Waidh- gramm: Es wird gedrechselt, gedangelt, geflochten und vieles mehr, und jeder kann selbst Hand anlegen. Regio- nale Köstlichkeiten und bo- denständige musikalische Unterhaltung inklusive! Der Eintritt ist für Kinder bis 15 Jahre frei. £ ofen/Ybbs. Unter anderen sorgen Alpine Aspects und Donauwellenreiter für Klang- welten von Jazz über Klassik bis hin zu Pop und Rock. Der Schlosswirt lädt am Samstag zu einem kulinarischen Ab- schluss mit Schwerpunkt auf regionale Schmankerl. £ termin | 12.+13.5., 10–17h, 07487 21388, office@reinsberg.at , www.burgarena.reinsberg.at AUFG’SCHN PPT Wanderbare Gipfelklaenge 2018 termin | 26.+27.5., 07482 20444, info@mostviertel.at, www.gipfelklaenge.at fred lindmoser familienlektüre Nichts mehr wie früher andrea kromoser | Waidhofen/Ybbs Workshops, Buchgespräche, Seminare www.familienlektuere.at A m Ende des Flures ein Zimmer. Es riecht nach damals. Es riecht nach Ferien. Auch hier geht die Lampe an. Der Lichtschalter einer der Art, die gedreht wer- den müssen.“ Ken- nen Sie das, wenn es plötzlich nach früher riecht? Oder sich ein Gegenstand nach Er- innerung anfühlt, wie ein Lichtschalter, der gedreht werden muss? Erinnerungen an frisches Heu, in Schmalz heraus- gebackene Bauernkrapfen und kni- sternde Scheite im Holzofen. „Wie bei Oma“, denke ich sofort. „Im Korb beim Ofen liegt noch Holz. Zeitung, Späne, Holz. Feuerzeug?“ Die Protagonistin in Tamara Bachs neuem Roman weiß noch, wie das geht. Ihre Hände erin- nern sich, wie der zur Zeit der Erzäh- lung längst erkaltete Ofen angeheizt wird. Sie ist zusammen mit ihrem Bru- der noch einmal in Großvaters altem Haus. Aus den beiden Kindern, die hier am Land ihre Ferien erlebten, sind junge Erwachsene geworden, denen die Worte zu fehlen scheinen und deren weniges Gesagtes einan- der nicht erreicht. Worüber sollen sie auch sprechen? Wenn das Früher kei- nen Anlass mehr gibt und das Heute verworren ist... Der in knappen Sätzen geschrie- bene Text berührt und sorgt für diese spezielle Stimmung zwischen Glück und Desaster, wie sie nur Tamara Bach schafft. Wie und warum die beiden hierher zurückgekommen sind, sei nicht verraten, nur so viel ist sicher: was den Figuren an Sprache fehlt, fin- den Lesende irgendwo zwischen den Zeilen und vielleicht auch inmitten persönlicher Erinnerungsschnipsel. Sicher ist auch, dass es zum Bruch mit der Idylle kommen muss, nichts mehr wie früher ist und am Ende nur ehrliche Gegenwart bleibt. £ Mausmeer | Tamara Bach ISBN 978-3-551-58380-2 Carlsen 2018 sandra zahnt momag 360 | april 2018 12 | mostviertel magazin

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