momag 364 | SEPTEMBER 2018

jeden Menschen. Die meisten im Verdauungstrakt, hier sind etwa zehnmal mehr, als ein Erwachsener Körperzellen hat. Die Bakterien auf unserer Haut haben Schutzfunktion, jene im Darm schließen Nah- rung auf, in der Scheide sind sie für die erfolgreiche Fort- pflanzung genauso wichtig wie Eizellen und Spermien und spielen erfolgreich bei der Abwehr möglicher Infek- tionen mit. Im Ohr, im Mund, im Nabel,... Untermieter, so- weit das Auge eben nicht reicht – völlig unvorstellbar! Diese Lebewesen verhal- ten sich wie in jedem an- deren Biotop auch: Sie feil- schen um Platz und Nahrung, helfen zusammen beim Er- schließen von Futterquellen, werden beeinflusst von den Umweltbedingungen, gera- ten unter Stress, wenn das Öko-Gleichgewicht gestört wird, finden dieses Gleich- gewicht wieder (oder auch nicht, und ein anderes stellt sich ein), müssen sich gegen Gifte wehren und mit Na- turkatastrophen umgehen. Vom Feind zum Freund? Bakterien sind bekannt als Krankheitserreger und verantwortlich für üblen Geruch. Wo sie sind, ist es „Untermieter“ ist lebensnot- wendig für unsere Gesund- heit. Erst wenn sie fehlen, wird’s gefährlich. Wir sind besiedelt Jeder von uns ist einzigar- tig. Egal ob Fingerabdruck, Stimme oder Lebenserfah- rungen – aber auch das Ge- nom und der mikrobielle Fingerabdruck sind komplett unverwechselbar. Keine zwei Menschen sind gleich besie- delt. Etwa hundert Billionen Einzellebewesen bevölkern  lebens: räume Du bist nie von michaela auer W ir Menschen sind in der Minderheit, nicht nur auf der Erde, sondern auch in unserer eigenen Haut: In und auf unserem Körper le- ben mehr fremde Organismen als menschliche Zellen. Eine pralle Flora und Fauna aus Bakterien, Amöben, Pilzen, Milben und oft auch Würmern besiedelt den „Lebensraum Mensch“. Die Existenz dieser Am 25.10. gastieren die Musikkabarettisten mit ihrem neuen Album „Mitten ins Hirn“ im Linzer Posthof. Es geht um das Versagen in der Politik, Verschwörungs- theorien und mehr. Wir verlosen 3x2 Karten: Christoph & Lollo Mitspielen unter www.momag.at/gewinnen Oder schreib unter Betreff: Lollo per Fax: 0650 5510222 oder per Post: momag, PF 9, 3340 Waidhofen/Ybbs Bitte Anschrift und Telefonnummer angeben! ingo pertramer fabian ressl | Purgstall fabianressl@gmail.com D ie Durchschnittspegel an den Küsten der Weltmeere sollen zum Ende des Jahrhunderts um 65 Zentimeter höher liegen als 2005, berichtet eine amerikanische For- schergruppe. Der Anstieg des Mee- resspiegels erfolgt deutlich schneller als angenommen. Wissenschaftler sprechen davon, dass eine Heißzeit im Anmarsch ist. Selbst wenn die Kli- maziele eingehalten werden, könnte sich das Klima auf der Erde – durch einen Dominoeffekt sich gegenseitig verstärkender Faktoren – langfristig sogar um 4 bis 5°C im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhö- hen – mit verheerenden Folgen. Durch das Abschmelzen von Gletschern und Polkappen würde der Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen. Die Funktionsweise unseres Planeten und das Leben auf der Erde würden sich grundlegend, in für uns bislang unvorstellbarer Weise, verändern. Der Mensch hat als geologische Kraft bereits zu viele Spuren im Erd- system hinterlassen. Überall gehen die Lebensgrundlagen für folgende Generationen verloren. Die Folgen der Klimakrise sind längst weltweit spürbar. Die Hitzesommer der ver- gangenen Jahre geben einen Ein- druck, wie bedrohlich die Klimakrise – auch in Österreich – ist. Millionen von Menschen sind betroffen, welt- weit werden Böden zerstört, gehen Ernten verloren, breiten sich Wü- sten aus, schmelzen Gletscher und verursachen Stürme Schäden. Jeder Einzelne kann etwas beitragen, um unseren Planeten noch möglichst so zu erhalten, wie er ist. Vor allem die Politik ist gefordert. Schnelles Han- deln in den Bereichen Energie, In- dustrie, Verkehr und Landwirtschaft ist gefragt. Doch um den negativen Einfluss des Menschen auf die Natur aufhalten zu können, bräuchte es eine Transformation, die technologische Innovationen, neue Politikinstru- mente, Verhaltensänderungen und einen grundsätzlichen Wertewan- del umfasst. Diese Welt ist gerade dabei, zugrunde zu gehen. Dieses System rennt aber einfach weiter ins Verderben. Wir nehmen zu wenig Rücksicht. Die Lebensbedingungen anderer und zukünftiger Menschen so zu untergraben, ist einfach nicht legitim. £ zum thema Die Erde ist fragil colourbox.com momag 364 | september 2018 16 | mostviertel magazin

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