momag 367 | Winter 2018/19

Eine Frage der »Uns sollte endlich klar sein, dass wir in einer höchst ungebildeten politischen Gesellschaft leben.« lischen Kirche ständig Het- ze betrieben worden wäre. Da muss man sich natürlich schon fragen: Welche Gewalt kann Religion anrichten? Es nur auf die Politik zu schie- ben und zu sagen, es ist der Nationalismus – das stimmt nicht. Die Religion hat die tragende Rolle schlechthin, dort hat Fundamentalismus seine Wurzeln. Schauen wir uns doch nur die jüngsten Ereignisse an. Wie ging es Ihnen selbst dabei, über das Leben von Walter Fantl, der mit 18 nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz deportiert wurde und mit 21 nach Wien zurückkam, zu schreiben? Man braucht sehr viel Em- pathie, um sich tiefer damit auseinanderzusetzen – und auch, um den Menschen zu verstehen. Was empfand er damals, was empfindet er heute? Persönliche Geschich- ten sind immer subjektiv. Gleichzeitig muss man daher auch die Emotion stark zu- rücknehmen. Mein Bemühen war, alles so sachlich wie nur möglich zu beschreiben und mich neben der persönlichen Geschichte des Walter Fantl auch auf die historischen Quellen zu beziehen. Ich habe Herrn Fantl 2001 in Amstetten kennengelernt. Das hat damit zu tun, dass Ist es nicht entsetzlich und unfassbar, was der Mensch seinem Mitmenschen antun kann? Zweifellos. Aber wir müs- sen uns auch bewusst sein, dass es den Holocaust nicht gegeben hätte, wenn nicht jahrhundertelang von der katholischen wie evange- Das Buch von Gerhard Zeillinger berührt, macht fassungslos und wütend zugleich. Es ist ein historisches Dokument und ein Werk, das nur eines fordert: Niemals wieder! Wir verlosen 3 Bücher: Überleben Mitspielen unter www.momag.at/gewinnen Oder schreib unter Betreff: Überleben per Fax: 0650 5510222 oder per Post: momag, PF 9, 3340 Waidhofen/Ybbs Bitte Anschrift und Telefonnummer angeben! colourbox.com familienlektüre Tauschschatz andrea kromoser | Waidhofen/Ybbs Workshops, Buchgespräche, Seminare www.familienlektuere.at I ch hatte eine Handtasche, die lag jetzt schon seit geraumer Zeit un- genutzt bei mir im Kasten rum. Un- längst habe ich sie zum Kleidertausch im „Sturmfrei Werk- und Denkraum“ in Waidhofen an der Ybbs gebracht. Von mir hat sie somit eine zweite Chance bekommen, um mit jener Frau, die meine Tasche für ein wiederum für sie wertlos gewordenes Stück getauscht hat, in ein neues Leben zu starten. Mein Müll ist jetzt also ihr Schatz. Ich bin natürlich ebenso mit einem neuen Schatz vom Kleider- tausch heimgekommen. Und mit der Erkenntnis, dass das, was ich wegwer- fen wollte, noch großen Wert hat. Gebrauchten Dingen ein zweites Leben zu schenken ist ebenso im Trend, wie Fundstücke aus Müllber- gen oder Flohmärkten als Bastelma- terialien zu verwenden, um Neues da- raus zu gestalten. Unter dem Motto „Mistenglisch – Mülldeutsch“ geht darauf auch Melanie Laibl im von Lili Richter grandios sowie detailverliebt illustrierten Kindersachbuch „So ein Mist“ ein. Ob Re-, Pre-, Up- und Down- cycling oder Urban Mining: Hier wer- den grundsätzliche Begrifflichkeiten geklärt, als auch diverse Sachverhalte rund um Müllentsorgung und -ver- meidung; aber auch sonst alles, das mit Mist, Verwesung oder Verdau- ung zu tun hat, angesprochen. Aas fressende Tiere bekommen den ih- nen gebührenden Auftritt, die Kul- turgeschichte des Kanals bzw. des Klos kann nachgelesen werden. Ja klar, etwas grauslich ist das auf man- chen Seiten schon! Aber was bringt’s, wenn wir uns weiterhin die Nasen zuhalten, anstatt zu vermeiden und zu verwerten? £ So ein Mist – Von Müll, Abfall & Co | Von Melanie Laibl und Lili Richter Tyrolia 2018 ISBN 978-3-7022-3698-4  politik momag 367 | winter 2018/19 16 | mostviertel magazin

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