momag 367 | Winter 2018/19

und bezahlt –, hat der damalige Kulturamtsleiter es schlichtweg boykottiert. Auf Nachfrage der Buchhändler hat er gemeint, es sei bereits vergriffen, und dann sind jahrelang die Exemplare im Rathaus herumgelegen. In dieser Zeit hat Manfred Wohlfahrt auch die Errich- tung eines Denkmals für die ermordeten Amstettner Juden angeregt. Alle im Gemeinde- rat vertretenen Parteien, bis auf die Grünen, haben sich zwei Jahre lang mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Die SPÖ meinte, man brau- che so etwas nicht, die ÖVP sagte, das komme gar nicht in Frage. Ich habe selbst Ge- meinderatssitzungen miter- lebt, das war zum Fremdschä- men! An eine erinnere ich mich ganz genau, da ist es zugegangen wie auf einem antisemitischen Stammtisch. Da sind Sätze gefallen, die würden sofort auf Grund des Verhetzungsparagraphen zu einer Anklage führen. Aber im Gemeinderat hat es nicht einmal einen Ordnungs- ruf gegeben, der damalige Bürgermeister hat offenbar nichts dabei gefunden. Da war uns auch klar, dass wir dagegen publizistisch an- kämpfen müssen, und das taten wir dann in der „Zeit- Schrift“. Der Bürgermeister meinte dann, das sei ein Hetzblatt. Leben wir angesichts des globalen Rechtsrucks und dem aufkeimenden Nationalismus wieder in bedenklichen politischen Zeiten? Im Grunde hat es nie auf- gehört, bedenklich zu sein. Durch die neue Bundesre- gierung kommt vieles jetzt noch einmal hoch. Und ge- rade deswegen ist es wich- tig, immer wieder zu erin- »Den Holocaust hätte es nicht gegeben, wäre nicht jahrhundertelang von der katholischen wie evangelischen Kirche ständig Hetze betrieben worden.« colourbox.com  Bio-Eis aus Kilb ausgezeichnet weinfranz.at B ereits zum vierten Mal fand die Bio Gastro Tro- phy statt, von Bio Austria organisiert. Im Rahmen der Messe Bio Österreich in Wie- selburg wurden die Sieger- betriebe gekürt. Der Preis für das größte Bio-Engagement J etzt wird wieder köstlicher Punsch getrunken; je nach Geschmack kann dieser noch verfeinert werden – z.B. mit Whisky: 20 cl Apfelsaft, Zimt- stange, Messerspitze Lebku- chengewürz und Gewürz- nelken erhitzen, in der Tasse ging an Bio Hansinger in Kilb, wo der seit 1994 biologisch wirtschaftende landwirt- schaftliche Betrieb einen Bioladen mit Café und Bio- Eis führt. „Ein Nahversorger, der meinungsbildnerisch in die Umgebung strahlt“, be- gründete die Jury ihre Ent- scheidung. £ verrühren und 4 cl Whisky dazu; 3 Dörrzwetschken in Streifen geschnitten in die Tasse, nach 2 Minuten Nel- ken herausnehmen, Garnitur Sternanis und Dörrbirne auf den Glasrand – fertig! £ web | www.biogastrotrophy.at , www.hansinger.at AUFG’SCHN PPT Seppelbauers Mostviertler Whisky Punsch info | Seppelbauer, Amstetten – Pittersberg, www.seppelbauer.at florian schöberl termin | Einkaufstage 20.+21.12. (8–20h), 22.12. (8–17h), 24.12. (8–12h) pfeilgerade Weiße Westen D er jüngste bekannte Fall vom Juli in einer Psychiatrie in Graz zeigt es deutlich: Misshandlungen in Pfle- geheimen oder ähnlichen Einrich- tungen gibt es immer wieder. Leider. Laut Volksanwalt Günther Kräuter sei das nur die Spitze eines Eisberges. Denn nach wie vor gibt es zu wenig Personal, zu wenig Gewaltpräventi- on oder verpflichtende Supervision. Oder es fehlt einfach ein selektives Aussortieren unfähigen Personals. Meiner Meinung nach fehlt es auch an couragierten Leuten in der Pfle- ge, die solche Fälle aufzeigen. Mich wundert das aber nicht. Denn nicht selten wird der „Nestbeschmutzer“ brutal und hinterfotzig von Kolle- gen und Führungskräften hinausge- mobbt. Jedes Mittel wird da recht, um etwaiges Auffliegen und einen Skandal zu vermeiden. Täter wer- den oft geschützt, Opfer ein wenig bedauert und Aufdecker mundtot gemacht. Die Klinik oder das Heim will seine weiße Weste bewahren, der Rubel muss rollen. Was ich auch verstehe. Aber muss das auf Kosten von wehrlosen, kranken, dementen Patienten und Bewohnern sein? Gera- de solche, die sich nicht artikulieren können, müssen vielleicht den ange- stauten Frust von Brutalos aushalten! Man sollte sich eher bei Personal bedanken, das solche Gräueltaten auf- zeigt! Aber sofort zu sagen, bei uns gibt es sowas nicht, finde ich ziem- lich überheblich und ignorant. Und so viele Kontrollen kann es gar nicht geben, dass da niemand der Frau XY etwas zu Leide tun kann. Und es ist klar, dass 99,9 Prozent des Personals sehr gewissenhaft und menschlich sind. Doch eben nicht alle. Und das sind immer noch zu viele. Diese auf- zuspüren, würde die Pflegequalität und das Vertrauen in Heime immens steigern. Außerdem wäre es gut, für mehr Mitarbeiterzufriedenheit zu sor- gen. Und das geht nicht auf Befehl. Soziale Kompetenz in der Führung ist ein Muss für mich. Meine Mutter war sieben Jahre ein Pflegefall, die letzten Jahre auch schwerst dement und auf jeden Handgriff von außen angewiesen. Nicht einen einzigen Tag hätte ich sie mir in einem Heim vorstellen können. £ waltraud hirner | Kematen/Ybbs waltraud@momag.at  politik momag 367 | winter 2018/19 18 | mostviertel magazin

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