momag 368 | FEBRUAR 2019

niker werden, fand allerdings keine entsprechende Lehr- stelle und entschloss sich dazu, Elektriker zu lernen. Nach Lehre und Wehrdienst verpflichtete er sich auf fünf Jahre als Zeitsoldat. „Danach war ich LKW-Fahrer. Das war mir aber zu eintönig und durch einen Bekannten bin ich schließlich zum Industrie- klettern gekommen. In Wels absolvierte ich den Höhenar- beiter Grundkurs sowie den Aufbaukurs.“ Was muss man eigentlich mitbringen, um diesen Job überhaupt ausfüh- ren zu können? Dietmar: „Die wichtigsten persönlichen Vo- raussetzungen sind wohl be­ dingungslose Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, körperliche Belastbarkeit, ausgeprägtes Sicherheitsdenken und Ver- antwortungsbewusstsein. Sehr hilfreich sind weiters Improvisationstalent, tech- nisches Verständnis und handwerkliches Geschick.“ Arbeiten, wo sonst keiner hinwill Seit Sommer 2012 ist Diet- mar nun selbstständig und als „Kletterquaxi“ Einzelun- ternehmer. „Für das Admini- strative und die Buchhaltung ist meine Frau Cornelia zu- ständig. Sie bleibt quasi am Boden und ich gehe in die Höhe“, erklärt er lachend. Doch das nie allein, denn N ichts für schwache Ner- ven und auch nichts für Menschen mit Höhenangst. War es gar der Ötscher, der „Vaterberg“, der den sym- pathischen Lackenhofner Dietmar Haberfellner dazu inspirierte, sich beruflich in luftige Höhen zu begeben oder war er als Kind begeis- terter Zirkusbesucher und von den Hochseilakrobaten so fasziniert? „Keines von beidem“, meint er schmun- zelnd: „Ich bin gebürtiger Wiener, war aber bereits als kleiner Bub immer schon in Lackenhof Schifahren und seit 2007 wohne ich hier. Zu- dem war mein Großvater bei der Bergrettung und durch meine Mutter bin ich mit acht Jahren zum Sportklettern gekommen. Ich habe dies- bezüglich sämtliche Klet- terhallen in Wien unsicher gemacht. Höhenangst habe ich also nie gehabt. Das al- les kommt mir nun natürlich mehr als zugute.“ Doch bis zum Industrie- klettern dauerte es. Denn eigentlich wollte er Mecha- »So viele Industriekletterer gibt’s nicht in Österreich, deshalb arbeiten wir eng zusammen.« von doris schleifer-höderl  menschenbild fotos: kletterquaxi mostviertorial Genieße den Flow peter brandstetter | Petzenkirchen peter@momag.at A rbeit und Freizeit galten immer als Gegensatz. In der Arbeit muss man tun, was jemand anderer anschafft und in der Freizeit schafft man selber an. Arbeit bedeutet Müh- sal und Plage, Freizeit ist Nichtstun und Entspannung. So hat man das lange gesehen. Die Trennung kam ins Verschwimmen, als „Arbeit“ nicht mehr nur als pflichterfüllendes Ha- ckeln gesehen wurde, sondern als erfüllende Tätigkeit. Kurzum: Das, womit man recht viel Zeit verbringt und was auch das Börserl füllt, soll Spaß machen oder zumindest Zufrie- denheit stiften. Heute messen wir mit der „Work-Life-Balance“, ob wir ein zwischen Job und Freizeit ausge- glichenes Leben führen. Schon der Begriff zeigt, dass sich Einstellungen und Sichtweisen geändert haben. Die Freizeit-Orientierung, die uns gegen Ende des letzten Jahrhun- derts aus Amerika rüberschwappte, haben wir uns nur schrittweise zu eigen gemacht. Während Jane Fon- da in den 1980ern in den USA einen Fitness-Boom auslöste, verbrachten wir die Freizeit noch auf der Couch oder streiften mit dem Rasenmäher durch den Garten. Heute wird Frei- zeit aktiv genutzt; für Hobbies und für Sport. Dabei ist die Netto-Freizeit gar nicht so üppig bemessen: Japaner haben durchschnittlich 2,5 Stunden pro Tag, US-Amerikaner 3 und Ös- terreicher knapp 4 Stunden. Diente früher Freizeit zur Erholung, um für den nächsten Arbeitstag ausgeruht zu sein, stellt sie heute einen Wert an sich. Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, dass für ihre Mitarbeiter der Job nicht das einzig Wichtige ist. Ärzte stellen fest, dass Freizeit-Aktive länger gesund bleiben und dem Sys- tem weniger kosten. Versicherungen registrieren, dass mehr Unfälle passie- ren: im Haushalt, beim Heimwerken und auch beim Radeln im Wald. Was noch viele feststellen: viele machen ihren Job mit Leidenschaft und er ist auch Hobby zugleich; fast immer dann, wenn man Sinn und Erfüllung findet und wenn Kollegen und Arbeitsum- feld lässig sind. Für das Mostviertel kann man wünschen: Guten Flow in Arbeit und Freizeit! £ »Immer mehr Freizeit und immer weniger freie Zeit.« (Paul Mommertz, dt. Schriftsteller) momag 368 | februar 2019 4 | mostviertel magazin

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzY=