momag 368 | FEBRUAR 2019

Der stille Mah oder in Innenräumen. Horn ist omnipräsent und er ist Mahner ohne ausgestreck- ten Zeigefinger. Im O-Ton meint er: „Ziel meiner Arbeit ist es nicht, in heiterer Art Menschen zu unterhalten, sondern ich möchte mich mit den Problemen unserer Zeit auseinandersetzen.“ Deshalb gestaltet er monu- mentale oder fragile Plastiken für etwas, auf das man leicht vergisst oder das gerne ver- schwiegen wird, wie etwa das Slawendenkmal unweit seines Heimatortes, der na- mensgebenden Gemeinde Österreichs: Slawen hat- ten an der Urbarmachung des Ostarrichi-Kernlandes die Vorreiterrolle. Seit 1981 W enn man im zentralen Mostviertel wohnt, ist es beinahe unmöglich, nicht über eines seiner Werke zu stoßen. Es sind markante Punkte in der Landschaft, in denen die Werke von Migu- el Horn positioniert sind. An Aussichtswarten etwa oder in Kreisverkehren, an erhöhten Punkten in einer Landschaft »Der Pazifist Horn engagiert sich in seiner Kunst für Unterjochte, Ausgebeutete, Drangsalierte und Verfolgte.« Menschendarstellungen durchziehen Horns Werk  miguel horn kulturnotiz Überdosis Kultur? gerhard stubauer | St.Valentin haager@theatersommer.at K ürzlich, bei einem guten Gespräch, wurde ich gefragt, wie das ist mit den vielen verschiedenen kulturellen Veranstaltungen. Ob es davon nicht schon genug geben würde und sich die Besucher deswegen verlaufen. Eine gute Frage. Ich persönlich freue mich über ein großes kulturelles Angebot. Ein um- fangreiches Angebot in der Region – von Theater über Konzerte bis hin zu Musicals und kleinen und größe- ren Brauchtumsveranstaltungen – macht diese erst so richtig lebenswert. Oder überhaupt ein ganzes Land. Da soll, kann und darf vieles angeboten werden, um die unterschiedlichen Geschmäcker und Erwartungen der Menschen zu erfüllen. Stellen wir uns bloß einmal vor, wenn es die eine oder andere Veranstaltung, das eine oder andere kulturelle Event nicht mehr geben würde: das wäre doch eine schreckliche Fadesse, die sich über das Land ziehen würde. Ein Notstand. Kultur ist aus meiner Sicht so etwas wie der Pulsschlag, das Herz in un- serem gesellschaftlichen System und bereichert das Leben eines jeden Ein- zelnen. Und wenn die Kultur nicht nur Unterhaltung bietet, sondern auch etwas Kritisches, Anregendes und Nachdenkliches, dann leistet diese Form der Kultur auch ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung. Leider leben wir in einer Zeit, in welcher Fernsehen, Internet und son- stige „neue“ Medien die Menschen an das Zuhause fesseln und die Mo- tivation, aus den eigenen vier Wän- den zu gehen und Kultur zu genie- ßen, scheinbar immer weniger wird. Sichtbar wird das beispielsweise bei Veranstaltungen, wo immer die glei- chen Leute anzutreffen sind und manche sieht man einfach nie. Aber wie auch immer: Für die kulturellen Einrichtungen ist es wichtig, sich zu positionieren, Interessantes zu bie- ten und ihr Profil zu schärfen. Damit kann sichergestellt werden, seinen Teil zum Pulsschlag einer Region bei- zutragen. Und das von so vielen wie nur möglich. Ähnlich wie bei Globu- li kann es keine Überdosis an Kultur geben. £ 54 | mostviertel magazin

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