momag 368 | FEBRUAR 2019

 musik in einer Holzhütte. Dort wurden innerhalb von zehn Tagen vier oder fünf komplett neue Songs fertig, denen auch anzuhören ist, dass sie aus einer spielerischen Natur heraus entstanden sind. Die sind nicht „verkopft“ oder zu- sammengeflickt am Rechner. Ich habe mir in den letzten Tagen das Album mehrmals angehört, was ich vorher nie gemacht habe. Ich wollte es immer wieder hören. Das ist ein sehr positives Zeichen. Welche Inspirationsquellen nutzt du? Liest du viel? Komischerweise fragen mich voll viele, wer meine Lieb- lingsautoren sind. Das kann ich wirklich nicht sagen, weil ich mich mit Literatur gar nicht auskenne. Die Inspirati- on ist tatsächlich so eine Ar- beitsaskese, eine Obsession was die Musik angeht. Dass ich über Wochen nichts an- deres mache als zu Texten. Es klingt vielleicht einiges auch bekloppt, aber für mich ist eine tägliche Routine beim Texten wichtig. Schwer zu sagen, woher die Inspirati- on kommt. Es ist immer wie- der anders, da gibt es keine Blaupausen dafür. Oft ist es, wenn der Kopf nicht so viel nachdenkt, zum Beispiel nach einem Saufabend. Dann setz’ ich mich am nächsten Tag mit einem Kater hin und versuch’ zu schreiben. Da denkt man nicht so viel nach, die Sachen sind einem egal – dann ist es meistens ergiebiger. Ihr habt 2018 ein eigenes Festival – „Stadt ohne Meer“ – in Gießen organisiert. Wie lange hat es gedauert, das auf die Beine zu stellen? Sehr lange. Und es war auch genau in der Phase zwischen „Wir wollen Songs schreiben“ und „Es läuft nicht so gut“. Und dann war da auch noch „Das Festival findet statt“. Wir haben die Organisati- on komplett selbst in die Hand genommen, was sehr zeitintensiv war. Außerdem haben wir noch Konzerte gespielt und unser Album schreiben wollen. Das war das härteste Arbeitsjahr, das ich jemals hatte. 2019 wird es das Festival aber definitiv wieder geben. Wo siehst du die Band in fünf Jahren? Bis dahin haben wir auf je- den Fall noch zwei weitere Alben veröffentlicht und ich glaube und hoffe, dass wir immer noch relevant sind für deutsche Popmusik. Vor allem sollen wir noch Spaß daran haben. Den Spaß nicht zu verlieren, ist etwas ganz Wichtiges. £  stefan braunbarth  OK Kid haben auch für viel vor leben leben Der Weg D u sprichst von Freiheit und Ver- trauen und dochmöchtest dumich so haben, wie DU es willst. Du formst Luftschlösser und Fantasiewelten über deine Welt und leider auch über mei- ne. Du glaubst immer zu wissen, was gut für mich ist, aber die Betonung liegt auf „glaubst“! Hast du dich schon einmal gefragt, warum das so ist? Du sagst, alles sei egal und ich kann tun was ich möchte. Und doch sagst du mir ständig, was ich tun soll oder in deinen Augen anders machen sollte. Du gestaltest mich und meine Frei- zeit und kontrollierst sie, indem du mir fast keine Luft zum Atmen lässt. Du sprichst von Freundschaft oder von Liebe, doch für dich bedeutet Liebe Besitz. Du planst dein Leben, aber schlussendlich planst du meines gleich mit. Ich frage mich: Bist du es, der mich zurückhält, oder bin ich es, die sich von dir zurückhalten lässt? Sich selbst und den anderen so sein zu lassen, wie es ist, ist nicht einfach und doch einfach, denn es liegt an der Sichtweise, meiner Sichtweise. Du kannst nichts ändern und hast Stress damit, aber wozu etwas än- dern, wenn man nichts ändern kann? Schaue hin! Schaue einmal hin, dann kannst du es sehen. Verschließ’ deine Augen nicht. Dein Herz ist weit offen für alles, wirklich alles, denn es ist al- les da. Und höre hin, höre genau hin, was dein Gegenüber wirklich sagt – im Gegensatz zu dem, was du glaubst zu hören. Es ist ein großer Unterschied, ob du wirklich zuhörst, oder schon in Erwartungshaltungen und Wunsch- vorstellungen hängen bleibst und alles Mögliche hineininterpretierst. Wichtig ist auch die Ehrlichkeit zu dir selber und folglich auch zu dei- nem Gegenüber. Ich werde meinen Weg gehen, denn ich kann nur meinen Weg gehen. Ich habe es verstanden, auch wenn es nicht leicht ist, aber verstehst du es auch? Ich werde ihn gehen, den Weg MEINES Lebens und mich nicht auf- halten lassen von mir und von den anderen, denn es ist MEIN Weg und schlussendlich MEIN Leben, um das es da geht. Die Gestaltung, wie ich ihn gehen werde, obliegt allein mir und sonst niemandem. £ maria glaser | Mank leben.leben@gmx.at »Jeden Tag sammle ich Wortfetzen, die ich spannend finde und versuche, damit sprachlich was zu machen.« momag 368 | februar 2019 68 | mostviertel magazin

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzY=