momag 369 | MÄRZ 2019

Geschichte onischen und römischen Zeit gemeldet. Ich studierte dann zunächst Chemie, wechsel- te aber zur Archäologie und machte den Bachelor. Der Master steht noch aus, da ist mir die Firmengründung dazwischen gekommen“, berichtet der sympathische Mostviertler mit Hauptwohn- sitz in Wien, der seit einem Jahrzehnt auch an den Aus- grabungen der fürstlichen Siedlung von Vix in Frank- reich, rund 50 Kilometer von Dijon entfernt, mitarbeitet. Das Grab gehört zu einer umfangreichen Ansiedlung im Übergang von der Spät- hallstatt- zur Frühlatènezeit und wird etwa um das Jahr 500 v. Chr. datiert. Zurzeit ist Gerald Raab damit beschäf- tigt, die gesamten Daten 3D- mäßig zu erfassen. ...wer ein Meister werden will. Ihm gehe es darum, Kultur- gut für nachfolgende Ge- nerationen zu bewahren. S chon mit Fünf faszinierten Geschichte und Archäo- logie den kleinen Gerald, in späterer Folge kam noch In- formatik hinzu. Früh übt sich... Die „Was ist was“-Buchreihe hat ihn auf den Geschmack gebracht. Heute zählt der 32-jährige Waidhofner Wirt- schaftsinformatiker und Ar- chäologe zu den führenden heimischen Experten, die bildbasierte Lösungen für Wissenschaft, Technik und In- dustrie anbieten. Gemeinsam mit dem Archäologen Ronny Weßling und dem Archäo- logen und Geoinformatiker Roman Skomorowski grün- dete er vor drei Jahren das Unternehmen „Crazy Eye“. Doch der Reihe nach. Nach der Unterstufe des Gymnasiums in Waidhofen/ Ybbs wechselte er an die HTL. „Bereits da habe ich mich zu freiwilligen Grabungen auf der Keplerwiese am Linzer Schlossberg aus der napole- »Dank neuester Technologien muss man heute nicht alles ausgraben, um Vergangenes neu erstehen und sowohl für die Wissenschaft als auch für die breite Öffentlichkeit nutzbar zu machen.« von doris schleifer-höderl gerald raab Domplatz- Archäologie St.Pölten. Ausgrabungen gehen in die letzte Saison Domplatzes bedingt waren, erfordern Ersatzmaßnahmen und müssen vom Bundesdenkmalamt bewilligt werden. Das waren in diesem Fall archäolo- gische Grabungen, die Dokumenta- tion aller Funde, sowie die Erfassung, Konservierung und Bewahrung aller beweglichen Teile, die nach wie vor unter Denkmalschutz stehen. Die Grabungen erbringen einzig- artige Erkenntnisse bezüglich der rö- mischen und mittelalterlichen Sied- lungsgeschichte St.Pöltens. Neben der einzigartigen spätantiken Badeanla- ge ist die älteste frühmittelalterliche Kirche auf niederösterreichischem Boden besonders hervorzuheben. Eine raschere Abwicklung der Gra- bungsarbeiten wäre technisch nicht möglich und auch gar nicht sinnvoll gewesen. Die gewählte Vorgehens- weise brachte den Vorteil, dass die Einbauten erneuert werden, der Domplatz nachhaltig neu gestaltet werden kann und St.Pölten mit den gewonnenen archäologischen Er- kenntnissen international punktet, so Bürgermeister Matthias Stadler. £ stadtmuseum st.pölten I m Vorjahr wurden im Zuge der Vorarbeiten zur Neugestaltung des Domplatzes archäologisch in- teressante Entdeckungen gemacht. Bis zum Ende dieses Jahres soll die Erkundung nun abgeschlossen sein. Den römerzeitlichen und mittelalter- lichen Bauresten sowie dem mittelal- terlichen Friedhof am Domplatz von St.Pölten kommt eine nicht nur stadt- historische, sondern auch überregi- onale geschichtliche und kulturelle Bedeutung zu. Unumgängliche Eingriffe, wie sie durch die geplante Neugestaltung des momag 369 | märz 2019 10 | mostviertel magazin

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