momag 369 | MÄRZ 2019

erstellt – von den Pfahl- bauten im Attersee und im Mondsee über den archäo- logischen Arbeitsstollen im Christian-von-Tusch-Werk im bronzezeitlichen Salz- bergwerk Hallstatt bis hin zum antiken Hafen von Vix und dem Pyramidenfriedhof Meroe im Sudan. Seit 2017 arbeitet Ger- ald Raab auch mit seinem Schulkollegen und sehr gu- ten Freund, dem Waidhof- ner Medientechniker und Designer Wolfgang Rech- berger, eng zusammen. „Er entwickelt und gestaltet unter anderem digitale und analoge Kommunikationsin- strumente für Unternehmen und Kultureinrichtungen, von Websites bis hin zu multime- dialen, interaktiven 3D-An- wendungen.“ So wurde mit Partnern gemeinsam für die Sonderausstellung „krieg. auf den spuren einer evolution“ des Naturhistorischen Muse- ums Wien mittels interak- tiver Station die Geschichte der gefallenen Soldaten der Schlacht am Wagram erstellt. Zurzeit ist Gerald Raab da- mit beschäftigt, Daten über die Burg Konradsheim in Waidhofen an der Ybbs zu- sammenzusuchen. „Bekannt- lich hat ja Graf Konrad II aus dem alten Adelsgeschlecht Peilstein hier im 12. Jahr- hundert eine Burg erbauen lassen. Ich versuche, die ein- stigen Bereiche der Burg zu lokalisieren, zu erfassen und virtuell darzustellen. Den Weg zum einstigen Stand- ort der Burg gibt es noch. Mit den gesammelten Da- ten kann man dann mittels App die Burg wieder virtuell besichtigen.“ Warum ist Ger- ald eigentlich so wichtig, die Welt von einst für jedermann von heute wieder sichtbar zu machen? „Weil ich da- von überzeugt bin, dass nur das Visuelle vom Menschen tatsächlich erfasst werden kann. Geschichtliche Zusam- menhänge werden dadurch verständlicher und vielleicht ist es ein Schritt in die Rich- tung, aus der Geschichte zu lernen.“ £   menschenbild fotos: gerald raab Rekonstruktionen in 3D aus dem Hause Crazy Eye (links), sowie Gerald Raab an einem „ganz normalen“ Arbeitstag (rechts)   Im Zuge seiner Arbeit bereist Gerald Raab die unterschiedlichsten Orte der Welt. web | crazyeye.at raabenweib Fernsehen ade W enn es Abends ganz still ist und um 21 Uhr schon alle in ihren Betten liegen, dann denke ich an die Zeit, als wir noch bis weit nach Mit- ternacht vor der Glotze hockten. Was haben wir damals herumgeschaltet in den Werbepausen, haben dann ande- re Sender mit irgendeinem Schmarrn entdeckt und darüber vergessen, wo wir eigentlich vorher waren. Dann wurde wieder durch alle Sender ge- stöbert, bis wir – „ach ja!“ – den Film wiedergefunden hatten, den wir ei- gentlich sehen wollten. Und kaum fünf Minuten später war schon der nächste Werbeblock dran. Wie schlecht uns geworden ist angesichts der ganzen politischen Streitsendungen, wo er- wachsene Menschen sich benommen haben wie die Kindergartenkinder und sich gegenseitig runtermachten und beschimpften. Und diese vielen Wiederholungen! Man kannte ja prak- tisch eh schon alles, und konnte teil- weise schon mitreden. Und wie wir uns geärgert haben, wenn wieder einmal eine Dachlawine die Schüs- sel verbogen hat und wir kein Bild hatten. Ja, wir hatten einige Sieben- schläfer am Dachboden, die Nistma- terial suchten und offensichtlich die Kabel angenagt hatten. Aber irgend- wann waren die Siebenschläfer von der Katze aufgefressen und heute ist es herrlich still. Sowohl am Dachbo- den als auch in der Stube. Ich gebe zu, wir wollten die „hi- niche Schissl“ eh reparieren lassen, wir hatten schon einen Termin mit dem Elektriker, wir saßen schon in der Stube und warteten vergeblich, er kam einfach nicht. Und dann deu- teten wir das als Omen und haben es bleiben lassen. Nun thront die Schüs- sel schon seit einem Jahr nutzlos über der Haustür und erinnert an eine Zeit, als wir noch jeden Abend weggetre- ten waren. Und nach einem Jahr ohne Fernsehen können wir nun sagen: Wir vermissen gar nichts. Wir ersetzen die freie Zeit einfach mit Brettspie- len, oder gehen früher schlafen und träumen unsere eigenen Filme. Die wirklich guten, sehenswerten Filme kann man sich ja auch ganz ohne Streithansln oder Werbung andern- orts ansehen. Peace! £ sonja raab | Opponitz sonja@momag.at www.raabenweib.de momag 369 | märz 2019 12 | mostviertel magazin

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