momag 369 | MÄRZ 2019

Weniger Müll-Feld). Tut sich die Fra- ge auf, wie groß „groß“ ist? Neunzehnmal die Fläche von Österreich! Plastikrückstän- de wurden bereits in Meeres- schildkröten, Robben, Walen und Vögeln gefunden, um nur einige Beispiele zu nennen. Natürlich findet das bestän- dige Material auch seinen Weg in den Fisch und in die Krustentiere, und damit in die menschliche Nahrungs- kette (wenngleich dies nicht unsere größte oder gar ein- zige Sorge sein sollte). Plastik ist nicht gleich Plastik Jeden Kunststoff von jetzt auf gleich zu verdammen und aus dem Verkehr zu zie- hen macht natürlich weder Sinn, noch ist es überhaupt durchführbar. Ganz wichtig ist es, primär da anzuset- zen, wo Artikel vermeidbar aus Plastik hergestellt oder – ein ganz wichtiger Punkt – in Plastik verpackt werden. Jeder, der einen kurzen Mo- ment in sich geht, wird als größten überflüssigen Müll- verursacher wohl mühelos Einwegprodukte aus Plastik erkennen. Werfen wir doch einen Blick in unser Umfeld: Trinkhalme, Trinkbecher, Be- steck, Wattestäbchen, Weg- werfteller, Einwegbehälter – und diese Liste erhebt bei Weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit, man denke beispielsweise an die rund- herum in Kunststofffolie ein- geschweißte Bio-Salatgurke. Die Besorgnis darum, dass in absehbarer Zeit un- ser schöner Planet in Müll- bergen versinkt, macht sich natürlich nicht nur in den Köpfen einzelner Umwelt- aktivisten breit. So wurde im Vorjahr im EU-Parlament bereits beschlossen, dass die oben genannten Einweg- produkte bis 2021 aus den Märkten verschwinden müs- sen. Andere Artikel, für die es keine direkte Alternative gibt, müssen bis 2025 zumin- dest um ein Viertel reduziert werden. Dazu zählen zum Beispiel Plastikbehälter für Obst, Gemüse und Speise- eis oder Sandwich-Behälter. Raucher (schon wieder) am Pranger Wahrscheinlich nicht ganz so bekannt ist die tragende Rol- le, die in diesem Zusammen- hang Zigarettenfilter spielen. Eine einzige weggeworfene Kippe kann zwischen 500 und 1.000 Liter Wasser ver- schmutzen. Wer sie einfach auf der Straße entsorgt, sei nun informiert: sie wird bis K unststoff ist ja im Grunde ein extrem praktisches Material. Unheimlich viel- seitig lässt es sich einsetzen. Wen wundert es da, dass der Mensch in der vergangenen Zeit richtig euphorisch damit umgegangen ist. Und heute haben wir den synthetischen Salat: die Müllberge werden immer höher, denn der künst- lich hergestellte Werkstoff braucht Jahrhunderte, bis er vollständig abgebaut ist. Ganz nebenbei werden auch die Erdölressourcen, die zur Herstellung des Wunderwuz- zistoffs benötigt werden, zu- nehmend knapper. Laut EU-Kommission sind mehr als 80 Prozent des Mülls, der in den Meeren (sein Un- wesen) treibt aus Kunststoff. Aufgrund der langen Verrot- tungsdauer häuft sich der Plastikmüll in den Ozeanen, Meeren und Strändenweltweit an – wir alle kennen sie, die Schrecken erregenden Bilder, die in den sozialen Medien kursieren. Zwischen Norda- merika und Asien schwimmt im Nordpazifik der Great Pacific Garbage Patch (zu Deutsch: das große Pazifik- »Die besten Abfälle sind jene, die gar nicht erst entstehen.« LAbg. Anton Kasser und LR Stephan Pernkopf panoptikum Alle Lösungen sind schon da simon roth | Purgstall simon@momag.at W ir haben Genome so weit ent- schlüsselt, um uns im Labor zu reproduzieren. Gewinnen mittels Erdwärme unendlich Energie. Sind an jedem Ort der Welt miteinander verbunden. Wir bezeichnen uns als höchstentwickelte Spezies auf dem Planeten – und wollen friedlich mit- einander leben. Oder? Naja. Richtig friedlich leben Tiere auch nicht miteinander. Stichwort „fressen und gefressen werden“. Und vielleicht ist es auch so einfach: Im Grunde sind wir Tiere, mit einem hö- heren Bewusstsein zwar, aber eigent- lich Tiere, die sich auf Basis einer Jä- ger/Gejagten-Mentalität organisieren. Logik à la Trump/Kickl/Orban. Dieser wiederentdeckte Habitus hat einen neuen Namen: rohe Bürgerlichkeit. Oder: „Jo, eh.“ – Die Antwort auf Bodenübernutzung, Erdölverbren- nung, 12-Stunden-Arbeitstag, So- zialhilfe. Hauptsache mein „Gerstl“ stimmt. Währenddessen entpuppen sich groß angekündigte Reformen, die Milliarden an Einsparungen brin- gen sollten, als halbgare Konzepte, die sogar noch Mehrkosten bringen. Wirkliche Lösungen werden nicht um- gesetzt, Scheingefechte geführt. Zur Ablenkung von all den gebrochenen Versprechen wird halt jetzt die Ein- führung von Präventivhaft diskutiert. Die jüngsten Umschichtungen in der Familienbeihilfe bringen den ein- kommensschwächsten Familien mo- natlich knapp 50 Euro weniger. Das Signal ist klar: Streng dich an, dann kriegst du mehr. Manche schaffen’s halt nicht – „jo, eh“. Parallel dazu wird dem saudischen König mal schnell ein Lipizzaner geschenkt. Dabei führt langfristig kein Weg daran vorbei: am bedingungslosen Grundeinkommen. Geld, das einem als Mensch zusteht, um die Grund- bedürfnisse zu decken. Miete, Nah- rung, Kleidung nicht als Bittsteller zu erhalten, sondern aus Respekt und mit Wohlwollen. Das dazu laufende Experiment in Finnland zeigt: weni- ger Stress, höhere Bereitschaft, Auf- gaben im Gemeinwesen zu überneh- men und steigendes Selbstwertge- fühl. Finanzierbar mittels gerechtem Steuersystem – ohne Probleme. Alle Lösungen sind schon da, ja. Aber es verdienen offensichtlich sehr viele sehr gut daran, diese nicht in Angriff zu nehmen. £  umwelt colourbox.com momag 369 | märz 2019 26 | mostviertel magazin

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzY=