momag 369 | MÄRZ 2019

Special für Ent hören. Denn sonntags ist im- mer Familientag im Museum Niederösterreich. Schildkröten und echte Gletscher Der Himmel ist bewölkt, die Sonne verschwunden und die Luft dank des Windes eisig kalt. Perfekt, um den Tag im Museum zu verbrin- gen – besonders mit einem wissbegierigen Kind, das Tiere liebt. Links geht’s ins Haus der Geschichte, rechts in das Haus für Natur. Mein Sohn Julian entscheidet sich natürlich sofort für rechts und stürmt hinein. Wohlig warm bieten sich mehrere Ebenen zum Entdecken an – die Flora und Fauna Nie- derösterreichs in geballter Kraft! Viele kleine Besucher huschen bereits herum. Und alle haben dasselbe Ziel wie Julian: die tierischen Bewoh- ner hinter den Glasscheiben zu entdecken. Im Wasser ist das nicht schwer, denn die großen Welse oder der be- R egungslos sieht man die Spinne auf der riesig groß- en Leinwand. Der Biologe geht mit einem Zeigestab nach vor und erklärt, warum diese Spinne ein Weibchen ist und kein Männchen. Und dass der weiße Fleck auf der dunklen Spinne die Lunge ist. Und plötzlich kommt Bewegung rein: die Spinne rührt sich. Am anderen Ende des Raums hält ein weiterer Biolo- ge das Tierchen im Zaum. Zwei Stun- den zuvor fingen die beidenMänner die Spinne im Kel- ler des Museums, um den kleinen Besuchern im Mi- krolabor zu zeigen, wie das Krabbeltier aus der Nähe aussieht. Das Thema wechselt jeden Sonntag, dieses Mal steht die „Mode“ im Tierreich im Mit- telpunkt. Es sind vor allem Kinder, die gebannt auf die Leinwand schauen und zu- »Was liegt da unter dem Mikroskop? Ist es eine Biene? Oder doch eine Wespe?« von daniela rittmannsberger fotos: daniela rittmannsberger mostviertorial Marmelade allein zu Haus peter brandstetter | Petzenkirchen peter@momag.at G arteln ist hip, zuhause kochen cool; Hauben stricken nach You- tube-Tutorials und eigene Marmela- de machen; total aktiv sein und den Freundeskreis pflegen. Was wir auch machen, es hat immer mehr mit uns selbst zu tun, und weniger mit der Gesellschaft um uns. Es hat was von einer Blase, in der viele leben. Etwas inzestuös, weil alle, die unseren Krei- sen angehören, recht gleich sind: vom G’wand über Hobbys bis zu Einkom- men und Einstellungen. Und natür- lich glaubt jede Gruppe, ihre Art zu leben sei wahr und richtig. Der Rückzug ins Private geht Hand in Hand mit der Beschäftigung mit sich selbst: Ich tue mir was Gutes und pflege meinen Lifestyle, ich zeig’s meinen Freunden und jenen, die es noch werden sollen, aber dann ist auch schon Schluss! Was draußen in der Welt vor sich geht, davon wol- len immer weniger wissen. Solange die Marmelade mit Bio-Butter auf dem Bauernbrot schmeckt, reicht uns ein Kopfschütteln über die Din- ge außerhalb der eigenen vier Wän- de und wir machen schnell die Türe zu. Das biedermeierartige Abkap- seln geht einher mit wachsendem Unverständnis für jene, die nicht so sind wie man selbst. Wir pendeln zwischen optischer Selbstoptimie- rung und gemeinschaftlicher Kaf- feejause im Kuscheleck, im Paarlauf von knuddeliger Wollsocken-Ethik und Instagram-Ästhetik. Wir engagieren uns gerne dort, wo es uns selber was bringt und weniger gern für die Gesellschaft; also mehr für die Kunstgalerie als für die Feuer- wehr, eher für den Shabby Chic-Werk­ raum als für Gemeindepolitik. Dabei treffen wir halt nur Unseresgleichen. Auch wenn wir global vernetzt sind, pausenlos online und ständig kom- munizieren: Wir lernen nix Neues mehr kennen. Was wir sehen, kommt aus einem der vielen Spiegel, die wir montiert haben, wo unsere eigene Welt zur Bestätigung herauslacht. Entwicklungen und Fortschritt kön- nen aber nur gut in der Auseinander- setzung mit anderen entstehen. Wir müssen dranbleiben am Austausch und Durchmischen, am Diskutieren und Streiten; erst durch diese Reibung entstehen Kleber und Kitt, die die Gesellschaft zusammenhalten. £ momag 369 | märz 2019 4 | mostviertel magazin

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