momag 369 | MÄRZ 2019

Unerbittlicher Provokateur web | thomasbernhard.at dem Tor hinaus will, sitzen die Leute auf der Mauer. Sie wollen mit mir reden, sagen sie. Oder die Leute gehen am Wochenende, wie sie früher Affen schauen gegangen sind, jetzt Dichter schauen. Sie fahren nach Ohlsdorf und umstellen mein Haus. Ich schaue dann wie ein Sträf- ling oder wie ein Verrückter hinter dem Vorhang hervor. Unerträglich.“ Literarischer Übertreibungskünstler Thomas Bernhard zählt zu den bedeutendsten deutschspra- chigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er hat die Kunstform des Schimpfens auf die Spitze A uf manchen Fotos lächelt er. Man könnte es für lie- bevoll halten, doch ist es wohl eher nachsichtig-spöttisch. Schließlich ist Thomas Bern- hard bekannt als Misanthrop, als „Missmutmanierist“. Auf seinem Anwesen in Ohls- dorf bei Gmunden konnte er eigentlich nicht normal leben. Die Überfälle seien dort unerträglich, erzähl- te er einmal. Wenn er nicht gleich öffnete, wurden die Leute bösartig und schlugen die Fenster ein. „Zuerst“, so Bernhard, „klopfen sie, dann rufen sie, dann schreien sie und dann hauen sie die Fen- ster ein.“ Weil er so blöd war und die Adresse bekannt gab. „Schon früh, wenn ich aus von robert voglhuber Thomas Bernhard zählt zu den bedeutendsten österreichischen Schriftstellern. Er wurde 1931 in Heerlen in den Niederlanden als Sohn von Herta Bernhard und Alois Zuckerstätter geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre bei den Großeltern mütterlicherseits. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre und veröffentlichte unter dem Pseudonym Thomas Fabian 1950 seine erste Er- zählung „Das rote Licht“ im Salzburger Volksblatt. Es folgten zahlreiche Publikationen, bis ihm 1963 mit dem Roman „Frost“ der literarische Durchbruch gelang. 1964 erhielt er den Julius-Campe-Preis für seine Erzählung „Amras“, 1965 wurde ihm der Literaturpreis der Hansestadt Bremen verliehen. 1968 wurde er mit dem sogenannten Kleinen Österreichischen Staatspreis und dem Anton-Wildgans- Preis ausgezeichnet. Seine Werke fanden Einzug ins Theater, es folgte 1970 der Georg-Büchner-Preis sowie 1972 der Franz-Theodor-Csokor-Preis, der Grillparzer-Preis und der Adolf-Grimme-Preis, 1974 der Hannoversche Dramatikerpreis. 1976 der Literaturpreis der Österreichischen Bundeswirtschafts- kammer, 1982 der Premio Letterario Prato, 1983 der Premio Letterario Internazionale Mondello, 1987 der Antonio-Feltrinelli-Preis, 1988 der Prix Medicis. Sein Werk zählt zu den bedeutendsten schriftstellerischen Leistungen des 20. Jahrhunderts und reicht von Romanen über Gedichte und Erzählungen bis zu Theaterstücken. ZUR PERSON Thomas Bernhard Gedenkjahr. Der Staatsfeind und Staatskünstler übte sich in der Ästhetik des Schimpfens, er starb im Februar 1989  literatur kulturnotiz Land der Kultur gerhard stubauer | St.Valentin haager@theatersommer.at W as man gewiss über Nieder­ österreich sagen kann, ist, dass hier Kultur wirklich gelebt, gemacht, entwickelt und gefördert wird. Da braucht das flächenmäßig größ- te Bundesland keinen Vergleich zu scheuen. Auch verglichen mit der Bundeshauptstadt Wien, gibt es in Niederösterreich ein überproportio- nal großes Kulturangebot. Sei es aus den Genres Musik, Bühne, Volkskultur oder anderen kulturellen Aktivitäten. Der große Dramatiker Johann Nepo- muk Nestroy hat einst gesagt: „Kultur beginnt im Herzen jedes Einzelnen“. Und davon gibt es einer Studie zufol- ge in Niederösterreich knapp 80.000 Menschen, deren Herz ehrenamtlich für Kultur und Bildung schlägt. In jeder einzelnen der 573 Gemeinden wird Kultur gelebt und das strahlt Lebens- kraft aus und bietet den Menschen Entwicklungs- und Entfaltungsmög- lichkeiten. Das ist vor allem auch dem Land Niederösterreich und zukunfts- orientierten Politikern zu verdanken, welche den Wert der Kultur erkennen und diese Initiativen auch dement- sprechend fördern. Und das ist gut, denn nur mit der Unterstützung des Landes kann aktive und abwechs- lungsreiche Kulturarbeit funktionie- ren. Im Übrigen kommt jeder in die Kultur investierte Euro ohnehin auch wieder mehrfach retour. Um einmal Danke an die in der Kultur tätigen Menschen zu sagen, hat die Kultur.Region.Niederöster- reich die Aktion „Kulturfreundlichste Gemeinde im Bezirk“ initiiert. Dabei werden die Bandbreite des regionalen Kulturangebots, nachhaltige Kultur- vermittlung, Feste- und Feierkultur, Kultur an ungewöhnlichen Orten sowie die Zusammenarbeit mit ehrenamt- lichen Kulturschaffenden bewertet. Für das Jahr 2018 haben diesen Titel in der Region Mostviertel folgende Gemeinden gewonnen: Stadt Haag für den Bezirk Amstetten, die Stadt Melk für den Bezirk Melk und Reins- berg für den Bezirk Scheibbs. Über- reicht wurden die Auszeichnungen Ende Februar. Gratulation! £ momag 369 | märz 2019 46 | mostviertel magazin

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