momag 371 | MAI 2019

...bei NR Georg Strasser , Präsident des Österreichischen Bauernbundes Nachgefragt... Die Klimaveränderung ist massiv spürbar – auf unseren Feld- ern und im Betriebsergebnis. Nur wenn wir die Landwirt- schaft ganzheitlich denken, können wir uns an veränderte Klimabedingungen anpassen. Dabei sehe ich die österrei- chische Wirtschaftsweise nicht als Problem, sondern viel- mehr als Teil der Lösung. Wir suchen gemeinsam mit Wis- senschaft und Praxis nach lebensnahen Ansätzen. Etwa die Züchtung neuer Sorten – ob im Grünland, am Acker oder in der Waldbewirtschaftung. Wasser- und ressourcensparende Bodenbearbeitung, Beratung bei Schädlings- und Naturka- tastrophen, Versicherungsmodelle oder langfristige Um- weltmaßnahmen, um Eckpfeiler zu nennen. Die Politik kann und muss vorausschauend Maßnahmen setzen, fehlende Niederschläge werden wir aber nicht ersetzen können. £ Welche Lösungsansätze werden beim Bauernbund oder in der Politik zu der Thematik diskutiert? philipp monihart se bis Oktober. Die Vermeh- rungsmöglichkeit ist deutlich höher. Der Borkenkäferbefall gerät ins Unkontrollierbare. Das verursacht riesige Schä- den, einen Preisverfall bei Schnittholz und Verzweif- lung bei den Waldbesitzern. Es kommt zu großflächigen Verlusten, denn die Fichte ist die hierzulande am häu- figsten gepflanzte Baumart. Weiters kommt es zu einer Zunahme der Schäden durch Stürme, Schnee oder Wald- brand. Kaum eine Baumart ist noch wirtschaftlich. Protestbewegung entsteht Bei den Bauern herrscht Ratlosigkeit und Staunen, wie schnell der schon lan- ge diskutierte, aus ferneren Gegenden kolportierte Kli- mawandel auf einmal unse- re Felder, Wälder und Höfe zu überrollen beginnt. Wie man mit den Wetterextremen umgeht, bleibt fraglich. Mo- mentan dreht sich vieles eher um Schadensbehebung, als aktiv zu reagieren. Die Land- wirte sind auch von den neu erhöhten Einheitswerten ge- trieben – es muss mehr Geld hereinkommen. Abgaben sind zu leisten, auch wenn keine Ernte eingefahren wird. So- wohl in der konventionellen Landwirtschaft, als auch im Biolandbau sind viele am Ende der Weisheit. Lösungsansät- ze auf breiter Basis werden benötigt. Die Landwirtschaft ist aber nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Ein großer Teil der durch den Menschen verursachten Treibhausgase stammt aus der Landwirtschaft. Aktuell hat ein Bericht aufgezeigt, dass Insekten auf dem Weg sind, auszusterben. Vor allem die colourbox.com Landwirtschaft habe in den letzten 60 Jahren dazu bei- getragen: durch den Verlust von Lebensraum, sowie durch den Einsatz von Pestiziden. Die größte Auswirkung habe das Insektensterben auf Vö- gel, Fische, Fledermäuse und Igel. Ohne diese Nahrungs- quelle verenden diese Tiere. Das Insektensterben führe zu einem „Kollaps der Natur“. Die heutige Nahrungsmittel- produktion hat so also kata- strophale Auswirkungen auf die Ökosysteme. Nun gilt es, Emissionen zu reduzieren und Anpas- sungsmaßnahmen zu tref- fen. Eine Landwirtschaft zu fördern, die Natur, Tier und Mensch in den Mittelpunkt stellt und Landwirten ein faires Auskommen ermög- licht. Welche Produkte wer- den künftig wo am besten gedeihen? Welche Chancen ergeben sich? Veränderte Ernährungsgewohnheiten und die Möglichkeiten der Digitalisierung erfordern Pioniergeist und Experi- mentierfreudigkeit. Wie die Gesamtwirtschaft, befindet sich auch die Landwirtschaft in einer Zeit des Umbruchs. Rasche und einschneidende Maßnahmen sind nötig. So- lange die jährliche Emission von Treibhausgasen nicht auf einen Wert reduziert wird, der unter jener Menge liegt, die Boden, Pflanzen und Oze- an speichern können – also um mindestens die Hälfte der derzeitigen Emissionen –, solange steigt die Treib- hausgaskonzentration und damit auch die Temperatur weiter. Zur Eingrenzung der Aus- wirkungen des Klimawandels ist ein konsequenter, allum- fassender Systemumbau er- macht´s! BERNHUBER ÖVP 1 Bernhuber Österreichische Volkspartei Am 26. Mai ÖVP ankreuzen und BERNHUBER reinschreiben: forderlich. Eine internationale Protestbewegung ist gerade im Entstehen. Angesichts von Regierungen, die keine ambitionierten Klimaschutz- Ziele verfolgen, ist es absolut angebracht, sich zu erheben. Auch in Österreich sind im März erstmals Zehntausen- de junge Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gegangen, um ein Zeichen zu setzen und eine bessere Um- weltpolitik zu fordern. £ momag 371 | mai 2019

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