momag 372 | JUNI 2019

Diabetes Typ 1. Seit neun Jahren lebt Anita Weinberger aus Weistrach mit dieser Diagnose – nun gibt sie in einem beeindruckenden Buch wertvolle Tipps für Diabetiker und alle, die es nicht werden wollen. Kindern hatte ich zirka ab der 26. Woche Schwanger- schaftsdiabetes und musste Insulin spritzen. Demmaß ich aber kaum Bedeutung zu, da laut Statistik jede zehnte Frau betroffen ist.“ Als die Kinder ein paar Jahre alt waren, fühlte sich Anita meistens nach dem Mittagessen immer richtig gerädert. Dazu kamen Heiß- hungerattacken auf Süßes. „Bei einer Untersuchung 2008 waren meine Blutzu- ckerwerte zwar im obersten Grenzbereich, passten aber sonst. Nur zwei Jahre später aber war alles anders und jenseits der 600 mg/dl – nor- mal wären 90 bis 140.“ Ani- ta musste ins Krankenhaus. Nach fünf Tagen kam sie, auf Insulin eingestellt und ein- geschult, wieder nach Hau- se. „Ich musste nun lernen, Insulin, Essen, Bewegung, Blutzuckerschwankungen, Familie, Haus und Beruf in Einklang zu bringen.“ Schlüsselwörter: Ernährung und Bewegung Diabetes Typ 1 ist eine Au- toimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr herstellen kann und es daher nötig ist, dieses zeitlebens zu ersetzen. „Ich erkannte rasch, dass es nichts bringt, mit dem Schicksal zu hadern. Mit meinem Vater als Vorbild kriegte ich mich rasch ein. Weil ich sah, dass Diabetes nicht Diabetiker- fuß, Übergewicht, Durch- blutungsstörungen, Organ- schäden oder sonstige Spät- folgen heißen muss. Mein Vater ist jetzt 66, seit dem 18. Lebensjahr, also seit 48 Jahren, hat der Diabetes Typ 1 – und dennoch eine super Lebensqualität. Er achtet auf seine Ernährung und macht regelmäßig Bewegung. Ent- scheidend ist, gut auf sich zu schauen und konsequent zu bleiben.“ An fünf Tagen in der Woche betreibt Anita ausreichend Bewegung, an den beiden restlichen Tagen geht sie es Schicksal  Ausreichend Bewegung zu machen und dies an fünf Tagen der Woche ist für Anita Weinberger unerlässlich.  menschenbild »Ich musste lernen, Insulin, Essen, Bewegung, Blutzuckerschwankungen, Familie, Haus und Beruf in Einklang zu bringen.« etwas gemütlicher an. Und: „Ich bin ein Genussmensch“, gesteht sie. „Ich halte so gut wie gar nichts von Verboten oder Zwängen, vom Müssen. Davon, dass man etwas nicht essen, trinken oder tun darf, oder von sportlichen Quäle- reien. Ich esse auch einmal in der Woche ein Stück Torte mit Schlagobers. Die Dosis macht das Gift. Entscheidend ist auch die persönliche Ein- stellung.“ Um einen gesun- den Lebensstil zu pflegen, ist nicht viel notwendig und man muss sich auch nicht ständig alles verbieten. Deshalb hat die sympathische Weistrache- rin all ihre Gedanken, Tipps und Tricks des Diabetiker- Alltags in nur fünf Monaten in den Computer getippt und vor Kurzem ist „Danke Dia- betes“ im Ennsthaler Verlag erschienen. „Es ist quasi ein »Ätsch« an das Schicksal, weil sich durch Diabetes mein Lebens- stil erheblich verbessert und meine Lebensfreude sowie persönliche Belastbarkeit extrem erhöht haben. Ohne Diabetes wäre ich vermutlich ein hoffnungsloser Couch- Potato geworden.“ Krankheit könne man auch als Chance sehen, meint Anita. „Zudem möchte ich dazu motivieren, positiv an Schicksalsschläge heranzugehen.“ Mit ihrem Buch möchte sie Mut ma- chen und aufzeigen, dass man nie auslernt. „Was ich in den letzten neun Jahres alles über mich und meinen Körper lernen musste, hätte ich mir nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können. Und gelernt zu haben, das Beste aus der Sache zu ma- chen, das Hier und Jetzt zu genießen und trotz allem so viel Freude wie möglich zu haben – dafür bin ich dank- bar!“ £ momag 372 | juni 2019 mostviertel magazin | 21

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