momag 372 | JUNI 2019

G ar nicht wahr! Überhaupt kei- ne Rose hat Dornen. Dornen sind nämlich umgebildete Organe, wie beispielsweise Blätter. Dies ist bei Kakteen der Fall. Stacheln hingegen sind Auswüchse aus der Haut – wie zum Beispiel das pieksende Etwas der Rose. £ Every rose has its thorn... ausstellung| „Stechen. Kratzen. Beißen. – Mit den Waffen der Natur“ Museum Niederösterreich, Kulturbezirk 5, St.Pölten Di–So/Ft 9–17h, 02742 908090, info@museumnoe.at www.musuemnoe.at sommerfest | 7.6. ab 16h, 8.6. ab 10h „Sind im Garten“ – mit Chillout-Oase, DJ Line, Weltchor, House Running, Minigolf, Street Food u.v.m. Nische zu meiner Rechten entdecke ich dann aber das Bild einer Gelse. Der bloße Gedanke an die bevorste- hende Sommerzeit und die lästigen Viecher weckt schon die Kampflust in mir, und passend dazu stellt mir Erich Steiner, wissenschaftlicher Leiter des Naturbereichs im Museum und mein geschätz- ter Fachguide für diesen Be- such, die Frage: „Welche Waf- fe würden Sie wählen, wenn Sie eine Gelse wieder einmal so richtig nervt?“ Verschie- dene Alternativen stehen zur Verfügung: Gelsenspray, also Chemie. Dann eine mecha- nische Waffe, die Fliegenklat- sche (Info am Rande: auch der „Fliegenpracker“ ist dem Duden durchaus ein Begriff). Moskitonetz, die Taktik. Oder, wenn auch witzig-absurd: rot-weiß-getupftes Bettzeug und Schlafgewand, um den E igentlich haben alle Aus- stellungen imMuseumNie- derösterreich ihren Fokus auf Regionales und Nationales. Das aktuelle Sonderthema regte die Kuratoren Erich Steiner, Christian Dietrich und Norbert Ruckenbauer jedoch dazu an, ihre Fühler weit über die österreichischen Grenzen hinaus auszustre- cken. Das Ergebnis kann sich sehen, erfahren, erleben las- sen. Alles, das unser Gehirn mit Inhalten füllen möchte, muss zuallererst etwas ero- bern: unsere Aufmerksam- keit. Das gelingt in diesem Beispiel auf jeden Fall mit der überdimensional groß- en Wespe, die über dem Ein- gang zur Sonderausstellung schwebt und angriffslustig ihren Stachel präsentiert. Das Tier beeindruckt mich, aber so ganz gefesselt bin ich noch nicht. In der ersten museum niederösterreich von michie könig  natur Nur die Harten kommen durch panoptikum Mai-Wacht simon roth | Purgstall simon@momag.at W elch Zauber diesem Wonnemo- nat innewohnt, das spürte schon Paris im Jahr 1789, Buenos Aires 1810 und Dresden 1849. Mittels damals blu- tiger Mai-Revolutionen verhalf sich die ausgebeutete Bürgerschaft zu heute selbstverständlichen Grundrechten. Im Jahr 2019 verlaufen die Umstürze anders. Statt Heugabeln beenden Vi- deos jetzt Karrieren käuflicher Polit- Darsteller. Politiker nenne ich solche Menschen gar nicht mehr. Höchste Zeit, dafür ein grundlegendes Be- rufsbild zu formulieren – so würde es erst gar nicht zu derartigen Fehl- besetzungen kommen. Aber gut. Zu- rück zur Causa Prima. Alles neu macht der Mai. Das sollte sich auch „unser H.C.“ zu Herzen neh- men und die Politik einfach verlassen. Nur, das wird er nicht. Weil er sich der Uninformiertheit seiner Fans sicher sein kann. Das ist mir klar seit unserem ersten Zusammentreffen am Wiesel- burger Volksfest. In weiser Voraussicht lud ich den damaligen SJ-Vorsitzen- den Boris Ginner zum Doppel-Inter- view – um inhaltlich und rhetorisch nicht völlig ausgeliefert zu sein. Und es war höllisch schwer, überhaupt zu Wort zu kommen, nicht nur we- gen der Dauerbeschallung durch die John-Otti-Band. Ich kann mich noch gut an die Stimmung im dunstigen Festzelt erinnern: Verzweiflung, Wut und Neid lagen toxisch mit einer sü- ßen Versuchung in der Luft. Unter Beifall nahm er diese Stim- mung und verwandelte sie in eupho- risches Zuprosten – „Wir sind wer!“ Sein Angebot blieb gleich: er prä- sentiert Schuldige, auf die all diese Verzweiflung, Wut und Missgunst abgeleitet werden kann, darf und soll. Das konnte er mit teuer erkauf- ter Kommunikation, bezahlt von un- serem Steuergeld. Nun haben wir auf Farbfilm doku- mentiert, dass (beileibe nicht nur die- ser) Politiker synonym zu „korruptem, macht- und mediengeilem Arschloch“ steht. Es gilt jetzt, das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen. Bür- ger-Parlamente als Machtwächter gegen Rattenfänger. Das kostet. Besser aber, als Millionen in nichts- sagende Wahlkämpfe zu stecken. Ist Österreich dafür bereit? £ momag 372 | juni 2019 26 | mostviertel magazin

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