momag 374 | SEPTEMBER 2019

Kampf dem Innenstadt Leerstände. Schlendern durch schmucke Altstädte oder kleine Orte. Stimmengewirr, Kindergelächter, Markttreiben – man spürt, dass sich hier das Ortsleben abspielt. Doch dieses Bild ist bedauerlicherweise gegenwärtig etwas verklärt, denn die Realität sieht vielerorts anders aus. L eerstehende Geschäfte, leere Straßen. Die Fo- kussierung der letzten Jah- re hin zu Einkaufszentren spürt der Ort im Kern ganz klar. Das Resultat: einerseits leere Einkaufsstraßen, trost- lose verwaiste Auslagen und andererseits Einkaufstempel am Rande unserer Städte und Orte. Aber es gibt Initiativen und Menschen, die sich klar gegen diesen Trend ausspre- chen. Das momag war auf der Suche nach jenen, die den Zentren wieder Leben  wirtschaft impressum 3340 Waidhofen an der Ybbs, Seebachgasse 5, 0650 5510 222, office@momag.at Medieninhaber: momag e.U., 3340 Waidhofen/Ybbs, FN 392758k (LG St.Pölten) Herausgeber: Werner Fally, werner@momag.at Chefredaktion: Michaela König MA, michie@momag.at | Musikredaktion: Petra Ortner, petra@momag.at Autorinnen und Autoren: Johann Anglberger, Hildegard Fally, Julia Fichtinger, Mag. Alisa Gerstl BA, Julia Gugler MA, Evelyne Heisler MSc, Mag. Barbara Pletzer, Marlene Scheuch, Doris Schleifer-Höderl Kolumnistinnen und Kolumnisten: Magdalena Ahrer, Mag. Michaela Auer, Peter Brandstetter, Maria Glaser, Gerhard Hintringer, Mario Hirner, Waltraud Hirner, Artis Franz Jansky-Winkel, Ing. Stefan Kastenhofer, Mag. Andrea Kromoser, Dr. Ellen Marktl-Tesselhoff, Sonja Raab, Elke Rösen, Simon Roth BA, Gabriele Schramel, Andrea Stiftner, Gerhard Stubauer BA, Mag. Robert Voglhuber Anzeigenberatung: Ricarda Brandstetter, ricarda@momag.at | Michaela Fally, michaela@momag.at Kleinanzeigen und Abo: Maria Schoißwohl, maria@momag.at Grafik & Layout: Helmut Hirner, grafik@momag.at | Druck: Druckerei Berger, 3580 Horn, www.berger.at Erscheinungsort/Verlagspostamt: A-3340 Waidhofen an der Ybbs Grundlegende Richtung: Unabhängige Zeitschrift zur Förderung der Wertschätzung, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit in der Region Mostviertel. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht die Meinung des Herausgebers wieder. Für den Inhalt der Inserate haftet der Auftraggeber. Autorinnen sind für den Inhalt ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die Schreibweise ist nicht immer geschlechtsneutral, das jeweils andere Geschlecht ist diesfalls mit-gemeint ;-) mostviertorial erfassen und begreifen peter brandstetter | Petzenkirchen peter@momag.at E twas mit eigenen Händen zu schaffen, macht zufrieden. Diese Sicht aufs „Handgemachte“ stammt aus dem Freizeitbereich, im gewerb- lichen Alltag sehen die Dinge anders aus. Kaum ein Tischler fertigt heute Sessel vom Stuhlbein bis zur Lehne, wenige Bäcker begleiten das Produkt von der Teigherstellung bis zum fer- tigen Brot. Viele Handwerker sind heute Spezialisten für Teilbereiche geworden oder Bediener komplexer Maschinen. Der Facharbeitermangel hat wenig mit Idylle zu tun, sondern andere Aspekte. Es fehlen sowohl aus- gebildete Profis, als auch angelernte Hilfskräfte. Für richtige und gelernte Handwerker fehlt auch die berufliche Perspektive. Als ausgelernter Geselle hat man das Ende der Karriereleiter oft schon mit 20 erreicht; außer man macht sich selbstständig. In den Haushalten ist Handwerks- wissen auch Mangelware. Die gegen- wärtige Elterngeneration ist schon nicht mehr sattelfest bei kleineren Reparaturen; weitergegeben an die Kinder wird wenig. Die Schulen sind voll mit Kids, die keine Idee haben, wofür Hammer, Schraubenzieher und Kochlöffel gut sind. Fein wäre es, wenn das ur-menschliche Bedürfnis, etwas zu schaffen, verbunden wäre mit beruflichen Chancen, Status und Bildung. Diese Möglichkeiten sollten allen offen stehen; was bedeutet, dass wer eine Lehre beginnt, auch die Chance haben sollte, Universitätspro- fessor zu werden. Nicht alle wollen das und nicht alle können das; aber es könnte ein Vorteil sein, wenn ein Architekt seine Karriere als Maurer ge- startet hätte. Handwerk ist Bildung. Die alte Weisheit, dass nur Geübtes wirklich gelernt wird (von der Hand ins Hirn) ist banal, aber wichtig. Es wird niemand ein guter Tischler, ohne ausführliche praktische Übung; man wird nicht Chirurg durch Bücherlesen. Weswegen die Ausbildungsstrategie des Handwerks, Theorie und Praxis zu verknüpfen, goldrichtig ist. Imma- nuel Kant sagte, dass die Hand der sichtbare Teil des Gehirns sei. Der Boom der do-it-yourself Szene und die Staus vor den Heimwerker-Mär- kten zeigen, dass wir alle gern was mit den Händen tun; auch wenn’s nicht immer gleich gelingt. £ c-stummer photography | iconicturn momag 374 | september 2019 4 | mostviertel magazin

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